Er zählt zu den größten WM-Helden in der Historie des 1. FC Köln: Thomas Häßler holte 1990 als einer von vier FC-Profis den Weltmeistertitel. Die Geschichte eines „schlampigen Genies“ – und was „Icke“ heute macht.
Während die Fußball-Welt gebannt auf die WM 2026 blickt, sorgt eine Dokumentation gerade auch bei vielen FC-Fans für Gänsehaut Ein Sommer in Italien – WM 1990 lässt den dritten deutschen Weltmeistertitel noch einmal aufleben. Für Anhänger des 1. FC Köln ist der Film dabei eine ganz besondere Zeitreise. Denn mit Thomas Häßler, Pierre Littbarski, Bodo Illgner und Paul Steiner stellte der FC gleich vier Weltmeister.
Einer von ihnen feierte Ende Mai einen runden Geburtstag. Thomas „Icke“ Häßler wurde 60 Jahre alt. Und kaum ein anderer Spieler verkörpert die goldenen FC-Jahre der späten 80er so sehr wie der quirlige Spielmacher. In Köln wurde aus einem hochbegabten Berliner Straßenfußballer ein Nationalspieler, Deutschlands Fußballer des Jahres und schließlich Welt- und Europameister.
Löhr verzweifelte am „schlampigen Genie“
Dabei hätte seine Karriere auch ganz anders verlaufen können. 1983 machte der damals 17-Jährige beim Jugendländerpokal in Duisburg auf sich aufmerksam. Nicht nur Eintracht Frankfurt oder Borussia Mönchengladbach warben um den technisch überragenden Mittelfeldspieler. Auch der 1. FC Köln schickte seinen sporttechnischen Leiter Hannes Löhr nach Duisburg. Der sprach Häßler direkt nach dem Turnier an – und überzeugte ihn. „Ich hatte schon in der Sportschau immer mit dem FC gezittert. Jetzt war ich am Ziel meiner Wünsche“, erinnerte sich Häßler später.
In Köln spielte der gebürtige Berliner zunächst in der A-Jugend unter Christoph Daum. Ein Jahr später rückte er bereits zu den Profis auf. Doch der Start verlief alles andere als geradlinig. Hannes Löhr, inzwischen Cheftrainer, erkannte zwar das außergewöhnliche Talent seines jungen Mittelfeldspielers, verzweifelte aber regelmäßig an dessen Einstellung. Legendär wurde seine Beschreibung vom „schlampigen Genie“.
Häßler galt als unbeschwert, manchmal unprofessionell, ließ es neben dem Platz auch gerne einmal krachen. In den ersten beiden Bundesliga-Jahren kam er meist nur zu Kurzeinsätzen. Erst als Christoph Daum 1986 die Profis übernahm, platzte der Knoten. Aus dem begnadeten Techniker wurde einer der besten Spielmacher Deutschlands.
Daum gab Häßler Freiheiten, formte ihn aber gleichzeitig zu einem deutlich kompletteren Fußballer. In Köln entstand auch der Spitzname „Icke“, den ihm Mannschaftskollegen wegen seines unverkennbaren Berliner Dialekts verpassten – ein Name, der ihn bis heute begleitet.
Häßler blieb beim 1. FC Köln Titel verwehrt
Mit seiner spektakulären Technik, seinen Freistößen und seiner unbekümmerten Art spielte sich der gerade einmal 1,66 Meter große Mittelfeldspieler schnell in die Herzen der FC-Fans. Der FC gehörte Ende der 80er wieder zu den Spitzenteams der Bundesliga. Nach dem verlorenen UEFA-Cup-Finale 1986 folgten zwei Vizemeisterschaften, doch der ganz große Mannschaftstitel blieb den Kölnern verwehrt.
Persönlich erreichte Häßler dennoch den Höhepunkt seiner FC-Zeit. 1989 wurde er zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt, auch dank seines Tores zum 2:1 gegen Wales in Müngersdorf, mit dem sich Deutschland für die WM in Italien qualifizierte.
Bei der Weltmeisterschaft 1990 gehörte Häßler zum deutschen Aufgebot von Teamchef Franz Beckenbauer. Er kam in fünf der sieben Turnierspiele zum Einsatz, stand auch im Finale gegen Argentinien auf dem Platz und durfte anschließend im Olympiastadion von Rom den WM-Pokal in die Höhe stemmen. Gerade die neue Dokumentation zeigt eindrucksvoll, welchen Stellenwert dieser gemeinsame Sommer für Häßler bis heute besitzt – und wie eng die Weltmeister von damals noch immer miteinander verbunden sind.
Wo sind die Häßler-Millionen?
Nach dem Titelgewinn war der FC allerdings nicht mehr in der Lage, seinen Star zu halten. Für die damalige Rekordablösesumme von rund 17 Millionen D-Mark wechselte Häßler zu Juventus Turin. Über den Verbleib dieser Riesensumme gab es in der Folge viele Gerüchte, der FC konnte sie jedenfalls nicht für einen erfolgreichen Kader-Umbau nutzen.
Es folgten Stationen bei AS Rom, dem Karlsruher SC, Borussia Dortmund und TSV 1860 München. 1996 gewann er mit Deutschland auch noch die Europameisterschaft und gehörte damit zu einer der erfolgreichsten Fußballergenerationen des Landes.

Den Kontakt zum FC verlor Häßler trotzdem nie. Nach dem Karriereende kehrte er nach Köln zurück, absolvierte an der Sporthochschule seine Trainerausbildung und arbeitete 2006 als Techniktrainer für den FC. Später zog es ihn als Trainer unter anderem nach Nigeria und in den Iran, heute lebt der Weltmeister deutlich ruhiger als zu seinen aktiven Zeiten in Berlin, ist dort Coach des FC Spandau 06. Sein Ausflug vor zehn Jahren in die Welt von Let’s dance blieb einmalig, kürzlich trat er aber auch mit Weltmeisterkollege Pierre Littbarski in dessen Theaterstück auf.
Häßler Kölns letzter „Fußballer des Jahres“
Sein Name ist dennoch bis heute untrennbar mit einer der erfolgreichsten Epochen des 1. FC Köln verbunden. Mit den Vizemeisterschaften unter Christoph Daum, mit den magischen Freistößen im Müngersdorfer Stadion, mit seiner Wahl zu Deutschlands Fußballer des Jahres – und natürlich mit jenem unvergesslichen Sommer 1990.
Bis heute wartet der Verein darauf, dass wieder ein Spieler in seine Fußstapfen tritt. Denn auch 37 Jahre nach seiner Auszeichnung ist Thomas Häßler noch immer der letzte FC-Profi, der zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt wurde, das schaffte nicht einmal Lukas Podolski. Das lange Warten dauert an.





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