„Er war nicht zufrieden“: FC-Profi selbstkritisch – jetzt Wagner-Gewinner

Jan Thielmann gegen Herthas Evan Zeefuik. (Foto: IMAGO / Jan Huebner)
Jan Thielmann gegen Herthas Evan Zeefuik. (Foto: IMAGO / Jan Huebner)

Er war einer der auffälligsten Spieler beim 2:2 gegen Hertha BSC und für René Wagner auch generell einer der Gewinner im Trainingslager: Der Chefcoach des 1. FC Köln verteilt Sonderlob an Jan Thielmann. Keine Sorgen macht sich Wagner um den zwischenzeitlich behandelten Said El Mala.

Aus dem Trainingslager in Kitzbühel berichten Marc L. Merten und Martin Zenge

Wohl jeder Akteur auf dem Platz und womöglich auch der Großteil der Zuschauer auf der komplett von der Sonne gefluteten Tribüne im Koasastadion war froh, als am Freitagnachmittag der Abpfiff ertönte. René Wagner freute sich zudem über die Leistung seiner Mannschaft. Bei brütend heißen 35 Grad in der Kitzbühler Mittagshitze trennte sich der 1. FC Köln mit 2:2 von Hertha BSC.

„Wir sind stolz auf die Jungs, dass sie bei den Temperaturen und nach einer harten Woche durchgezogen haben“, zog Wagner anschließend sein Fazit. Ein spätes Berliner Traumtor verhinderte den Sieg zum Trainingslager-Abschluss, wobei der FC im Spielverlauf schon deutlich höher hätte führen können – wären die Geißböcke nicht dreimal am Pfosten oder an der Latte gescheitert (hier geht’s zum Spielbericht).

Keine Sorgen um El Mala – Sonderlob für Thielmann

„Dass nicht alles funktioniert, ist völlig normal“, so Wagner, der erinnerte: „Die Jungs hatten schwere Beine nach den harten Trainingstagen. Für uns war es ein sehr, sehr guter Test. Hertha war ein super Gegner für uns.“ Die Berliner starten bereits am kommenden Freitag in die Zweitliga-Saison, auch deswegen war Wagner „zufrieden mit dem Test und mit dem Trainingslager“.

Gefallen hat ihm gegen Hertha insbesondere die erste Halbzeit, in der die Kölner das Geschehen nahezu komplett im Griff hatten und durch Ragnar Ache mit 1:0 führten. Auch die ersten 20 Minuten nach der Trinkpause in einer generell etwas wilderen zweiten Halbzeit sagten dem Kölner Coach zu. „Wir hatten Riesenchancen, die wir nicht genutzt haben. Am Ende ist das Spiel aufgegangen, beide Mannschaften waren müde – was bei diesem Wetter mehr als verständlich war.“

Vielleicht wollte er kurz eine Pause bei dem Wetter.

René Wagner über El Mala

Keine Sorgen macht sich Wagner um Said El Mala, der unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff nach einem Zweikampf auf dem Rasen liegen geblieben war und behandelt werden musste. „Da ist nichts passiert. Vielleicht wollte er kurz eine Pause bei dem Wetter“, schmunzelte der Trainer. Zumal El Mala wie alle FC-Profis nach seiner Auswechslung noch Läufe abspulte.

Angesprochen auf seine Gewinner des Trainingslagers, nannte Wagner allerdings einen anderen Namen. „Jan Thielmann ist ein super Beispiel, um mal einen herauszuheben“, sagte der 38-Jährige, der eigentlich nur ungern einen Spieler aus dem Kollektiv heraushebt. Doch Thielmann hat es sich offenbar verdient. „Er hat von Tag eins an Gas gegeben und hat auch mit mir gesprochen: Er war letztes Jahr nicht so zufrieden mit seiner Saison, jetzt ist er wieder mit vollem Tatendrang dabei“, berichtete Wagner.

Von wegen Wechsel: Thielmann will führen

Nach seiner ernüchternden Vorsaison galt Thielmann schon als Kandidat für einen Abgang. Er zeigt sich aber ganz offensichtlich selbstkritisch – und denkt gar nicht an einen Wechsel. „Ich sehe mich beim FC, ich habe einen Vertrag und das ist mein Verein. Da muss schon einiges passieren, damit ich etwas anderes plane“, erklärte er während des Trainingslagers gegenüber dem Express.

Viel lieber will der dienstälteste FC-Profi im Wagner-Team eine Leaderrolle übernehmen. „Jan ist seit Ewigkeiten im Verein und hat selber den Anspruch, zu führen. Wenn er das tut, sind wir alle froh“, sagte Wagner und nahm die gesamte Mannschaft in die Pflicht: „Jeder muss seine Rolle finden. Es gibt Spieler, die eher führen, weil sie alle Aufgaben mit 100 Prozent erledigen. Und es gibt Spieler, die eher mit Sprache führen oder weil sie neben dem Platz eine Mannschaft zusammenhalten.“ Jeder probiere, „seine Nische zu finden“, so auch Thielmann. „Jan versucht gerade alles dafür, dass er mehr Führung übernehmen kann. Da stehen wir ihm nicht im Weg, ganz im Gegenteil.“

Wir sind froh, wenn wir im Flieger sitzen in Richtung Heimat.

René Wagner

Im Härtetest gegen Hertha bereitete Thielmann die 1:0-Führung durch Ache mustergültig vor. Das 2:1 von Marius Bülter legte ein weiterer FC-Profi auf, der mit seiner vergangenen Saison nicht zufrieden sein konnte: Linton Maina. Der Treffer fiel nach einem Eckball, doch gerade aus dem Spiel heraus überzeugte Maina mit seinen finalen Pässen. Für den offensiven Mittelfeldspieler gehe es aber zunächst mal darum, nach seinem Infekt wieder bei 100 Prozent zu landen. Wagner: „Linton tut gerade ganz gut daran, sich in volle Fitness zu bekommen.“

Grundsätzlich sprach der Trainer zum Abschluss in Kitzbühel dem gesamten Kader ein Lob aus. „Die ganze Mannschaft hat alles reingehauen. Alle wollten gegen den Ball arbeiten und mit dem Ball Akzente setzen. Jeder will Gas geben und sich anbieten, das spürt man im Training. Das war heute bei 35 Grad noch schwerer als sonst. Wir sind froh, wenn wir im Flieger sitzen in Richtung Heimat.“ 18.55 Uhr hebt der FC-Tross von Salzburg nach Köln ab.

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