Als langjähriger Athletikcoach des DFB kennt sich Ulf Sobek mit Trainingslagern aus. In Kitzbühel erlebte der 54-Jährige nun sein erstes Sommercamp als Vizepräsident des 1. FC Köln. Im Interview mit dem GEISSBLOG spricht der Sportwissenschaftler über seine Eindrücke und den Stand der Kaderplanung.
Das Interview führten Marc L. Merten und Martin Zenge
GEISSBLOG: Herr Sobek, wie blicken Sie auf das Trainingslager in Österreich zurück?
ULF SOBEK: „Ich habe schon viele Trainingslager erlebt, aber nicht aus meiner jetzigen Perspektive. Es ging darum, zueinander zu finden und eine gemeinschaftliche Idee zu erarbeiten, wie man Fußball spielen möchte. Ich sehe hier sehr viele verbindende Elemente und eine gute Mischung aus harter Arbeit und der notwendigen Lockerheit, um die Neuzugänge und jungen Spieler zu integrieren. Die Rahmenbedingungen waren hervorragend und es gab alles, was es für ein erfolgreiches Trainingslager gebraucht hat.“
Wie hat Ihnen gefallen, was Sie auf dem Rasen gesehen haben?
„Es war ein sehr, sehr gutes Niveau mit einer hohen Intensität, in der niemand abgefallen ist. Zum jetzigen Zeitpunkt der Vorbereitung gefällt mir das sehr gut.“
Umbau der sportlichen Leitung „nie abgeschlossen“
Sie erwähnen die hohe Intensität. Wir haben im Trainingslager mit Tim Steidten zusammengesessen, der die Kaderplanung auch strategisch erklärt hat. Aus Ihrer Sicht: Worauf muss der FC in Zukunft achten, um in der Kaderplanung erfolgreich zu sein?
„Alles beginnt mit der Infrastruktur und der sportlichen Leitung. Ersteres ist mit dem bevorstehenden Bau der Plätze und des Leistungszentrums auf den Weg gebracht. Gleichzeitig hat Thomas Kessler mit Tim Steidten die Scouting-Abteilung auf ein neues Niveau gehoben. Ein weiteres zentrales strategisches Ziel im Sport ist für uns, dass immer wieder eigenen Nachwuchsspielern der Sprung nach oben gelingt, weshalb wir im Trainingslager sechs Talente dabei hatten.“
Und dann braucht es frisches Blut von außen.
„Ganz klar. Aber es müssen Spieler sein, die für den 1. FC Köln ihr letztes Hemd geben, die einen guten Charakter haben, die ihre Rollen ganz klar kennen. Dazu kommen die sportlichen Profile, die wir definieren. Die sind nicht mehr positionsspezifisch formuliert, sondern auf die jeweiligen Aufgaben fokussiert. Das Wichtigste ist aber, dass es immer ein klares Commitment zum 1. FC Köln gibt.“
Wir haben jetzt in René einen Cheftrainer, der den Spezialisten in ihren Fachgebieten vertraut und mit seiner eigenen Expertise sehr gut ergänzt.
Ulf Sobek
Sie haben den Umbau in der sportlichen Leitung schon angesprochen. Ist der Prozess abgeschlossen?
„Unsere Weiterentwicklung ist nie abgeschlossen. Ein Beispiel ist, dass mit Nils Segelken ein zweiter Torwarttrainer dazugekommen ist. Dies ermöglicht, dass Peter Greiber perspektivisch eine strategischere Rolle einnehmen kann und unser Torwart-Scouting und Recruiting aufbauen wird. Wir blicken auch über den Tellerrand hinaus, wollen beispielsweise im Hintergrund stärker mit Hochschulen kooperieren. Zudem wollen wir mit den Top-Talenten noch individueller arbeiten und uns im Bereich der Datenanalyse stärker spezialisieren. Wir haben schon eine Menge umgesetzt, aber das heißt nicht, dass wir uns jetzt in die Hängematte legen.“
Sie haben mal den Gedanken geäußert, einen übergeordneten Performance Coach zu installieren, der im Bereich Athletik den Hut auf hat. Wie weit sind Sie da?
„Wir sind sehr zufrieden mit dem Bereich Athletik und der physiotherapeutischen Abteilung. Wir haben jetzt in René einen Cheftrainer, der diese relevanten Bereiche sehr gut zusammenführt, den Spezialisten in ihren Fachgebieten vertraut und mit seiner eigenen Expertise sehr gut ergänzt.“
Was Sobek an Wagner besonders schätzt
Ist das einer der Gründe, weshalb René Wagner dauerhaft zum Cheftrainer befördert wurde?
„Ganz bestimmt, ja. Ich schätze an ihm den persönlichkeitszentrierten Ansatz. Er hat eine unglaubliche Loyalität, ist klar und offen in seiner Kommunikation, spricht ganz deutlich über seine Ideen und was er wie erreichen will. Das sehen wir täglich im Training. Er will die Menschen um sich herum einbinden, stärken und transparent informieren. Das schätze ich sehr an ihm – und es hat letztlich alle beim FC, auch in den Gremien, überzeugt.“
Inwiefern sind Sie als Vizepräsident mit sportlicher Expertise aktiv in die aktuelle Kaderplanung eingebunden?
„Operativ bin ich natürlich nicht eingebunden. Ich höre zu und biete an, mit meinem Netzwerk zu unterstützen, wenn es eine Hilfe darstellt. Thomas Kessler trifft die Entscheidungen und stellt sie uns im Gemeinsamen Ausschuss (GA, Anm. d. Red.) vor. Und das macht er so, dass alle Mitglieder des GA genau sehen und nachvollziehen können, warum wir uns für einen Spieler entscheiden sollen. Solche professionellen Abläufe bestätigen mir, dass wir absolute Top-Leute in den zentralen Positionen haben.“
Zum Ende der Transferperiode wollen wir schauen, ob wir auf einzelnen Positionen die Qualität noch einmal erhöhen können.
Ulf Sobek
Was können die Fans denn im Transfersommer noch erwarten?
„Wir diskutieren natürlich noch diverse Profile. Es ist kein Geheimnis, dass wir in allen Mannschaftsteilen noch etwas machen wollen. Und zum Ende der Transferperiode wollen wir schauen, ob wir auf einzelnen Positionen die Qualität noch einmal erhöhen können.“
Der FC holt junge Spieler von außen hinzu, einige Eigengewächse trainieren aber auch mit den Profis. Wie schafft man den Spagat, den eigenen Spielern nicht die Chance zu verbauen, und dennoch Top-Talente extern hinzuzuholen?
„Es ist relativ einfach: Die Basis sind immer unsere eigenen Talente. Wenn wir dann jemanden von außen hinzuholen, muss er entweder vom Profil her ganz anders oder klar besser sein. Das ist unsere Philosophie. Priorität hat natürlich die Leistung. Wenn wir uns also mit externen Talenten beschäftigen, müssen sie ein anderes Niveau mitbringen als die Spieler, die wir aus dem eigenen Nachwuchs heranführen.“
Teil zwei des Interviews mit FC-Vizepräsident Ulf Sobek erscheint am Samstag beim GEISSBLOG.






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