Den 1. FC Köln holt eine alte Schwäche früh in der neuen Saison wieder ein. Fast verzweifelt sucht man nach Wegen, bei ruhenden Bällen endlich konkurrenzfähig zu sein. Was nun helfen könnte.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Lukas Kwasniok redete sich wegen dieser Schwäche des 1. FC Köln in der letzten Saison den Mund fusselig. Hannes Dold musste wegen dieser Schwäche sogar seinen Hut als Co-Trainer nehmen. Und obwohl René Wagner in der Schlussphase der letzten Saison glaubte, das Problem gebannt zu haben, kommt es nun doppelt und dreifach wieder: die Standardschwäche.
Der FC hat gegen Werder Bremen den Sieg nach einem Eckball hergeschenkt. Beim Hamburger SV gerieten die Kölner nun aus dem Nichts in Rückstand und spielte damit den Rothosen komplett in die Hände. In zwei Spielen, die mit sechs Punkten für die Geißböcke hätten enden können, reichte es so nur zu einem Zähler. Fünf fehlende Punkte, die in einer womöglich engen Saison noch teuer werden könnten und die für reichlich MIssmut im Umfeld sorgen.
FC muss endlich auf Standards setzen
Es ist kein Geheimnis: Standards sind eine Schlüssel-Qualität geworden. Der FC Arsenal gewann damit die Premier League und erreichte das Champions-League-Finale. Der FC Bayern zieht durch einfache Tore nach ruhenden Bällen seit Jahren den Kopf aus der Schlinge, wenn es mal eng wird. Und Super-Schützen wie Alejandro Grimaldo, Nadiem Amiri oder Julian Ryerson nehmen in der Bundesliga eine immer größere Rolle ein.
Was vorne gilt, gilt freilich auch hinten. Wer Ecken und Freistöße zuverlässig verteidigt, verweigert Gegnern einen Weg ins Spiel. Selbst unterlegene Gegner wie der HSV gegen den FC können über Standards aus dem Nichts Tore machen. Hamburgs Coach Polzin gab nach dem Spiel zu, seine Mannschaft genau auf diese Kölner Achillesferse vorbereitet zu haben. Denn die große Schwäche der Geißböcke ist längst ligaweit bekannt.
Standards können eine Kunstform sein
Nun steht eine lange Länderspielpause an, und vielleicht wäre es an der Zeit, über einen anderen Ansatz nachzudenken. In anderen Sportarten widmen sich nicht nur Special Teams und Standard-Trainer explizit diesen Spielmomenten. Es werden auch eigene Trainingseinheiten zusätzlich zum regulären Trainingsplan einberufen, um in diesen 90 Minuten nichts anderes einzuüben als ruhende Bälle.
Standards können eine Kunstform sein – wenn man sie dazu macht. Der FC jedoch kassiert seit einem Jahr in unschöner Regelmäßigkeit Gegentore nach Ecken und Freistößen, ohne auf der anderen Seite selbst ständig für Gefahr nach ruhenden Bällen zu sorgen. Fast verzweifelt sucht man am Geißbockheim nach einer Lösung dieses Problems – da man personell nicht aufrüsten könnte müsste man sich vielleicht doch einmal nach einem echten Experten umschauen, als zu glauben, alles „intern“ regeln zu können.
HSV rührt Beton an und trifft
Denn das besonders Bittere ist: Der FC war in Hamburg deutlich besser. Der HSV hatte den Geißböcken außer Beton mit elf Spielern in der eigenen Hälfte nichts entgegen zu setzen. Bis zur 44. Minute und diesem einen Eckball, der alles veränderte. Man würde sich im Kölner Sinne wünschen, dass es in Zukunft der FC ist, der solche Tore erzielt – und in der Lage ist, sie in der eigenen Abwehr zu verhindern.







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