Ist das der Preis für El Mala? Abwehr-Sorgen treiben FC zur Flucht nach vorn

Luca Lochoshvili, Marvin Schwäbe und Jahmai Simpson-Pusey
Wie stark ist die Kölner Offensive? Am Samstag wartet auf Luka Lochoshvili, Marvin Schwäbe und Jahmai Simpson-Pusey der nächste Test gegen Werder Bremen. (Foto: imago/Sven Simon)

Mit einem Offensiv-Spektakel zum Klassenerhalt? Darauf könnte es beim 1. FC Köln in dieser Saison hinauslaufen. Experten wie Weltmeister Pierre Littbarski zweifeln an der defensiven Qualität und setzen auf die Sturmstars.

Das Erfolgsgeheimnis des Weltmeisters klingt simpel. „Der 1. FC Köln muss ein Tor mehr schießen als der Gegner“, sagte Pierre Littbarski auf der Bühne des DuMont-Talks vor dem Spiel gegen Werder Bremen am Samstagabend. Doch dahinter steckte mehr als nur eine Binsenweisheit.

Denn auch Experten vom Fach ist klar: Für die Offensive ist der FC mit Said El Mala und Mikey Moore sowie Mittelstürmer Thijs Dallinga qualitativ überdurchschnittlich besetzt. Dahinter hat man mit Ragnar Ache, Reigan Heskey, Linton Maina, Marius Bülter und Luca Waldschmidt weitere starke Optionen. Littbarski: „Der Plan ist ganz offensichtlich, mit einem offensiven Spielstil erfolgreicher zu sein.“

„Abwehr-Sorgen der finanziellen Situation geschuldet“

Der frühere Sportchef Jörg Jakobs pflichtete der Diagnose bei, trotz der Investitionen in Luka Lochoshvili (4,8 Millionen Euro) sowie Jahmai Simpson-Pusey (fünf Millionen Euro) und nachdem schon im Vorjahr Rav van den Berg für rund acht Millionen Euro verpflichtet wurde: „Das ist ein bisschen der finanziellen Situation geschuldet, nachdem man Said El Mala behalten hat. Deshalb musste man in der Defensive ein wenig auf Fantasie setzen.“

Jakobs zählte auf: „Mit Luca Lochoshvili ein Verteidiger aus der 2. Liga, dazu mit Jahmai Simpson-Pusey ein noch sehr junger Profi aus England. Da fehlt uns Timo Hübers weiterhin sehr, der sich hier beim FC zu einem gestandenen Bundesliga-Verteidiger entwickelt hat.“


Der langjährige FC-Entscheider glaubt, dass das Folgen haben wird: „Wenn, dann mache ich mir um die defensive Stabilität Sorgen. Die werden wir nicht Woche für Woche haben.“ Da stimmte Littbarski zu: „Früher hieß es, die Stürmer haben es schwer in der Bundesliga. Heute haben es die Abwehrspieler schwerer. Was da an Schnelligkeit und Qualität beim Gegner auf sie zukommt – in der Innenverteidigung, aber auch über außen –, das musst du erst mal verteidigt bekommen.“

Wie Wagner sich vom Kwasniok-Plan absetzt

Offenbar hat das auch Auswirkungen auf die taktische Ausrichtung, denn erneut zwei Gegentore im Schnitt dürften bei aller Offensiv-Qualität zu viel sein. Stimmt Jakobs Analyse, will Wagner hinter seinem Offensivtrio für Sicherheit sorgen – was in Stuttgart allerdings nur bedingt klappte, denn der VfB hatte vor der Pause teilweise Chancen im Minutentakt und der FC drohte, beim Champions-League-Club übel unter den Rädern zu landen.

„Ich habe den Eindruck, dass René einen stabilen Block mit zwei Sechsern gewählt hat, auch um sich von dem, was bei Lukas Kwasniok vorher war, abzugrenzen. Ich denke, die Spiele werden oft sehr enge Kisten werden, in denen wir Matchglück brauchen werden. Das ist das, was uns erwartet“, so der 55-Jährige. „Aber ich bin mir sicher, dass der FC die Qualität hat, um einigermaßen sorgenfrei durch die Saison zu kommen.“ Das ist auf dem Papier auch ziemlich simpel: Indem man möglichst oft ein Tor mehr schießt als der Gegner.

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