Die Auswechslung von Mikey Moore hat beim 1. FC Köln für Unmut auf den Rängen gesorgt. Als René Wagner den Engländer gegen Schalke 04 vom Feld nahm, reagierten die Fans mit lautstarken Pfiffen. Nach der Partie erklärte der Trainer seine Beweggründe.
Am Samstagnachmittag drohte die Stimmung endgültig zu kippen. In der 68. Minute nahm René Wagner Mikey Moore vom Feld und brachte Luca Waldschmidt für den 19-jährigen Engländer. Die Fans des 1. FC Köln machten ihrem Unmut lautstark Luft: Deutliche Pfiffe begleiteten die Entscheidung, von der Nordtribüne schallten sogar erste „Wagner raus“-Rufe durch das Stadion.
Angesichts des schwachen Auftritts gegen personell stark limitierte Schalker waren die Anhänger ohnehin zunehmend unruhig geworden. Die Gäste zogen sich immer weiter zurück, der FC fand offensiv keine Lösungen. Dass ausgerechnet Moore, der immer wieder mit Einzelaktionen für Gefahr zu sorgen versuchte, vorzeitig Feierabend hatte, stieß bei vielen Fans auf Unverständnis. Und nicht nur bei ihnen.
Littbarski hinterfragt Wagners Entscheidung
Auch FC-Legende Pierre Littbarski konnte mit dem Wechsel wenig anfangen. „Man muss jetzt natürlich mal den Finger in die Wunde legen“, sagte der ehemalige Kölner Profi und hinterfragte, dass der „vielleicht beste Spieler Moore ausgewechselt wird, obwohl er wirklich gute Aktionen hatte und noch einigermaßen frisch aussah“.
Littbarski vermutete, bei der Entscheidung könnten womöglich andere Kriterien eine Rolle gespielt haben. Vielleicht hätten „die Computer-Daten nicht ganz so top“ ausgesehen, mutmaßte der Weltmeister von 1990. Seine eigene Einschätzung fiel jedenfalls deutlich positiver aus: „Ich fand, der Junge hat top gespielt, der hat etwas bewegt.“
Damit sprach Littbarski wohl auch vielen FC-Fans aus der Seele. Denn auch wenn Moore längst nicht alles gelang, gehörte er zu den wenigen Kölnern, die gegen die tief gestaffelten Schalker überhaupt versuchten, mit Tempo Lücken in die Defensive zu reißen.
Wagner erklärt die Auswechslung von Moore
Wagner hatte für den Wechsel allerdings seine Gründe, und die lagen ausgerechnet in Moores Stärke, dem Dribbling. Der Engländer suchte immer wieder das Eins-gegen-eins, doch mit zunehmender Spieldauer wurde dem Trainer das Risiko offenbar zu groß.
„Mikey hatte drei, vier Aktionen, bei denen wir das Gefühl hatten, dass er uns mit dem Risiko, das er eingeht, den einen oder anderen Umschalter kosten kann“, erklärte Wagner nach der Begegnung. Von seinem Offensivmann forderte der Coach mehr Gespür für die jeweilige Spielsituation: „Da muss er noch lernen, dass die Balance im letzten Drittel stimmen muss, dass er den Ball auch mal zum Mitspieler bringt und wir uns dort festsetzen können, statt nach diesen Einzelaktionen immer wieder einen Umschalter zuzulassen.“
Das war der Wechsel, der für uns zu diesem Zeitpunkt Sinn gemacht hat.
René WAgner
Wie gefährlich solche Ballverluste werden können, hatte sich schon im ersten Durchgang gezeigt. Nach einem missglückten Dribbling von Moore musste Tom Krauß an der Mittellinie mit einem taktischen Foul eingreifen, um einen Schalker Gegenangriff zu unterbinden, und sah dafür die Gelbe Karte.
Mit Waldschmidt erhoffte sich Wagner dagegen mehr Kontrolle und neue Impulse im Offensivspiel. „Wir dachten, dass Luca zwischen den Linien gefährlich werden kann. Er weist im Training jeden Tag nach, dass er dort seine Stärken hat. Das war der Wechsel, der für uns zu diesem Zeitpunkt Sinn gemacht hat“, begründete der Trainer seine Entscheidung.
Moore will zu viel – und steht sich damit selbst im Weg
Dabei war Moore keineswegs der schwächste Kölner auf dem Platz. Zwar erwischte auch er keinen berauschenden Tag, doch er suchte immer wieder den Weg nach vorne. Er gab drei Torschüsse ab und 80 Prozent seiner fünf Dribblings waren erfolgreich.
Sein immenses Potenzial deutet Moore regelmäßig an, derzeit scheint er aber noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein. Er will unbedingt zeigen, was in ihm steckt, und sich für die kommende Saison in der Premier League in Stellung bringen. Mit seinen technischen Fähigkeiten, seinem Tempo und seiner Unbekümmertheit bringt er fraglos Qualitäten mit, die dem Kölner Offensivspiel guttun können. Aktuell wirkt es jedoch, als setze sich Moore selbst zu sehr unter Druck und wolle deshalb zu häufig mit dem Kopf durch die Wand.
Dass Wagner von ihm mehr Spielverständnis und eine bessere Abwägung zwischen Risiko und Sicherheit fordert, ist daher durchaus nachvollziehbar. Gleichzeitig bleibt die Frage, ob die Auswechslung in dieser Phase der Partie das richtige Signal war. Schließlich hatte Moore trotz seiner Fehler zumindest für Bewegung im Kölner Offensivspiel gesorgt – genau das, was nicht nur Littbarski bei vielen anderen FC-Profis offenbar vermisste.
Wenn die Jungs auf dem Platz nicht die richtigen Entscheidungen treffen, erhofft man sich durch Wechsel einen anderen Impuls.
Thomas Kessler
Für Thomas Kessler kam der Wechsel derweil nicht überraschend. „Mikey kann am Ball immer für Situationen sorgen, kann etwas kreieren. Das steht außer Frage, dafür haben wir ihn geholt. Gegen Schalke hat er aber nicht die Durchschlagskraft entwickelt“, monierte der FC-Geschäftsführer. Eine falsche Signalwirkung konnte er keinesfalls erkennen: „Luca Waldschmidt ist keine Einwechslung, um etwas abzusichern.“
So ein Wechsel sei natürlich eine Entscheidung, „die das Trainerteam für sich trifft und die René verantworten muss, aber ich sehe da keinen fehlenden Mut“, zeigte Kessler Verständnis und ordnete den Tausch weitaus weniger emotional als viele Fans ein: „Wenn die Jungs auf dem Platz nicht die richtigen Entscheidungen treffen, erhofft man sich durch Wechsel einen anderen Impuls.“







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