Kritik am Trainer, Lob für Sportchef: Podolski vermisst „klare Spielidee“

FC-Ikone Lukas Podolski. (Foto: IMAGO / Newspix)
FC-Ikone Lukas Podolski. (Foto: IMAGO / Newspix)

Lukas Podolski hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. So denkt der Weltmeister von 2014 über die Entwicklung des 1. FC Köln und Said El Mala.

Der eine zählt zweifelsfrei zu den größten Ikonen der jüngeren Vereinsgeschichte, der andere ist auf dem besten Weg dahin: Nicht wenige Fans und Beobachter des 1. FC Köln fühlen sich bei Said El Mala an Lukas Podolski erinnert. Podolski selbst widerspricht. „Es sind andere Zeiten, und jeder Spieler und jeder Charakter ist anders“, sagt der Ex-Profi im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger über den oft angestellten Vergleich, mit dem er wenig anfangen kann.

Unbestritten ist jedoch, dass Podolski die Entwicklung von Said und dessen älterem Bruder Malek mit Freude beobachtet. „Es ist super, dass zwei Brüder in einer Mannschaft spielen“, so der 41-Jährige, der in dieser Woche in Köln im Rahmen eines Sponsorentermins auf beide El Malas traf. „Malek trifft bei seinem Profidebüt – das ist eine geile Geschichte. Sie zeigt, was man mit harter Arbeit und Ausdauer erreichen kann.“

Podolski lobt die El Malas

Poldi meint: „Beide wirken ruhig und geerdet, sind aber robust, ein bisschen frech und haben Spielwitz – immer mit einem Spruch auf den Lippen. Manche jungen Spieler haben einen Stock im Hintern und scheitern dann oft. Man braucht mehr Freigeister.“ In dieser Hinsicht ähneln sich er und die El Malas womöglich schon.

Wie lange Nationalspieler Said noch den Geißbock auf der Brust trägt, vermag Podolski derweil nicht einzuschätzen. „Wenn er beim FC weiter so gut spielt und derart auf sich aufmerksam macht, könnte er natürlich auch bald weg sein. Das ist aber ein normaler Weg, und seine Ablöse würde dem Verein für die Zukunft sehr helfen.“

Ich hätte damals mein letztes Hemd gegeben, um immer beim FC zu bleiben. Nach den Abstiegen war ich als Nationalspieler zu gut, um beim FC zu bleiben.

Lukas Podolski

Der FC spiele schließlich „nicht in den Regionen, in die er meiner Meinung nach gehört: international, unter den sechs oder sieben besten Vereinen. Dort kannst du sagen: ‚Wir spielen offensiv, wir spielen international, hier kannst du gutes Geld verdienen.'“ Er selbst hätte „mein letztes Hemd gegeben, um immer beim FC zu bleiben“. Doch: „Nach den Abstiegen war ich als Nationalspieler zu gut, um beim FC zu bleiben. Außerdem habe ich dem FC gleich zweimal eine für den Verein wichtige Ablösesumme eingebracht.“ 2006 waren es zehn Millionen Euro von Bayern München, nach der Rückkehr für die identische Summe dann 15 Millionen Euro von Arsenal.

Bei El Mala wurden bereits im vergangenen Sommer ganz andere Summen verhandelt. Speziell Borussia Dortmund pokerte lange um den Kölner Star. „Ich dachte, es klappt, das war dann aber nicht der Fall“, gibt Podolski zu. „Vielleicht haben weder dem FC noch ihm die Angebote gepasst, oder kein Verein hat die 50 Millionen hingelegt.“

Kommunikation mit dem FC „nicht mehr so politisch“

Stattdessen verlängerte El Mala am Geißbockheim – und erhielt die legendäre Nummer 10. Mit freundlicher Freigabe von Podolski: „Ich mag einfach, wie er auftritt und für meinen Verein spielt.“ Die Nummer solle Spieler und Club helfen, „das Maximum aus ihm herauszuholen“. Denn: „Wenn der Verein irgendwann 50 Millionen oder sogar deutlich mehr für ihn bekommt, ist das doch super.“

Ein positiver Nebeneffekt rund um die Übergabe der 10: Die Kommunikation mit dem FC sei „so gut wie seit zehn Jahren nicht mehr“ gewesen, verrät Podolski. „Das hat mir sehr gefallen.“ Sein Draht ans Geißbockheim habe sich zuletzt deutlich verbessert. „Es läuft nicht mehr so politisch. Thomas Kessler kenne ich schon aus der FC-Jugend. Auch mit Philipp Liesenfeld und dem ganzen Marketingteam läuft die Kommunikation gut.“

Es ist schade, dass so ein ‚Dorf‘ wie Leverkusen dem FC zeigt, was möglich wäre.

Lukas Podolski

Nur auf dem Platz, da könnte es aus seiner Sicht besser laufen. „Mir fehlt beim FC eine klare Spielidee“, moniert der 130-fache Nationalspieler. „Ich schaue mir nicht alle Spiele an, aber in denen, die ich sehe, frage ich mich: Wofür steht die Mannschaft? Spielt sie defensiv kompakt und lauert auf Konter, setzt sie aufs Umschalten, spielt sie offensiv oder mit viel Ballbesitz?“

Die Kritik richtet sich an Trainer René Wagner, denn Podolski sagt auch: „Der Kader, den Thomas Kessler zusammengestellt hat, müsste mehr können, als er auf dem Platz zeigt.“ Bei manchen Mannschaften, beispielsweise Kovacs BVB, erkenne man einen klaren Plan. „Beim FC wirkt es oft wie ein Durchwursteln – Hauptsache, das Ergebnis stimmt.“

Wobei sich der Fanliebling gleichzeitig für mehr Kontinuität einsetzt. „Seit Steffen Baumgart weg ist, hatte der FC in etwa drei Jahren fünf Trainer. Das ist zu viel. Wenn man ständig Trainer und Verantwortliche wechselt, hat man keine DNA als Verein oder Mannschaft.“

Podolski: „Hölle, keine Familienveranstaltung“

Womöglich hilft den Geißböcken ein Erfolg gegen Bayer Leverkusen zu mehr Konstanz. Podolskis unmissverständliche Erwartung: „Das Stadion muss für die gegnerischen Mannschaften die Hölle sein, keine Familienveranstaltung. Sie müssen Angst haben, die Treppe hochzukommen.“

Dass der rheinische Rivale in der jüngeren Vergangenheit ganz andere Erfolge als sein FC feierte, ist ihm ohnehin ein Dorn im Auge. „Das ist bitter. Man darf aber nicht vergessen: Wenn du einen Konzern wie Bayer im Hintergrund hast, der dir vieles verzeiht und Löcher stopft, ist es einfacher als beim FC.“ Doch Leverkusen hole aus seinen Möglichkeiten auch viel heraus. „Es ist schade, dass so ein ‚Dorf‘ dem FC zeigt, was möglich wäre.“

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