„Bedeutet brutal viel“: Jetzt will der FC mit „grauen Haaren“ nach Berlin!

Die FC-Profis feierten nach dem 2:1 gegen Hertha vor der Südkurve. (Foto: Bucco)
Die FC-Profis feierten nach dem 2:1 gegen Hertha vor der Südkurve. (Foto: Bucco)

Riesiger Jubel im RheinEnergieStadion: Der 1. FC Köln ist gegen Hertha BSC dank Dejan Ljubicics Elfmeter-Tor in der 120. Minute ins Viertelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Erstmals seit 15 Jahren – dementsprechend groß war die Freude von Gerhard Struber und seinen Profis. Die Stimmen zum Spiel.

Aus Müngersdorf berichten Sonja Gauer, Marc L. Merten und Martin Zenge

Dejan Ljubicic

„Matchwinner will ich nicht sagen. Ich hatte vorher schon eine Chance, die ich machen musste. Man hat mir gesagt, dass ich knapp im Abseits gestanden habe, aber den muss ich machen, ganz klar. Am Ende war es glücklich, dass ich noch eine Chance bekommen habe. Die Mannschaft hat alles gegeben, damit wir weiterkommen. Das ist etwas ganz Besonderes, dass wir jetzt im Viertelfinale stehen. Wir sind sehr glücklich. Wir haben den Ball zu oft geschleppt, nicht schnell kombiniert. Hertha hat das defensiv gut gemacht und gut gestanden. Wir werden diese positive Energie aufnehmen, aufsaugen und uns dann auf Sonntag konzentrieren.“

Eric Martel

„Ich habe wieder einige graue Haare dazubekommen (lacht). Wir haben uns extrem schwergetan, in Überzahl zu agieren, weil die Herthaner den Laden gut dichtgehalten haben. Sie haben sich in jeden Schuss reingeworfen, ein großes Lob dafür. Uns haben ein Stück weit die Kreativität und das Glück im Abschluss gefehlt, da waren wir nicht so präzise. Nichtsdestotrotz haben wir bis zum Schluss dran geglaubt, hatten dann ein bisschen Glück mit dem Elfmeter – und Dejo macht ihn rein. Er hat eine gute Schusstechnik, deswegen war ich mir ziemlich sicher, dass er den macht. Es ist so abgesprochen, dass Dejo schießt, wenn er auf dem Platz ist. Wir können echt stolz auf uns sein, dass wir es bis ins Viertelfinale geschafft haben. Jetzt wollen wir da natürlich auch weiterkommen.“

Jan Thielmann

„Der Abend kommt in meine Top-Fünf der dramatischten Spiele hier, es war spannend bis zum Schluss. Wir sind froh, dass wir das Spiel ziehen konnten. Vielleicht brauchst du das notwendige Glück am Ende auch. Hertha hat es gut gemacht, hat sich gut hinten reingestellt und alles verteidigt, was es zu verteidigen gab. Beim Elfmeter habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Ich wusste: Der Dejan macht den jetzt rein und dann feiern wir hier zusammen. Der Einzug ins Viertelfinale bedeutet uns brutal viel, das ist ein Wettbewerb, der sehr attraktiv ist. Es sind nicht mehr viele Spiele, um nach Berlin zu kommen – und natürlich wollen wir nach Berlin. Schauen wir mal, was das nächste Los zeigt, dann werden wir hochmotiviert sein. Ein Wunschlos habe ich nicht – hoffentlich wieder ein Heimspiel.“

Timo Hübers

„Ich war noch nie im DFB-Pokal-Viertelfinale. Der Verein auch nur einmal in den letzten 20 Jahren, dementsprechend wichtig war uns das Spiel heute. Ich glaube, dem ganzen Stadion – man hat eine besondere Atmosphäre gespürt. Auch wenn das Spiel nicht berauschend anzusehen war, hat man gemerkt, dass die ganze Zeit Spannung und ein Knistern in der Luft lagen. Umso schöner, dass wir es am Ende noch ziehen konnten. Wir haben uns nicht so leichtgetan gegen den tief stehenden Gegner. Aber es gehören immer zwei Seiten dazu: Einmal wir, die nicht die richtigen Räume gefunden haben. Und auch unermüdlich verteidigende Herthaner. Die haben wirklich alles angelaufen und weggesprintet, was an Lücken entstanden ist. Man hat immer so ein Gefühl auf dem Platz. Das hat heute eigentlich gesagt, dass wir kein Tor mehr schießen. Umso schöner, dass man da getrübt wurde.“

Gerhard Struber

„Es war ein sehr leidenschaftlich geführter Fight über die gesamte Spielzeit. Wir sind richtig gut in das Spiel reingestiegen, hatten wahnsinnig gute Pressingmomente – bis zu der Situation mit Julian Pauli. Dann haben wir ein Stück weit nicht mehr den Zugriff reinbekommen. Wir haben uns trotz Überzahl schwergetan, am Drücker zu sein, haben die Räume nicht mehr so gut besetzt. In der zweiten Halbzeit haben wir systemisch umgestellt und sind viel besser, kontrollierter geworden. Der Gegner hat es aber wahnsinnig diszipliniert hinbekommen, den Raum zu verdichten. Wir haben uns nicht leichtgetan, durchzudringen, weil der Gegner vieles auch in Unterzahl sehr gut gemacht hat. Ich rechne es meiner Mannschaft sehr, sehr hoch an, dass wir drangeblieben sind – diese Ausdauer. Wir sind keiner Frustration erlegen, sondern haben Glauben entwickelt, es noch zu regeln. Speziell in der Verlängerung waren Chancen vorhanden, der Tormann hat sich immer wieder massiv dazwischengeschmissen. Das war ein richtiger Pokal-Fight, wir mussten all in gehen. Am Ende war es aufgrund dessen, was wir investiert haben, ein verdienter Sieg. Ich freue mich richtig für meine Mannschaft, dass es uns seit langer, langer Zeit geglückt ist, wieder mit und für den Verein ins Viertelfinale einzuziehen.“

Christian Keller

„Ich habe von allen Akteuren einen richtig großen Pokal-Fight gesehen. Von unserer Mannschaft, von Hertha, und ich fand auch die Schiedsrichter haben im positiven Sinne ihren Teil beigetragen – ihre Leistung war überragend gut, bei extrem schwierigen Entscheidungen. Beide Mannschaften haben sich voll reingehauen. Am Anfang war es wild, dann kam die Rote Karte und es war bis zur Halbzeit weiter wild. In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel kontrolliert, Hertha stand sehr tief im Block und wir haben wenig Lösungen gefunden. Das hat sich in der Verlängerung deutlich verbessert. Wir hatten in der Halbzeit schon gesagt: Wir müssen geduldig bleiben, irgendwann wird Hertha müde sein, dann gehen die Räume auf. Das war vor allem in der zweiten Hälfte der Verlängerung so, da hatten wir einige Chancen, das Tor zu machen. Dass wir es in der 120. Minute mit einem Elfmeter machen, ist natürlich umso cooler.“

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