Beim 1. FC Köln herrscht nach dem einmal mehr enttäuschenden Auftritt gegen Jahn Regensburg Frust. Sportchef Christian Keller kann den Unmut der eigenen Anhänger jedoch nur bedingt nachvollziehen.
Aus Müngersdorf berichten Sonja Gauer, Juline Mittag, Martin Zenge und Marc L. Merten
Die Enttäuschung der Fans kann Christian Keller nach dem Unentschieden gegen Jahn Regensburg zwar verstehen. Unverständnis äußerte der Sportchef hingegen über die Pfiffe gegen die Mannschaft sowie die Forderungen nach einer Entlassung von Trainer Gerhard Struber. Nach dem 1:1 gegen das abgestiegene Tabellenschlusslicht sprach der Sportchef über…
…die Pfiffe der Fans: „Die Pfiffe waren vollkommen zu Unrecht. Ich habe eine Mannschaft gesehen, die probiert hat, alles zu investieren. ‚Wir wollen Euch kämpfen sehen‘ kann ich absolut nicht teilen, weil die Mannschaft gekämpft hat. Sie haben sich viele Chancen erspielt und waren dominant. Es gab genügend Chancen, um den Gegner zu besiegen. Das haben wir nicht geschafft und das nervt. Aber aus meiner Sicht ist es nicht angemessen gewesen, die Mannschaft so an den Pranger zu stellen.“
…die „Struber raus“-Rufe: „Ich habe sie gehört, ich habe auch andere Rufe gehört. Mir ist klar, dass sich der Frust entlädt. Heute hat jeder mit einem klaren Heimsieg gerechnet und gedacht, dass wir einen vorfinalen Schritt in Richtung Aufstieg gehen. Das haben wir nicht gemacht und entsprechend kann ich diese Enttäuschung nachvollziehen. Ich möchte aber daran appellieren, dass es entscheidend ist, ob du Rückenwind oder Gegenwind hast. Rückenwind würde uns in den letzten Spielen helfen, über die Hürden, die noch da sind, rüberzuklettern. Deswegen würde ich mir das für die Mannschaft und das Trainerteam wünschen.“
Rückendeckung für Struber „zu 100 Prozent“
…das Vertrauen in Gerhard Struber: „Zu 100 Prozent. Ich kann ausschließen, kurzfristig etwas zu verändern, weil ich von so etwas nichts halte.“
…die Überzeugung der Mannschaft hinsichtlich des Trainers: „Es ist ein sehr großer Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft und auch zwischen der Mannschaft und dem Trainerteam.“
…die aktuelle Stimmungslage: „Wir wollen etwas erreichen und die Stimmung ist gerade so, als ob wir es komplett versaut hätten. Wir haben eine große Chance vergeben, das ist uns allen bewusst. Deshalb sitzen die Spieler auch in der Kabine, als wenn die Welt untergegangen wäre. Das ist aber einfach falsch, weil wir nach wie vor alles in der eigenen Hand haben. Nur wenn du an dich glaubst und von dir überzeugt bist, die Dinge mit Ruhe angehst und dich nicht von Sachen drumherum beeinflussen lässt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du Aufgaben erfolgreich lösen lässt.“
„Zu viele nicht gute Leistungen“
…das schlechte Gefühl trotz Platz zwei: „Die Erwartungshaltung ist hoch. Wir haben nicht nur erbauliche Leistungen in der Saison gebracht, da waren zu viele nicht gute Leistungen dabei und zu wenig Konstanz in vielen Phasen. Die Erwartungshaltung ist eine andere – und die konnten wir nicht bedienen. Es hilft aber nicht zu lamentieren. Wir müssen jetzt gucken, dass es wir es so über die Ziellinie bringen, dass wir die erforderlichen Punkte noch holen. Dann können wir uns überlegen, was wir in Zukunft anders machen können.“
…die ausgebliebene Reaktion auf das Hannover-Spiel: „Ich sehe das ein Stück weit anders. Ich habe eine Mannschaft gesehen, die mehr für das Spiel getan hat als der Gegner und sich die ein oder andere Torchance herausgespielt hat. Regensburg hatte heute ein leichtes Trikot an, während unseres schwer war. Das hat nichts mit Schönreden zu tun, das ist die Realität. Ich verstehe den Frust, der sich entlädt. Er hilft uns aber nicht. Es hilft uns, wenn die Mannschaft viel Zuspruch und den Glauben an sich selbst.“
…die Zuversicht, die nötigen Punkte noch zu holen: „Die Mannschaft hat Qualität, das Trainerteam hat Qualität, die Mannschaft ist bereit, alles zu investieren und steht zusammen. Im Innenverhältnis herrscht Ruhe und Sachlichkeit. Diese Gründe werden am Schluss dazu führen, dass wir unser Ziel erreichen.“
Keller: „…wenn sich alle mal freuen würden“
…die vielen Probleme in den einzelnen Mannschaftsteilen: „Die Saison-Analyse machen wir, wenn die Saison vorbei ist. Jetzt geht es darum, einen positiven Blick auf die nächsten Aufgaben zu richten. Dann schaffen wir es vielleicht, aus vielen Torschüssen, mehr als einen über die Linie zu bringen. Ich denke nur an Nürnberg und an die Sachen, die wir dort brauchen, um das Spiel erfolgreich zu gestalten. Ich weiß, dass ich das nicht erwarten kann, aber wenn sich alle mal freuen und es als Chance sehen würden, die wir noch haben, steigt die Chance, dass es den Spielern gelingt.“
…die Maßnahmen, um wieder ein positives Gefühl zu bekommen: „Wir müssen uns jetzt auf das konzentrieren, was wir in der eigenen Hand haben. Das ist immer nur die Leistung auf dem Platz. Das haben wir der Mannschaft gerade auch gesagt. Die Welt ist nicht unter gegangen und die Sonne geht morgen wieder auf – auch wenn das ein flapsiger Spruch ist. Der Blick geht nach vorne, nicht zurück.“








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