Kesslers Chance – oder saß der Keller-Nachfolger schon auf der Tribüne?

Thomas Kessler schaute sich das Funkel-Training an der Seite von Nicole Bender-Rummler an. (Foto: Bucco)
Thomas Kessler schaute sich das Funkel-Training an der Seite von Nicole Bender-Rummler an. (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln nach dem großen Knall. Wer die Geißböcke in die Zukunft führen soll, ist quasi auf allen Positionen ungeklärt. Das sind die möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Christian Keller. 

Seine erste Einheit als verantwortlicher Sportdirektor verbrachte Thomas Kessler zu einem Großteil auf der Trainerbank. An der Seite von Nicole Bender-Rummler, der Bereichsleiterin der FC-Frauen, beobachtete der 39-Jährige im Franz-Kremer-Stadion, wie der von ihm zurückgeholte Friedhelm Funkel ein drittes Mal beim 1. FC Köln loslegte.

Ob Kessler auch über das Saisonende hinaus dafür zuständig sein wird, Trainer und Spieler zu verpflichten, ist offen. Präsident Werner Wolf sprach nach der Entlassung von Geschäftsführer Christian Keller davon, dass der Ex-Torhüter zunächst „interimsweise“ die Geschicke übernehmen soll. Auch langfristig gesehen gilt Kessler als Kandidat für die Keller-Nachfolge – ist aber nicht die einzige Option.

Überrascht der FC mit Thiam?

Ein weiterer Kandidat saß vor wenigen Tagen ebenfalls im Franz-Kremer-Stadion: Pablo Thiam, der vom Kölner Stadt-Anzeiger ins Spiel gebracht wird. Der frühere FC-Profi (99 Pflichtspiele) weilte am Sonntag am Geißbockheim, um die U19-Partie gegen den Hamburger SV zu verfolgen. Dabei tauschte sich der im Kölner Nachwuchs ausgebildete Ex-Nationalspieler Guineas unter anderem mit den beiden Vorstandsberatern Erich Rutemöller und Frank Schaefer aus.

Thiam, der während seiner aktiven Laufbahn auch für den VfB Stuttgart, den FC Bayern München und den VfL Wolfsburg auflief, war nach seinem Karriereende 2008 ins Management der Wölfe gegangen. Auf Jobs als Sportchef der zweiten Mannschaft, Assistent der Geschäftsführung und Nachwuchsleiter folgte 2021 der Wechsel zu Hertha BSC, wo der 51-Jährige ebenfalls den Nachwuchsbereich anführte. 2023 war hier für ihn Schluss.

Die üblichen Verdächtigen: Boldt, Azzouzi, Rosen

Bereits in den vergangenen Wochen mit dem FC in Verbindung gebracht wurde Jonas Boldt. Der Ex-Sportboss des HSV führte zuletzt Gespräche mit Hertha, konnte sich mit den Berliner Verantwortlichen allerdings nicht auf ein Engagement verständigen – der 43-Jährige ist also weiterhin zu haben. Trotz seiner zwölfeinhalb Jahre bei Bayer Leverkusen soll ein Job am Geißbockheim für Boldt reizvoll sein.

Das dürfte auch für Rachid Azzouzi gelten, der beim FC schon zweimal als Sportchef im Gespräch war. „Man empfindet natürlich Wertschätzung, wenn dein Name bei einem Club mit der Strahlkraft des FC gehandelt wird. Es gab Anfragen, allerdings beide Male am Ende keine konkreten Gespräche“, sagte der 54-Jährige im April dem Kölner Stadt-Anzeiger und präzisierte: „2012 bin ich dann als Sportdirektor zu St. Pauli gewechselt, 2019 habe ich meine Arbeit in Fürth fortgesetzt.“ Im Oktober 2024 war für Azzouzi (als U19-Talent eine Saison beim FC) überraschend Schluss in Fürth.

Kandidaten beim 1. FC Köln: Jonas Boldt (l.) und Rachid Azzouzi. (Foto: IMAGO / Zink)
Kandidaten beim 1. FC Köln: Jonas Boldt (l.) und Rachid Azzouzi. (Foto: IMAGO / Zink)

Zwei weitere Manager, die in den vergangenen Jahren mehrfach mit den Geißböcken in Verbindung gebracht wurden, sind der Ex-Bielefelder Samir Aribi (aktuell vereinslos, zuletzt bei Leeds United gehandelt) und der frühere Hoffenheimer Alexander Rosen. Letzterer galt als Kandidat, als der noch amtierende Vorstand 2019 kurz nach seiner ersten Wahl nach einem Sportboss fahndete und dann Horst Heldt installierte.

Damals hatte Rosen nach GEISSBLOG-Informationen durchaus Interesse an einem Wechsel nach Köln signalisiert. Ein Abschied aus Hoffenheim galt aufgrund der fehlenden Bereitschaft von Mäzen Dietmar Hopp aber als ausgeschlossen. Derzeit ist Rosen für das Investorenkonsortium ALK unter anderem als Berater für den englischen Zweitligisten Burnley tätig, was erneute Gespräche erschweren dürfte.

Kessler schweigt zu seiner Zukunft

Zunächst mal hat Thomas Kessler die Chance, sich zu beweisen. „Ich habe jetzt die Befugnis, aus eigener Kraft heraus Entscheidungen im Sport zu treffen. Ich arbeite niemandem mehr zu, sondern arbeite mit meinem Team zusammen und stehe diesem Team vor. Auf dieser Grundlage werde ich die Entscheidungen in den nächsten Wochen treffen“, erklärte er am Montag seine neuen Kompetenzen. Als Christian Keller noch im Amt war, hatte sich Kesslers Entscheidungsgewalt als Lizenzbereich-Leiter dem Vernehmen nach in Grenzen gehalten.

Ob er gerne langfristig als Sportchef arbeiten würde, ließ der am Geißbockheim geschätzte und bestens vernetzte Interimschef nach seiner Beförderung offen, sagte nur: „Es geht überhaupt nicht um meine Position. Der Fokus liegt auf den nächsten beiden Spielen – nicht darauf, wie es danach weitergeht.“

Eine ähnliche Marschrichtung gab Präsident Werner Wolf vor, als er auf die Suche nach einem neuen Sport-Geschäftsführer angesprochen wurde: „Wir fokussieren uns jetzt auf die nächsten beiden Spiele und danach gucken wir weiter.“ Doch zumindest im Hintergrund dürfte die Fahndung längst laufen.

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