Endlich ist das Versteckspiel beim 1. FC Köln beendet. Durch die Entscheidung des Mitgliederrates für ein Vorstandsteam liegen nun alle Karten auf dem Tisch. Das kann dem Club nur helfen – sofern es nun wirklich um Inhalte geht.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Die Kritik am Mitgliederrat des 1. FC Köln trieb zuletzt immer wildere Blüten. Über „Zustände wie in Leipzig“ wurde diskutiert, über einen antidemokratischen Prozess, über das verhinderte Sammeln von Unterschriften. Der Druck auf das Gremium sollte erhöht werden. Und das, obwohl der Mitgliederrat genau das machte, was er angekündigt hatte.
Der zwölfköpfige Rat wollte ein Vorstandsteam in einem ausführlichen Prozess auswählen und im Laufe des Juni vorstellen. Das war seit Monaten bekannt. Namen sickerten kaum einmal durch, die Geheimhaltung im Fall des Präsidentschaftskandidaten Jörn Stobbe gelang sogar bis zum Schluss. Letztlich endete der Prozess am Abend des 10. Juni mit der Bekanntgabe des Teams. Kurzum: Alles war genau so gelaufen wie angekündigt.
Waghalsige Versuche des alten Vorstands
Dafür müsste man dem erst im Herbst 2024 neu gewählten Mitgliederrat eigentlich gratulieren. Schließlich war das Gremium in den Jahren zuvor vor allem durch Indiskretionen, schlechte Kommunikation und Grabenkämpfe aufgefallen. Nun aber sprachen die zwölf Aufsichtsräte des Vereins mit einer Stimme, hielten sich intern an Absprachen, verfolgten einem klar definierten Findungsprozess und stellten das Vorstandsteam vor, das in ihren Augen am besten zur Zukunft des 1. FC Köln passen soll.
Dass der Mitgliederrat gleichzeitig aber unter Druck gesetzt wurde, kam nicht von ungefähr. Zu stark sind die Machtkämpfe um die Zukunft des Clubs entbrannt. Der alte Vorstand ist beleidigt, nicht noch einmal vorgeschlagen worden zu sein, und sorgt im Sinne des eigenen Erbes für waghalsige Neubewertungen der eigenen Amtszeit. Carsten Wettich als alter Vizepräsident mit neuen Ambitionen will mit vielen Fehlern seines alten Vorstands möglichst nichts mehr zu tun haben. Und parallel läuft sich ein weiteres Team um Sven-Georg Adenauer warm, welches ebenfalls zeigen möchte, dass der Mitgliederrat eigentlich keine Ahnung hat.
Angriffe auf den Mitgliederrat müssen aufhören
Das nennt sich Wahlkampf, und es ist eine neue Erfahrung für den 1. FC Köln. Denn das hat es in dieser Form noch nicht gegeben. Natürlich ist es nichts Neues, dass dieser Club immer wieder neue Geschichten schreibt, aber man kann in diesem Fall nur hoffen, dass dieser Wahlkampf zur Abwechslung mal zum Wohlergehen des FC beiträgt. Dafür aber müsste er anders laufen als bislang.
„Team Wettich“ und „Team Adenauer“ werden nicht müde zu betonen, dass es ihnen um Inhalte gehen soll. So wäre es dann aber auch gut, wenn man sich daran halten würde. Doch die Angriffe auf den Mitgliederrat, ob direkt oder aus der Deckung, zeugen vom Gegenteil. Daher kann es nur helfen, wenn nun alle Namen und alle Teams auf dem Tisch liegen und das Versteckspiel ein Ende hat. Jeder weiß nun, wer gegen wen antritt. Und so mögen die Diskussionen um die Inhalte beginnen.
Was der nächste Vorstand beachten sollte
Dabei sollten alle Teams, vor allem jene, die nun die 4.500 Unterschriften sammeln, eines beachten: Man kann über den Mitgliederrat denken, wie man will. Aber eines ist sicher: Egal, welches Vorstandsteam am Ende die Wahl gewinnt, es wird mit diesem Mitgliederrat zusammenarbeiten müssen. Der alte Vorstand hatte die letzten Jahre praktisch alle Brücken eingerissen. Es wäre dem 1. FC Köln zu wünschen, wenn es künftig einen Vorstand gäbe, der mit allen Gremien gut arbeiten würde. Vielleicht würde dann auch mal die Diskussion um „die Gremien“ beim FC zu Ende gehen.








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