Der 1. FC Köln wusste, dass in diesem Transfersommer viel auf die Kaderplaner und Scouts zukommen würde. Die Anfänge für den nötigen Umbruch sind nun gemacht.
Eine kommentierende Analyse von Marc L. Merten
Falls sich ein Fan des 1. FC Köln noch fragen sollte, wie die Transfersperre bei den Geißböcken nachwirkt, muss man sich nur den FC-Kader der U21 anschauen. Die Regionalliga-Mannschaft von Trainer Evangelos Sbonias, ebenso von der FIFA-Sperre betroffen, wurde in den letzten Wochen komplett auf links gedreht. Elf externe Neuzugänge, dazu sieben U19-Spieler plus Leih-Rückkehrer Chilohem Onuoha: 19 Neue auf einen Streich – damit wurden fast zwei Drittel der gesamten Mannschaft ausgetauscht.
Ganz so groß fällt der Umbruch bei den Bundesliga-Profis in diesem Sommer zwar nicht aus. Dennoch könnte sich so mancher noch wundern, was in diesem Sommer noch alles passieren dürfte. Denn die ohnehin schon sieben Neuzugänge (Ron-Robert Zieler, Tom Krauß, Isak Johannesson, Jakub Kaminski, Ragnar Ache sowie Said und Malek El Mala) sind noch immer wohl nur der Anfang.
Was für Downs gilt, gilt auch für Martel
Vor allem, weil es nicht allein um Neuzugänge, sondern auch um Abgänge gehen wird – und deren Kaderplätze dann wiederum besetzt werden müssen. Der Auftakt in den Transfersommer hat gezeigt: Beim FC wird es in den kommenden Wochen noch viel Bewegung im Kader geben. Mit den Verkäufen von Max Finkgräfe und Damion Downs hat Sportdirektor Thomas Kessler den Ton bereits gesetzt. Die Botschaft: Wer sich nicht zum FC bekennen will, darf mehr oder weniger gerne gehen.
Das gilt auch für Eric Martel, so schmerzhaft sein Abgang wäre. Doch mit Fußballromantik wurde noch nie ein guter Kader geplant. Daher dürfte der 23-Jährige bereits ahnen, was Sportchef Kessler dem Sechser beim ersten Gespräch im Trainingslager sagen wird: „Entscheide Dich – und zwar bitte jetzt!“ Martel hat ein großes FC-Herz, und wenn er darauf hört, dann weiß er, dass der FC ihn vor die Wahl „Verlängern oder verkaufen“ stellen muss.
Durchschleppen ist keine Option mehr
Das gilt auch für eigene Talente, die noch nicht so weit sind. Für die Eigengewächse gibt es nach dem Bundesliga-Aufstieg nur zwei Wege: ein langfristiger Vertrag mit angestrebter Leihe wie bei Elias Bakatukanda, Jaka Cuber Potocnik und Emin Kujovic. Oder der Hinweis, dass es ablösefreie Abgänge nicht mehr geben soll und man sich dann lieber sofort trennt. Es ist nicht immer einfach das zu erkennen. So scheint es gerade auch Neo Telle zu gehen. Doch wenn der FC eines in den letzten Monaten gezeigt hat, dann, dass es ihm mit dem Nachwuchs ernst ist.
Und dann wären da noch die Sorgenkinder. Rasmus Carstensen ist schon wieder in seiner Heimat bei seiner Lebensgefährtin. Steffen Tigges wurde mit seiner Versetzung im Training auf die Linksverteidiger-Position signalisiert, dass er entweder erfolgreich umschult oder besser den Verein verlässt. Sargis Adamyan und Florian Dietz wissen ebenso Bescheid. Ihnen wird keine falsche Hoffnung mehr gemacht, und Kessler soll intern klar kommuniziert haben, dass ein Durchschleppen keine Option sein soll.
Über 30 Transfers in diesem Sommer?
Durchgeschleppt wurden wegen der Transfersperre sowieso schon mehr Spieler als gewollt. Eigentlich hätte schon nach dem Abstieg ein merklicher Teil des Kaders ausgetauscht werden müssen. Das fiel aber flach. So fallen in diesem Sommer gleich zwei Transferphasen zusammen. Das könnte am Ende in deutlich über zehn Neuzugängen und vor allem in bis zu 20 Abgängen und Leihen enden – zwölf sind es bereits.
Wenn das Transferfenster am 1. September schließt, könnten bis dahin also über 30 Transferbewegungen stehen. Einen solch großen Umbruch gab es zuletzt nach dem Abstieg 2012, als es am Ende über 40 Transferbewegungen waren. Der Unterschied: Damals lag alles in Trümmern. In diesem Sommer soll mit dem Umbruch die Bundesliga-Zukunft gebaut werden. Dafür braucht es klare Entscheidungen. Die Grundlagen dafür wurden gelegt.







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