Der 1. FC Köln ist nach dem einwöchigen Trainingslager in Bad Waltersdorf zurück in der Heimat. Die Mannschaft von Lukas Kwasniok hat einen großen Schritt gemacht – und kaum ein Spieler ist dabei leistungsmäßig abgefallen.
Aus dem Trainingslager in Bad Waltersdorf berichten Sonja Gauer, Marc L. Merten und Martin Zenge
Die Hälfte der Vorbereitung liegt hinter den Spielern des 1. FC Köln. Drei Wochen vor dem Pflichtspiel-Start im DFB-Pokal beim SSV Jahn Regensburg hat die Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok erstmals gezeigt, dass es spielerisch voran geht. Gegen Leicester City (3:1) wurde deutlich: Im Trainingslager fiel kaum ein Akteur deutlich ab.
Zwar hat Denis Huseinbasic im zentralen Mittelfeld aktuell wohl die schlechtesten Karten zum Einsatz zu kommen. Im Sturmzentrum suchen derweil Ragnar Ache und Imad Rondic noch nach dem richtigen Weg, ihre Qualitäten bestmöglich einzubringen. Doch Verlierer der bisherigen Vorbereitung sind sie ebenso wenig wie Pechvogel Julian Pauli mit seiner Bänderverletzung. Dafür gibt es mehrere Gewinner, die sich in Österreich in den Vordergrund spielen konnten.
Die Überraschung: Steffen Tigges
Steffen Tigges ist wohl die größte Überraschung im Kader des 1. FC Köln. Der Mittelstürmer war schon abgeschrieben und galt als aussortiert – und zwar im Sturmzentrum. Hätte der 26-Jährige auf dieser Position beharrt, wäre seine Zeit in Köln vorbei. Doch Tigges nutzte die unerwartete Chance, sich auf der linken Seite als Schienenspieler anzubieten, als Max Finkgräfe sich verabschiedete.
Gegen Leicester zeigte Tigges, dass er auf dieser Position sehr wohl konkurrenzfähig sein könnte. Zwar fehlt ihm auch auf links das Tempo. Doch Tigges zeigte sich bislang taktisch extrem anpassungsfähig, bewies defensiv großen Einsatz und dank seines starken linken Fußes auch das fußballerische Geschick, um diese Position offensiv auszufüllen. Das heißt zwar nicht, dass Tigges große Einsatzchancen in der Bundesliga hat. Jedoch sind sie im Vergleich zu seiner Position im Sturmzentrum plötzlich wieder gestiegen.
Der El-Mala-Konkurrent: Jakub Kaminski
Said El Mala war ein echter Hingucker im Trainingslager. Der Youngster zauberte am Ball, schoss Tore und sorgte bei den FC-Fans für Entzücken. Doch im Test gegen Leicester war Jakub Kaminski der deutlich Stärkere. Zielstrebig, klug im Passspiel, mit den richtigen Entscheidungen und sogar einer beachtlichen Körperhaltung bei einer Kopfballchance.
Kaminski trainiert und spielt bislang auffällig, ist flink auf den Beinen, technisch versiert und könnte auf der linken Seite zusammen mit Linton Maina (sofern dieser tatsächlich als linker Schienenspieler zum Stamm gehören sollte) ein gefährliches und pfeilschnelles Duo bilden. El Mala sitzt ihm zwar im Nacken. Doch nach den Eindrücken aus dem Trainingslager ist der Pole bislang der Gewinner im Kampf um die linke Außenbahn.
Der Taktgeber: Isak Johannesson
Isak Johannesson ist einer der Lieblingsspieler von Lukas Kwasniok. Daraus macht der FC-Trainer keinen Hehl. Im Trainingslager zeigte der Isländer, warum er so wichtig für den FC werden könnte: Im Training und im Testspiel schwang er sich zum Taktgeber im Mittelfeld auf, forderte Bälle, verteilte sie, dirigierte die Arbeit gegen den Ball, ob auf der Doppelsechs oder auf der Zehn.
Johannesson zeigte sich zudem erstaunlich schussgewaltig, sein linker Fuß ist als Passgeber ebenso wie im Abschluss eine Waffe. Der 22-Jährige ist gedanklich schnell, erkennt Räume und bewegt sich klug im Spiel mit dem Ball. So hat er bislang vor Huseinbasic klar die Nase vorn, auch weil er körperlich extrem robust und enorm laufstark ist.
Der Neuner: Luca Waldschmidt
Zur neuen Saison hatte sich Luca Waldschmidt eigentlich eine neue Rückennummer geholt. Er gab die Nummer 9 ab, um künftig die Nummer 7 zu tragen. Die Neun erhielt Ragnar Ache, schließlich sollte der Neuzugang aus Kaiserslautern der neue Stoßstürmer werden. Doch nach den ersten drei Wochen hat Ache noch Probleme. Waldschmidt hingegen lief gegen Leicester City als echter Neuner auf und traf.
Waldschmidt könnte von der Formsuche bei Ache und Rondic profitieren, ebenso von seiner spielerischen Stärke. Während Ache und Rondic klassische Stoßstürmer sind, kann Waldschmidt noch mehr im variablen Kwasniok-System rotieren, andere Positionen einnehmen und trotzdem mit Technik und Torjäger-Qualitäten zum Abschluss kommen. Und so hat der 29-Jährige bislang plötzlich als Nummer 9 die Nase vorn, obwohl er die Nummer eigentlich gar nicht mehr wollte.








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