Bei der 1:2 (1:1)-Niederlage des 1. FC Köln gegen den VfB Stuttgart stand eine Szene besonders im Fokus. Der Elfmeter vom Ausgleich durch Ermedin Demirovic sorgte auch nach Schlusspfiff noch für erhebliche Diskussionen. Insbesondere Sportdirektor Thomas Kessler fand hinterher deutliche Worte.
Aus Müngersdorf berichten Sonja Gauer und Marc L. Merten
Es war die Aufreger-Szene beim 1. FC Köln nach der 1:2-Niederlage gegen den VfB Stuttgart! Als die Partie in der 25. Minute von Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck unterbrochen wurde, war einige Augenblicke lang nicht klar, was überhaupt vorgefallen war. Erst nach Ansicht der TV-Bilder wurde schließlich ersichtlich, dass Marvin Schwäbe Stuttgarts Ermedin Demirovic bei einer Klärungsaktion am Sprunggelenk erwischt hatte.
Der Bosnier war jedoch ungehindert weitergelaufen, weshalb wohl niemand im Stadion sofort ein Foulspiel gesehen hatte. „In Normalperspektive würde er den Elfmeter nicht geben, wenn er sich die Bilder ansieht, kann er ihn geben“, befand Schwäbe als Verursacher selbst nach der Partei. Demirovic hätte dabei wohl hinterher zum Keeper gesagt, dass er fairer Sportsmann sein will und deswegen weiterläuft. Das ehrt ihn.“ Gleichzeitig wusste der Stürmer auch, dass es nach Ansicht der TV-Bilder einen Elfmeter geben würde.
VfB-Bank ausschlaggebend für VAR-Einsatz?
Während der Kölner Kapitän die Situation relativ nüchtern analysierte, redete sich Sportchef Thomas Kessler hinterher beinahe in Rage. Der Ex-Keeper habe sich die Szene mehrfach angeschaut, „weil es eine spielentscheidende Szene war“, wie er sagte. Dabei hatte Kessler nichts an der finalen Entscheidung von Jöllenbeck auszusetzen. Vielmehr sei der Unparteiische „die ärmste Sau in dieser Situation“. Dass Jöllenbeck jedoch überhaupt raus geschickt wurde, um sich die Szene noch einmal anzuschauen, sorgte beim Sportdirektor für Unverständnis.
„Das Spiel lief noch weiter, der Spieler hat die Berührung nicht einmal gemerkt. Dann aber wurde der VAR aus dem Kölner Keller auf die Stuttgarter Ersatzbank verlegt“, erklärte Kessler und führte aus, was er damit gemeint hatte: „In dem Moment, als der VfB die Zeit hatte, aufs iPad zu schauen, hat irgendeiner in der Zeitlupe gesehen: Oh, da war doch was. Dann gab’s einen Tumult und so wurde erst nachgefragt, ob da irgendwas war. Erst hat der VAR dann zwei Minuten geschaut und den Schiri dann rausgeschickt.“
So reagiert Sebastian Hoeneß
VfB-Trainer Sebastian Hoeneß sah auf die Kessler-Aussagen angesprochen jedoch kein Problem darin. „Natürlich ist es die Aufgabe, wenn man Fernsehbilder sieht, die zudem eindeutig waren, darauf einzuwirken. Das wird aber nicht ursächlich gewesen sein, dass es den Elfmeter gab. Ich sehe da nichts Besonderes“, meinte der Coach.
Am Ende war Jöllenbeck selbst anscheinend auch nicht ganz sicher, welche Entscheidung er treffen sollte, denn der Schiedsrichter schaute sich zahlreiche Wiederholungen und Zeitlupen an. Mehr als drei Minuten dauerte am Ende der gesamte VAR-Einsatz, „obwohl“, so Kessler, „der Schiedsrichter eigentlich auf dem Platz Herr des Hauses sein soll.“ Durch das klare Trefferbild habe Jöllenbeck am Ende diese Entscheidung so treffen müssen, „aber wie Günter Perl sich auf diese Szene stürzen kann und den Schiri rausschicken kann, ist mir ein Rätsel.“
Kessler hat „sehr große Fragezeichen“
Kessler ging sogar noch weiter und vermutete, dass mit dieser Entscheidung ein Exempel statuiert worden sei. „Die Frage ist: Warum wird auf dem Rücken des 1. FC Köln eine Szene so bewertet? Mich würde sehr interessieren, ob diese Szene auch so bewertet worden wäre, wenn der FC Bayern gegen Borussia Dortmund gespielt hätte und es geht um die Deutsche Meisterschaft. Dann gibt es keinen Videoassistenten auf dieser Welt, der den Schiedsrichter dafür rausschickt. Deswegen habe ich heute sehr große Fragezeichen. Ich glaube, er wollte ihn nicht geben, aber er wurde dazu gezwungen.“
Lukas Kwasniok wollte sich nach dem Spiel derweil nur bedingt zu der Elfmeter-Szene äußern. Zum einen kritisierte der Trainer schon den „holprigen“ Pass von Joël Schmied auf Marvin Schwäbe, der dadurch Probleme beim zweiten Kontakt hatte. Zudem sei Kwasniok noch nie ein Freund des VAR gewesen. „Und das werde ich auch nicht mehr.“ Schwäbe nahm den Elfmeter unterdessen auf seine eigene Kappe. „Ich wollte das Spiel weiter flach halten und hinten rausspielen. Das war die falsche Entscheidung. Ich hätte den Ball sofort schlagen müssen.“ Dann wäre es letztlich auch nicht zu der aus FC-Sicht unglücklichen Elfmeter-Entscheidung gekommen.








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