„90 Minuten kacheln“: FC für Bayern-Taktik noch nicht bereit

Marius Bülter und Sebastian Sebulonsen im Duell mit Joshua Kimmich. (Foto: Bucco)
Marius Bülter und Sebastian Sebulonsen im Duell mit Joshua Kimmich. (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln hat gegen den FC Bayern München im DFB-Pokal eine neue Taktik eingesetzt: Mann-gegen-Mann über praktisch das gesamte Feld. Doch Lukas Kwasniok gibt dazu: Dazu ist der Kader eigentlich noch nicht bereit.

So mancher Fan des 1. FC Köln wunderte sich am Mittwochabend, was auf dem Rasen geschah. Wenn der FC Bayern München den Ball hatte, dann verteidigte der FC nicht wie gewohnt im Raum in einem 3-4-3. Stattdessen liefen die FC-Spieler scheinbar wild durcheinander. Was erst auf den zweiten Blick auffiel: Situativ verteidigte der FC Mann gegen Mann.

So folgte Marius Bülter Josip Stanisic, wohin dieser lief. Sebastian Sebulonsen agierte plötzlich nicht mehr rechts außen, sondern als zentraler Verteidiger in der letzten Kette, weil Luis Diaz ins Zentrum gezogen war. Eric Martel folgte Harry Kane überall hin, wo der Super-Stürmer sich versuchte den Ball zu holen. Und wenn Jonathan Tah entschied mit nach vorne zu gehen, musste ein Kölner Angreifer ihm folgen.

Die einzig denkbare Taktik gegen die Bayern

Lukas Kwasniok hatte hinterher eine einfache Erklärung für diese Taktik, die man beim FC bislang in der Saison nicht gesehen hatte. „Wenn du die Bayern nicht Mann-gegen-Mann anläufst, verteidigst du nur deine eigene Hälfte, dein eigenes Tor. Über 90 Minuten ist es dann unmöglich, die Null zu halten. Gleichzeitig hast du gar keine Torabschlüsse, weil der Weg zu weit ist.“

Wenn der FC also Chancen generieren wollte, dann musste er den Bayern das Eins-gegen-Eins aufzwingen – und die direkten Duelle gewinnen. Umgekehrt bedeutete dies aber auch: „Es birgt die Gefahr, sobald du überspielt bist, sobald du mal ein Duell verlierst, dass der Gegner auf deine Kette zulaufen kann“, sagte Kwasniok und meinte damit auch die Situation, die zum 1:1 führte, als Konrad Laimer Isak Johannesson entwischte.

Eine Taktik auch für die Fans

Dabei hatte Kwasniok nicht nur das Ergebnis, sondern auch den eigenen Anspruch des FC gegenüber seinen Fans im Sinn. „Wir hatten hier ein Heimspiel vor 50.000 Zuschauern. Ich habe immer gesagt: Wir sind in einer Unterhaltungsbranche, und ich kann nicht zuhause gegen den FC Bayern den Bus parken und sagen, wir machen damit die Menschen glücklich. Das ist Quatsch.“ Und so riskierte der FC mit der Manndeckung viel, konnte sie aber gerade in der ersten Hälfte phasenweise überragend umsetzen und so völlig verdient in Führung gehen.

So gut diese Taktik gegen die Bayern als zwischenzeitlich funktionierte: Ist sie ein Modell für die kommenden Wochen und Monate? Kwasniok gab zu: Nein. Zumindest nicht über eine gesamte Spieldauer. Den Grund lieferte er auch und gab damit zu, wie weit der Weg für die Geißböcke noch ist. „Für ein Mann-gegen-Mann musst du 90 Minuten kacheln können. Das macht der FC Bayern. Das macht Paris. Das können wir aber noch nicht. Ich habe noch keine 15 Jungs, die 90 Minuten kacheln können.“

Was Bayern kann, kann der FC – noch – nicht

Mit „kacheln“ meinte Kwasniok die Laufarbeit, die auf höchstem Niveau nötig ist, um einem Gegner überall hin folgen zu können – und um dann noch die Körner zu haben, um im eigenen Ballbesitz für Akzente zu sorgen. Vincent Kompany hat den FC Bayern dahin trainiert, dass dies für die Münchner möglich ist. Kwasniok ist mit seiner Mannschaft noch nicht soweit.

„Das ist nicht schlimm, aber wir werden es situativ immer mal wieder anwenden können. Das ist ein gutes Gefühl“, freute sich Kwasniok über das gelungene Taktik-Debüt am Mittwoch. Gegen den Hamburger SV am Sonntag wird der FC wohl anders agieren. Doch vor allem bei Rückständen könnte diese Option in den kommenden Monaten immer wieder zum Ass im Ärmel werden.

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