Der 1. FC Köln hat das Derby bei Borussia Mönchengladbach mit 1:3 (0:1) verloren. Marvin Schwäbe hielt einen von zwei VAR-Elfmetern, Luca Waldschmidts Treffer kam zu spät – so feierte am Samstagabend der Erzrivale.
Aus dem Borussia-Park in Mönchengladbach berichten Marc L. Merten und Martin Zenge
Dieses Aufeinandertreffen ist mehr als nur ein Spiel, das war schon die ganze Woche über zu spüren und erst recht am Samstagabend im Borussia-Park. Schon weit vor Anpfiff des Derbys zwischen Mönchengladbach und dem 1. FC Köln sorgten beide Fanlager für eine ohrenbetäubende Lautstärke, die in so manchen Bundesliga-Stadien nicht einmal im größten Erfolgsmoment erreicht wird. Als Schiedsrichter Deniz Aytekin dann um Punkt 18.30 Uhr anpfiff, schickten beide Seiten ihre Mannschaften mit großen Choreografien in dieses prestigeträchtige rheinische Duell. Die FC-Fans verwandelten ihre Südkurve in ein glänzendes Fahnenmeer, sahen auf dem Rasen jedoch wenig Glänzendes.

Tore und Highlights
10. Minute: Nach einem ersten Abtasten, das durchaus schon intensiv daherkam, war es Marius Bülter, der die erste Chance des Abends hatte. Von Isak Johannesson in Szene gesetzt, scheiterte der Angreifer aus spitzem Winkel an Gladbach-Keeper Nicolas.
16. Minute: Auf der Gegenseite verhinderte Marvin Schwäbe mit einem starken Reflex den Rückstand. Nach einer Flanke aus dem Halbfeld herrschte viel Betrieb vor dem Kölner Keeper, der Ball rutschte durch – doch Schwäbe war auf dem Posten, parierte glänzend.
45+2. Minute: Mit mehr als 60 Prozent Ballbesitz und mehr als 90 Prozent angekommenen Pässen hatte der FC ein spielerisches Übergewicht, fand aber kein Durchkommen gegen die tief stehenden Fohlen. Dann servierte Kristoffer Lund der Borussia den Führungstreffer auf dem Silbertablett. Der Linksverteidiger kam im Straftraum gegen Honorat zu spät, rannte den Gladbacher um. Aytekin winkte zunächst ab, wurde jedoch zum TV-Bildschirm zitiert und zeigte nach Ansicht der Bilder auf den Punkt. Aber: Schwäbe war zur Stelle, tauchte aus seiner Sicht nach rechts unten ab und parierte den Elfmeter von Tabakovic.
45+2. Minute: Wie bitter! Nach dem anschließenden Eckball stand es dennoch 0:1. Über mehrere Kopfballduelle hinweg konnte der FC nicht klären, die Kugel landete bei Philipp Sander. Der Abwehrspieler fackelte nicht lange, schoss mit links ins rechte Eck ein – nur 49 Sekunden nach dem gehaltenen Elfmeter.
48. Minute: Lukas Kwasniok nahm zur Pause sowohl Florian Kainz als auch Said El Mala vom Feld, brachte Sebastian Sebulonsen und Ragnar Ache. Der FC übernahm erneut die Initiative. Wieder hatte Bülter die erste Möglichkeit, traf nach einer Flanke aber nur auf das Tornetz statt ins Gehäuse.
61. Minute: Dann wurde Aytekin zum zweiten Mal an diesem Abend an die Seitenlinie beordert, um sich eine strittige Szene anzuschauen – und wieder gab es Elfmeter für Gladbach! Wieder war Lund der Übeltäter. Nach einem Gladbacher Einwurf sprang ihm der Ball an die linke Hand. Diesmal trat Diks zum Strafstoß an und visierte das rechte Eck an. Schwäbe sprang erneut richtig, konnte allerdings nicht parieren – das 0:2.
64. Minute: Das 0:3 folgte sogleich. Nach einem eigenen Einwurf verlor Cenk Özkacar den Ball an Honorat und konnte dem Gladbacher nur noch hinterherrennen. Schwäbe war weit aufgerückt und chancenlos, da Honorat im richtigen Moment auf Torschütze Tabakovic querlegte.
65. Minute: Jakub Kaminski hätte dem FC schnell wieder Hoffnung einhauchen können. Der Pole kam aus 17 Metern zum Abschluss und nagelte den Ball ans Lattenkreuz.
73. Minute: Es wurde hitzig. Johannesson ging im Gladbacher Strafraum zu Boden, erhielt dafür allerdings keinen Elfmeter. Es kam zu einer Rudelbildung, Ache schupste Diks, der auf Johannesson eingeredet hatte. Aytekin verteilte drei Gelbe Karten.
88. Minute: Der schönste Treffer des Abends zählte nicht. Nach einem langen Ball auf Ache, knallte Luca Waldschmidt die Kugel aus 20 Metern traumhaft in den linken Winkel. Ache hatte zuvor jedoch im Abseits gestanden. Es blieb beim 0:3.
90+2. Minute: Aber nur wenige Minuten. Denn Ullrich ging bei einer Hereingabe von links mit dem Arm gegen Ache zu Werke, Aytekin zeigte zum dritten Mal auf den Punkt. Erstmals auf den im Gladbacher Strafraum. Waldschmidt nahm sich der Sache an und verwandelte mit links wuchtig ins rechte Eck zum 1:3. Angesichts einer elfminütigen Nachspielzeit war plötzlich wieder Feuer drin, der FC rannte an und probierte noch mal alles – ohne Erfolg.
Personal
So spielte der FC: Schwäbe – Schmied, Martel, Özkacar (Waldschmidt) – Kaminski, Johannesson (80. Castro-Montes), Huseinbasic, Lund (66. Maina) – Kainz (46. Ache) – Bülter, El Mala (46. Sebulonsen)
Zur Aufstellung: Im Vergleich zum 4:1-Sieg gegen den HSV nahm Lukas Kwasniok zwei Wechsel vor – beide im Angriff: Statt Ragnar Ache und Linton Maina, die zunächst auf die Bank mussten, stürmten Marius Bülter und Said El Mala. Darüber hinaus begann Florian Kainz nach seiner Startelf-Premiere am vergangenen Sonntag erneut als Zehner. Der 20er-Kader blieb wie angekündigt unverändert.
Fazit
Das 99. Bundesliga-Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln entpuppte sich als ein gebrauchter Abend für die Geißböcke. Zunächst machte der FC zu wenig aus seinen Feldvorteilen. Dann war der VAR, anders als in der Vorwoche beim vieldiskutierten 4:1-Sieg gegen den HSV, zweimal nicht auf der Seite der Kölner. Hinten zu viele Patzer, vorne lange Zeit zu harmlos – bitter, dass der FC ausgerechnet im Derby über weite Strecken nicht an seine bislang starke Saison anknüpfen konnte. So kommt vor dem 11.11. keine Party-Stimmung auf, wenngleich der FC die Länderspielpause auf einem einstelligen Tabellenplatz fünf Punkte vor der Borussia verbringt.







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