„Die Nacht war sehr krass“: So erlebte Hector den Terror von Paris

Jonas Hector beim Länderspiel in Paris am 13. November 2015. (Foto: IMAGO / Schüler)
Jonas Hector beim Länderspiel in Paris am 13. November 2015. (Foto: IMAGO / Schüler)

Am Donnerstag jährt sich die Terrornacht von Paris zum zehnten Mal. Jonas Hector spielte damals mit der deutschen Nationalmannschaft im Stade de France. Nun erinnert sich der Ex-Kapitän des 1. FC Köln an die schlimmen Geschehnisse.

Am 13. November 2015 kamen bei Terroranschlägen in Paris 130 Menschen ums Leben. Unter anderem sprengten sich drei Selbstmordattentäter in der Nähe des Stade de France in die Luft, in dem mit Jonas Hector gerade auch ein Profi des 1. FC Köln auf dem Rasen stand.

Das Testspiel der deutschen Nationalmannschaft in Frankreich war Hectors zehntes Länderspiel. Der Linksverteidiger zählte zur Startelf von Jogi Löw, musste in der 34. Minute allerdings angeschlagen ausgewechselt werden. In seinem Podcast Schlag und fertig blickt Hector auf den dramatischen Tag in der französischen Hauptstadt zurück.

Noch keine Sorgen nach dem Knall

Nach seiner Auswechslung habe er auf der Bank gesessen und einen Knall gehört. „Du hörst das, denkst dir aber nichts dabei. Das ist ein Fußballspiel, da werden auch mal Böller gezündet“, so der 35-Jährige, der nicht ahnen konnte, dass gerade einer der drei Attentäter, der vergeblich versucht hatte, ins Stadion zu gelangen, seinen Sprengstoff gezündet hatte.

„Ab der Halbzeit war es schon krass“, erzählt Hector weiter: „Ich bin nach der Auswechslung länger in der Kabine geblieben, weil ich noch duschen war. Dann habe ich das erste Mal gehört, dass es ein Anschlag war.“ Was die Situation für ihn noch schlimmer machte: „Mein Papa und mein Onkel waren im Stadion. Da bist du komplett überfordert nach dem Spiel.“

Wenn du da rausfährst, fährst durch die Straßen und weißt, was passiert ist, ist das schon ein mulmiges Gefühl.

Jonas Hector

Die Partie zwischen Frankreich und der DFB-Elf wurde regulär beendet (2:0), die Geschehnisse um das Stade de France und an fünf weiteren Tatorten in der Stadt sprachen sich herum. „Das Stadion wusste irgendwann: Da ist etwas passiert. Wir wurden erst mal in die Kabine verfrachtet. Nach und nach kriegst du Informationen“, erinnert sich Hector an den Ablauf nach Abpfiff.

Während sein Vater und sein Onkel das Stadion irgendwann verlasen und die Heimfahrt ins Saarland antreten konnten, harrte Hector mit der Nationalmannschaft bis in die Morgenstunden in den Katakomben aus. „Unsere Sachen waren noch im Hotel. Irgendwann sind die Sicherheitsleute ins Hotel und haben alle Koffer geholt. Der Stand in der Stadt war unklar. Bis es dann hieß: Es ist safe, wir werden zum Flughafen eskortiert und fliegen. Das war im Morgengrauen, als die Sonne aufging“, schildert die FC-Legende.

Hector fühlte sich sicher

Er habe immer das Gefühl gehabt: „Wir sind sicher im Stadion.“ Doch das Erlebte sei „im Nachgang schon heftig“ gewesen. „Wenn du da rausfährst und weißt, was passiert ist, ist das schon ein mulmiges Gefühl“, so Hector über den Weg zum Flughafen.

Ob er sich nun zehn Jahre später die Dokumentationen anschauen will, die kurz vor dem Jahrestag erschienen sind und die Terrornacht noch einmal beleuchten, wisse er nicht. „Ich habe das alles hautnah mitbekommen. Die Nacht war sehr, sehr krass.“

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