Der 1. FC Köln bleibt in Samstagabend-Spielen punktlos. Gegen Eintracht Frankfurt haben die Geißböcke nach einem Traumstart mit 3:4 (1:2) verloren. Die Aufholjagd der Geißböcke kam zu spät.
Aus dem RheinEnergieStadion berichten Sonja Gauer, Marc L. Merten und Martin Zenge
Zwei der lautesten Fanszenen des Landes trafen am Samstagabend in Müngersdorf aufeinander. Und dennoch erinnerte die Anfangsphase zwischen dem 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt an die Geisterspiele während der Corona-Pandemie. Wie angekündigt – und wie bei allen anderen Bundesliga-Partien an diesem Wochenende – wollten die Anhänger in den ersten zwölf Minuten schweigen, um im Vorfeld der Innenministerkonferenz gegen die geplante Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen in deutschen Stadien zu protestieren. Doch dann dauerte es nur vier Minuten, bis es im RheinEnergieStadion erstmals laut wurde.
Tore und Highlights
4. Minute: Nachdem Marvin Schwäbe die erste Frankfurter Chance durch Burkardt entschärft hatte, legte auch der FC erstmals den Vorwärtsgang ein – und wie! Dominique Heintz spielte mit seinem starken linken Fuß einen genialen Ball hinter die Kette der Eintracht, Ragnar Ache schnappte sich die Kugel vor dem herauseilenden Zetterer und legte zurück auf Jakub Kaminski, der per Schlenzer mühelos zum 1:0 traf.
Zwar hob der Linienrichter zunächst die Fahne, doch die Überprüfung im Videokeller offenbarte: Vorbereiter Ache hatte bei Heintz‘ Zuspiel nicht im Abseits gestanden. Als Schiedsrichter Florian Badstübner über die Stadionlautsprecher verkündete, dass der Treffer zählt, unterbrach ein kollektiver Jubelschrei den Stimmungsboykott.
12. Minute: Dann allerdings wurde wieder geschwiegen. Bis nach zwölf Minuten das Banner mit der Frage „Soll das die Zukunft des Fußballs sein?“ von der Südkurve verschwand – und von der Botschaft „Wir brennen für die Gegenwart und bestimmen unsere Zukunft selbst“ abgelöst wurde. Getreu der Worte feuerte die aktive Fanszene eine riesige Pyroshow ab, um sich in diesem Top-Spiel anzumelden.

39. Minute: Frankfurt übernahm die Spielkontrolle, hatte phasenweise mehr als 70 Prozent Ballbesitz – und glich zum 1:1 aus. Mal wieder war es ein Standard, der den FC ein Gegentor schlucken ließ. Nach einem Eckball von Chaibi setzte sich Arthur Theate am ersten Pfosten gegen Ache durch, ließ den Ball über seinen Kopf rutschen und Schwäbe nur hinterherschauen.
45+5. Minute: Fünf Minuten Nachspielzeit waren angezeigt und beinahe abgelaufen, als die Eintracht noch mal vor dem FC-Tor auftauchte. Schwäbe parierte zunächst stark per Fuß gegen Chaibi, doch beim Nachschuss von Mahmoud Dahoud war der Kölner Keeper machtlos – das 1:2, zu einem ganz bitteren Zeitpunkt.
46. Minute: Der FC hätte nach Wiederanpfiff sofort zurückschlagen können. Nach 45 Sekunden stürmte Jan Thielmann über rechts auf Zetterer zu und übersah den mitgelaufenen Kristoffer Lund. Thielmann schloss selbst ab, flach und zu zentral – kein Problem für Zetterer.
47. Minute: Zwei Minuten nach der Halbzeitpause die nächste Pause: Da aus dem Frankfurter Block mehrere Raketen und Böller flogen, unterbrach Badstübner für rund drei Minuten.
60. Minute: Gerade, als sich Said El Mala und Florian Kainz zur Einwechslung bereit machten, erhöhte die Eintracht auf 1:3. Doan vernaschte Lund und legte von der Grundlinie ins Zentrum, wo Jonathan Burkardt vor Joel Schmied am Ball war und die Kugel an Schwäbe vorbei ins Tor spitzelte.
63. Minute: Doppelt bitter: Schmied verletzte sich beim Gegentor und musste behandelt werden. Die Eintracht nutzte ihre kurzzeitige Überzahl brutal aus. Lund, der im Abwehrzentrum aushalf, bekam von Burkardt einen Knoten in die Beine gespielt. Frei vor Schwäbe schnürte der DFB-Stürmer den Doppelpack. Auch wenn der FC-Torhüter noch am Ball dran war, konnte er das 1:4 nicht verhindern.
83. Minute: Als das Spiel auszutrudeln schien, brachte der FC doch noch mal Stimmung in die Bude. Die Kölner kombinierten sich über die rechte Seite ins Zentrum, mit etwas Glück landete der Ball vor den Füßen von Marius Bülter – und der schob zum 2:4 ein.
87. Minute: Plötzlich war der FC da! Erst verpasste Luca Waldschmidt eine abgefälschte Flanke von Bülter um Haaresbreite, dann scheiterte Bülter aus spitzem Winkel an Zetterer.
90+2. Minute: Zentimeter fehlten zum Anschluss! El Mala schlenzte von links an den rechten Pfosten.
90+4. Minute: Dann fiel das 3:4 doch! El Mala flankte punktgenau auf den Kopf von Waldschmidt, der den Ball im rechten Eck unterbrachte. Zum Ausgleich reichte es allerdings nicht mehr.
Personal
So spielte der FC: Schwäbe – Sebulonsen (81. Castro-Montes), Schmied (63. Kainz), Heintz, Lund – Johannesson, Martel, Huseinbasic (76. Waldschmidt) – Thielmann (63. S. El Mala), Ache (76. Bülter), Kaminski
Zur Aufstellung: Im Vergleich zur Derby-Niederlage vor der Länderspielpause entschied sich Lukas Kwasniok für gleich vier Änderungen. Cenk Özkacar, Florian Kainz und Marius Bülter mussten genau wie Said El Mala zunächst auf die Bank. Dafür rückten Dominique Heintz, Sebastian Sebulonsen, Jan Thielmann und Ragnar Ache in die Startelf. Rav van den Berg fehlte trotz seines Comebacks für die U21-Nationalmannschaft der Niederlande noch im Kader.
Fazit
Hätte der 1. FC Köln den ganzen Abend lang gespielt wie in der absoluten Schlussphase, hätte die Anzeigetafel des RheinEnergieStadions nach knapp 100 Minuten wohl keine Niederlage verkündet. Doch der FC bot lange Zeit zu wenig, ließ sich vom eigenen Traumstart durch Kaminskis Treffer nicht beflügeln. Die Geißböcke kamen bis zum 2:4 kaum zu klaren Möglichkeiten und konnten Frankfurt in der Defensive nicht die Stirn bieten. Die Aufholjagd in den Schlussminuten war beachtlich und sorgte nach Abpfiff für Applaus aus der Südkurve – aber sie kam zu spät.







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