Zwölf externe Zugänge, dazu noch die üblichen Rochaden innerhalb des Vereins – der Umbruch bei der U21 des 1. FC Köln ist noch gewaltiger ausgefallen als jener der Profis. Wie blickt Evangelos Sbonias auf die erste Saisonhälfte zurück? Im Interview mit dem GEISSBLOG hat der U21-Trainer sein Zwischenfazit gezogen. Teil eins des Gesprächs.
Das Interview führten Marc L. Merten und Martin Zenge
GEISSBLOG: Herr Sbonias, wie fällt Ihr Fazit für die bisherige Saison der U21 in der Regionalliga aus?
EVANGELOS SBONIAS: „Überwiegend positiv. Ich sage überwiegend, weil wir in den ersten fünf Spieltagen große Probleme hatten, in die Saison reinzukommen. Wie wir uns dann aber entwickelt haben nach dem großen Umbruch, war sehr positiv. Die kleine Delle am Anfang haben wir ganz gut ausgebeult.“
Bei der U21 sind Umbrüche ja Teil der Jobbeschreibung, aber in diesem Sommer war er schon größer.
„Der war schon krass, ja. Es war ein sehr großer Prozess, den wir angestoßen haben. Dahinter steckte sehr viel Arbeit bei so vielen Transferbewegungen. Als wir fertig waren, haben wir im Trainerteam auch gemerkt: Das ist das Paradebeispiel für einen Kader-Umbruch und eine echte Mammutaufgabe.“
Sbonias: „Die U21 ist immer ein Sprungbrett“
Wie läuft denn das Scouting bei der U21? Die Zielmärkte sind ja ganz andere als bei den Profis.
„Das ist sehr aufwendig und kompliziert. Es sind sehr viele Details zu beachten. Ob es das Regionalscouting ist, ob es unsere Scouts in der Akademie sind, oder ob ein Spieler auch für die Lizenzmannschaft interessant sein könnte. Da läuft viel zusammen, bis hier ein Spieler bei uns aufschlägt. Zumal wir immer auch darauf achten müssen, welche Rollen wir für welche Spieler sehen. Das ist die größte Herausforderung in der U21.“
Können Sie ein Beispiel nennen?
„Es kommt ja kein junger Spieler hierher zum FC in die U21 und sagt: ‚Super, ich will mich jetzt vier, fünf Jahre hier in der Regionalliga etablieren.‘ Die U21 ist immer ein Sprungbrett. Es geht für jeden Spieler darum, sich so schnell und gut wie möglich weiterzuentwickeln, um eine Option für die Lizenzmannschaft zu werden. Deswegen müssen wir in den Gesprächen sehr ehrlich sein und dürfen keine Luftschlösser bauen. Wir können nicht jedem Spieler versprechen, dass er es mittelfristig in die Bundesliga schafft.“
Sbonias‘ Werben um Uth und Höger
Und dann mussten Sie im Sommer auch noch Kapitän Marco Höger ersetzen.
„Das kommt noch dazu. Marco hat selbst an dem Profil mitgearbeitet, wer seine Rolle künftig ausfüllen sollte. Daraufhin sind Marvin Ajani und Luca Dürholtz gekommen, Tobias Trautner war schon da und Mikail Özkan haben wir aufgrund der Verletzungsmisere zurückgeholt. Diese Jungs bilden das Gerüst, auch abseits des Platzes.
Trotzdem ist ein Marco Höger kaum zu ersetzen, oder?
„Ja das ist richtig, das war aber schon vorher klar. Marco und ich haben eine sehr enge und spezielle Beziehung. Er stand auf dem Platz extrem über den Dingen. Er war im Training der Beste. Er war im Spiel der Beste. So hat er einen riesigen Respekt genossen bei den jungen Spielern. Jemanden wie ihn findet man nicht oft.“
Mark Uth, der im vergangenen Sommer ebenfalls seine Karriere beendet hat, wollte ja nicht sein Nachfolger werden.
(lacht) „Als Mark mal bei uns in Wuppertal mitgespielt hat, habe ich nach dem Spiel mehr im Scherz zu ihm gesagt: ‚Jetzt überrede noch den Högi, dass er weitermacht, und dann macht Ihr das nächste Saison zusammen!‘ Aber da war schon klar, dass das nichts für ihn sein würde.“

Welche Rolle übernimmt Marco Höger jetzt als U21-Kaderplaner ein? Wie darf man sich seine Arbeit vorstellen?
„Er ist der Kaderplaner, in dieser Funktion extrem viel unterwegs, schaut sich viele Spiele und Spieler an. Wir reden viele Male am Tag. Wenn er mir ein paar Namen zuwirft, sehe ich sie mir im Video an. So arbeiten wir im Laufe der Zeit eine lange Liste an Spielern ab, die Marco scoutet und vorfiltert. Darüber hinaus sieht er viele Trainingseinheiten von uns, um auch die Entwicklung unserer Spieler zu beobachten. Und in seiner Rolle als Ex-Profi ist seine Erfahrung natürlich Gold wert. Er weiß, was die Spieler mitbringen müssen, um in der Lizenzmannschaft zu landen. Das ist eine sehr gute Konstellation.“
Blicken wir auf den weiteren Saisonverlauf: Wann wäre es für Sie eine erfolgreiche Saison?
„Da bin ich schon sehr anspruchsvoll. Ich würde mit Blick auf die U21 sagen: In dieser Saison sind die Herausforderungen für die jungen Spieler massiv gestiegen, weil die Profis in der Bundesliga spielen. Wenn wir es schaffen würden, den einen oder anderen Spieler so vorzubereiten, dass er ein dauerhaftes Thema für die Lizenzmannschaft wird, vielleicht einen Kaderplatz bekommt oder gar sein Debüt feiert, dann hätten wir einen guten Job gemacht. Wenn wir darüber hinaus eine stabile Saison spielen und mit dem Abstieg nichts zu tun haben, können wir unseren Ausbildungsgedanken knallhart verfolgen.“
Sbonias glaubt an Profi-Debüt
Was sagt Ihr Gefühl: Debütiert in dieser Saison noch eines Ihrer Talente in der Bundesliga?
„Ich glaube schon, dass das noch passieren kann. Zwei Jungs trainieren jetzt regelmäßig bei den Profis. Yannick Mausehund ist aufgrund der schwierigen Situation in der Innenverteidigung oben reingerutscht. Cenny Neumann ist ja eigentlich noch U19-Spieler, aber wir haben ihn schon so weit gesehen, dass wir ihn von Anfang an in die U21 genommen und aufgebaut haben. Darüber hinaus gibt es noch weitere spannende Jungs bei uns in der U21, ich will aber keine Namen nennen. Das bringt nichts, weil ich keinem Spieler einen Rucksack aufsetzen möchte.“
Mein Auftrag ist klar: Wenn so ein Junge das Potenzial mitbringt, darf ein Ü-Spieler diese Position nicht blockieren.
Evangelos Sbonias
Was zeichnet beispielsweise Yannick Mausehund aus?
„Yannick bringt eine super Athletik mit. Er hat eine gute Größe, ist schnell, ist agil, und wenn er fit ist, kann er die geforderten Intensitäten mitgehen. Er hat auch gezeigt, dass er mit dem Ball mutig Fußball spielen kann. Das ist ein gutes Paket. Jetzt geht es darum, dieses Niveau in einem Bundesliga-Kader regelmäßig abzurufen.“
Und Cenny Neumann, der in Leverkusen erstmals im Kader sein durfte?
„Erst mal freuen wir uns sehr, dass Cenny in Leverkusen im Kader stand, das hat sich der Junge erarbeitet. Cenny hatte sich verletzt, bevor er zum FC gekommen ist. Als er dann fit war, hat man im Training sehr schnell gesehen, dass er gut adaptieren kann. So konnten wir ihn schnell in der Regionalliga bringen – auf der Position von Marvin Ajani. Mein Auftrag ist klar: Wenn so ein Junge das Potenzial mitbringt, darf ein Ü-Spieler diese Position nicht blockieren und wir müssen gemeinsam Lösungen finden. Das ist Ausbildung und hat jetzt in seinem Fall auch gut funktioniert.“
Teil zwei des Interviews mit U21-Trainer Evangelos Sbonias erscheint am Montag beim GEISSBLOG.







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