Warum bloß hat der 1. FC Köln gegen RB Leipzig keinen Elfmeter erhalten? Diese Frage beschäftigte die Profis und Verantwortlichen nach der 1:2-Niederlage am Sonntag gleichermaßen. Thomas Kessler war auch nach einer „Privat-Audienz“ beim Schiedsrichter nicht überzeugt.
Im RheinEnergieStadion lief die 76. Spielminute, als sich der 1. FC Köln berechtigte Hoffnungen auf den erneuten Ausgleich gegen RB Leipzig machen durfte. Nach einer zunächst abgewehrten Freistoß-Variante zog Jan Thielmann aus der Distanz ab, Christoph Baumgartner rettete kurz vor der Linie für seinen bereits geschlagenen Torhüter Peter Gulacsi – ganz klar mit der Hand.
Gut fünf Minuten lang wurde die Szene durch den Videoassistenten überprüft, Schiedsrichter Frank Willenborg wurde selbst zum VAR-Bildschirm beordert. Dann verkündete der Unparteiische schließlich über die Stadionmikrofone: Vor dem Handspiel, das tatsächlich zum Elfmeter geführt hätte, lag eine Abseitsstellung vor.
Sebulonsens Hacke im Abseits
Wo die Referees dieses Abseits ausgemacht hatten, blieb zunächst sowohl im Stadion als auch vor den TV-Bildschirmen unklar. Erst Minuten später lieferte DAZN die kalibrierte Linie nach, die offenbarte: In der Entstehung des Tores soll Sebastian Sebulonsens Hacke minimal in der verbotenen Zone gestanden haben. Zuvor hatte Kristoffer Lund den Freistoß ausgeführt, Jakub Kaminski hatte verlängert und Leipzigs Kapitän David Raum per Kopf geklärt – bevor schließlich Sebulonsen ebenfalls mit dem Kopf am Ball war.
Entscheidend waren aus Kölner Sicht zwei Fragen: Stand Sebulonsen wirklich im Abseits? Und handelte es sich um eine aktive Abseitsstellung?
Schon bezüglich der ersten Fragestellung hatten die FC-Profis so ihre Schwierigkeiten mit der Wahl des Schiedsrichtergespanns. „Du kannst mir nicht erzählen, dass das Abseits ist. Die Linie wird da einfach hingezogen. Tut mir leid, da muss es irgendeine andere Regelung geben“, schimpfte Eric Martel direkt nach Abpfiff. Jan Thielmann sprach von „einer Frechheit“ und Tom Krauß wollte lieber „ein bisschen ruhig“ bleiben, denn „sonst sage ich hier Worte, die nicht gut sind“.
Thomas Kessler drückte sich etwas diplomatischer aus und beschäftigte sich – da die Linie nun mal an irgendeiner Stelle gezogen werden musste – eher mit der Frage, ob die Abseitsstellung tatsächlich aktiv war. Hierfür musste wiederum untersucht werden, ob David Raums Kopfball eine kontrollierte oder unkontrollierte Klärungstat war. Wäre sie kontrolliert gewesen, hätte eine neue Spielsituation vorgelegen und Sebulonsens vorherige knappe Abseitsposition hätte keinerlei Rolle gespielt.
„Ich musste mir das in einer Privat-Audienz beim Schiedsrichter erklären lassen“, berichtete Kessler von der „komplexen Situation“. Der FC-Geschäftsführer kam nach dem Austausch mit Willenborg sowie einer intensiven Studie der Szene zu dem Fazit: „Ich bin der Meinung, dass man das sicher auch anders hätte entscheiden können. Eine totale Unkontrolliertheit eines deutschen Nationalspielers habe ich in der Szene nicht gesehen.“
Kessler: „Einer der Wenigen im Stadion“
Kein Kölner war der Meinung, dass Sebulonsens Abseitsstellung ursächlich für Raums Kopfball zu eben jenem Kölner Verteidiger war – Willenborg hingegen schon. „Er bewertet es so, dass Raum durch die Abseitsstellung das Problem hatte, dass er nicht kontrolliert köpfen konnte, das müssen wir akzeptieren“, so Kessler, der sich hiermit schwertat: „Man darf von unserer Seite schon die Frage stellen, ob Raum so bedrängt wurde.“
Der Sportboss betonte: „Wenn es Abseits ist, ist es Abseits. Da geht es um Zentimeter, dagegen sage ich nichts. Aber dann kommt die menschliche Komponente hinzu.“ Und die ärgerte Kessler: „Am Ende hat der Schiedsrichter die Entscheidungsgewalt zu sagen, was kontrolliert und unkontrolliert ist. Für uns ist das bitter, weil er erst einer der Wenigen im Stadion ist, der nicht sieht, dass es ein Handspiel ist. Und nachher entscheidet er auch noch, dass es eine unkontrollierte Situation ist.“ Obwohl Raum keineswegs direkt behindert wurde und fraglos über die Klasse verfügt, den Ball anders als zu Sebulonsen zu klären.
Jeder, der ab und zu mal am Kopfballpendel war, kann schon einordnen, dass ein Nationalspieler sehr wohl in der Lage ist, den Ball sehr kontrolliert wegzuköpfen.
„Ich sage es mal so“, holte Lukas Kwasniok zu einem süffisanten Kommentar aus: „Jeder, der ab und zu mal am Kopfballpendel war, kann schon einordnen, dass ein Nationalspieler sehr wohl in der Lage ist, den Ball sehr kontrolliert wegzuköpfen.“ Willenborg hingegen ist wohl kein Experte an diesem Trainingsgerät.








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