Der 1. FC Köln geht ohne seinen bisherigen Co-Trainer und Standardverantwortlichen Hannes Dold in die heiße Phase der Saison. Chefcoach Lukas Kwasniok erklärt, wie es zu der Trennung kam und wie es nun weitergeht.
Schon die ganze Saison über zählen die Standards zu den größten Baustellen des 1. FC Köln. Mit dem Aus von Co-Trainer Hannes Dold, der in Lukas Kwasnioks Team für die ruhenden Bälle zuständig war und bereits vor dem 1:3 in Stuttgart von seinen Aufgaben entbunden wurde, hatte diese eklatante Schwäche nun sogar personelle Konsequenzen (der GEISSBLOG berichtete).
„In allererster Linie tut es mir menschlich sehr, sehr leid“, sagt Chefcoach Kwasniok zum Wechsel in seinem Team und betont: „Ich schätze Hannes sehr und habe mit ihm nach wie vor ein gutes Verhältnis. Er ist einfach ein feiner Mensch. Und trotzdem sind wir im Profi-Fußball.“
Kwasniok: So kam es zur Trennung von Dold
Und hier sind die nackten Zahlen entscheidend: 19 seiner 37 Gegentreffer – 51 Prozent – hat der FC nach Standards kassiert. Zehnmal musste Marvin Schwäbe nach Eckbällen hinter sich greifen, viermal nach einem Freistoß, dreimal nach Elfmetern, zweimal nach einem Einwurf. Viel zu häufig. Auf der anderen Seite schlugen die Geißböcke selbst erst viermal nach ruhenden Bällen zu, gehören auch hier zu den schwächsten Bundesligisten.
„Manchmal ist es so, dass die Dinge nicht mehr ganz so funktionieren. Irgendwann geht der Glaube ein wenig verloren. Dann ist es wie bei einem Trainer“, sagt Kwasniok über seinen bisherigen Assistenten Dold: „Wenn der Glaube verlorengeht, musst du dich als Verantwortlicher von jemandem trennen.“ In Bezug auf die Standars sei das nun der Fall gewesen.
So sieht die neue Aufgabenverteilung aus
Verstärkt wird das Trainerteam nach Dolds Aus, wie bereits berichtet, nicht. Die vergangenen Wochen waren für Kwasniok und seine Assistenten bereits ein Probelauf für die Arbeit ohne den 33-Jährigen. „Wir haben das aufgrund der Tatsache, dass Hannes Papa geworden ist und uns zwei, drei Spiele nicht ganz zur Verfügung stand, schon intern aufgefangen“, verrät der Cheftrainer, der die Standardthematik auf verschiedene Schultern verteilt hat.
Co-Trainer René Wagner kümmert sich um die Arbeit auf dem Platz, Spielanalyst Denis Huckestein um die Videostudien und der zweite verbliebene Assistent Frank Kaspari um die notwendigen Anpassungen bei Wechseln. Die ersten Schritte in dieser Konstellation stimmen Kwasniok zuversichtlich: „Ich habe das Gefühl, dass wir mehr Klarheit in der Angelegenheit hatten, und deswegen haben wir uns dazu entschlossen, das weiterhin intern aufzufangen.“
Ein erster Erfolg aus Sicht des 44-Jährigen: „In der Rückserie haben wir noch kein Tor nach Ecken bekommen. Das ist etwas, wo eine Verbesserung herbeigeführt wurde. Das heißt noch lange nicht, dass alles perfekt ist, aber wir versuchen, das bis zum Saisonende intern durchzuziehen.“
Das ist ein Thema, welches nicht nur mich, sondern uns alle bewegt hat. Wir wollten darin besser werden und irgendwann summiert sich dieser Gedankengang. Am Ende ist das immer eine gemeinsame Entscheidung.
Lukas Kwasniok über das Aus von Hannes Dold
In der neuen Konstellation habe jeder „einen gewissen Teilbereich“ zu verantworten. „So ist es nicht auf eine Person projiziert“, sieht Kwasniok einen weiteren Vorteil. Mit Dold als Hauptverantwortlichem hatte das anders ausgesehen.
Unter Steffen Baumgart war der langjährige Videoanalyst zum Co-Trainer Spielanalyse aufgestiegen, unter Kwasniok sollte er nun „mehr Aufgaben rund um die Mannschaft und in der Arbeit auf dem Platz übernehmen“, wie der FC zu Beginn der Saison bekannt gegeben hatte. „Wir haben dem Hannes als langjährigem Analysten die Möglichkeit gegeben, unser Trainerteam zu erweitern und die Standardthematik fokussiert und isoliert anzunehmen. Er hat sich dieser Aufgabe total verschrieben, war unheimlich fleißig“, hebt Kwasniok hervor. Der Erfolg allerdings blieb aus.
Kessler und Kwasniok haben gemeinsam entschieden
Die Entscheidung, Dold von seinen Aufgaben zu entbinden, sei dann eine gemeinschaftliche gewesen. „Ich habe hier ganz wenige Entscheidungen selber getroffen und Kess hat alle sportlichen Entscheidungen mit mir abgestimmt“, erklärt Kwasniok das Vorgehen mit Sportboss Thomas Kessler: „Das ist ein Thema, welches nicht nur mich, sondern uns alle bewegt hat. Wir wollten darin besser werden und irgendwann summiert sich dieser Gedankengang. Am Ende ist das immer eine gemeinsame Entscheidung.“
Offen ist, wie es für Dold, der seit zwölf Jahren beim FC tätig ist, weitergeht. „Hannes ist aktuell zu Hause und wird in den nächsten Tagen und Wochen mit Kess die weiteren Gedankengänge des Vereins absprechen.“ Da sei Kwasniok der falsche Ansprechpartner: „Ich kann ihn weder freistellen noch einstellen.“ Doch er habe Dold am Dienstag sehr wohl zum Geburtstag gratuliert – und auch eine Antwort erhalten.








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