Der 1. FC Köln wollte mit Lukas Kwasniok Kontinuität auf der Trainerbank schaffen – doch schon nach neun Monaten ist das Projekt gescheitert. Es folgte die Trennung, die Fragen aufwirft. Hat Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler im Sommer die falsche Entscheidung getroffen?
Das Vorhaben beim 1. FC Köln war nach dem Wiederauftieg klar – und es klang vertraut: Kontinuität, Ruhe, Entwicklung. Nachdem der Club alte Strukturen aufgebrochen, eine (fast) runderneuerte Geschäftsführung sowie einen neuen Vorstand installiert hatte, sollte auch auf der Trainerposition endlich eine langfristige Lösung her. Lukas Kwasniok sollte genau dieser Baustein sein. Einer, der bleibt, prägt und mit dem der FC wachsen kann.
Neun Monate später ist dieses Vorhaben gescheitert. Nach nur 27 Bundesliga-Spielen und dem 3:3-Unentschieden im Derby gegen Borussia Mönchengladbach ist Kwasniok am Geißbockheim schon wieder Geschichte. Eine Entscheidung, die Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler nach eigener Aussage schwergefallen ist, die gleichzeitig aber eine zentrale Frage aufwirft: Hat der FC im Sommer auf den falschen Trainer gesetzt?
Keine fachlichen Zweifel an Kwasniok
„Konstanz ist das, was sich jeder Club wünscht“, sagte Kessler am Montag einen Tag nach der Entlassung. Und genau diese Konstanz war das erklärte Ziel. Der FC wollte weg von dem Image des Trainer-Schleudersitzes, hin zu einem klaren Plan. „Wir würden lügen, wenn ich jetzt sagen würde, dass ich zufrieden damit bin, dass wir uns jetzt von einem Trainer trennen mussten“, so Kessler weiter. Es ist ein Eingeständnis – und gleichzeitig der Beginn einer Aufarbeitung. Mit René Wagner wird nun immerhin schon der elfte Cheftrainer seit der Ära Peter Stöger an der Seitenlinie stehen.
Der Plan mit Kwasniok war dabei keineswegs ein Schnellschuss. Sportlich und fachlich gab es kaum Zweifel an dem 44-Jährigen. Seine Arbeit, seine Idee von Fußball, seine Fähigkeit, Mannschaften zu entwickeln – all das passte ins Profil und hatte der gebürtige Pole schon in Paderborn vier Jahre lang bewiesen. Kwasniok sollte den Umbruch moderieren, sollte dem Kader seinen Stempel aufdrücken, sollte auch unbequeme Entscheidungen treffen dürfen.
Trainer wollte ein „Kölscher Jung“ werden
Genau hier begann jedoch das Spannungsfeld. Während die sportliche Entwicklung gerade zu Saisonbeginn stimmte, blieb das Verhältnis zwischen Trainer und Umfeld fragil. Kwasniok wollte, so hat er es bei seiner ersten Pressekonferenz zum Antritt erklärt, ein „Kölscher Jung“ werden – geworden ist er es nie. Zu groß war die Skepsis in Teilen der Anhängerschaft, die ihn aufgrund von Vorkommnissen aus der Vergangenheit schon vor seinem ersten Pflichtspiel kritisch sahen. Zu unnahbar wirkte er in der Außendarstellung, zu unkontrolliert teilweise in seinen öffentlichen Aussagen.
Immer wieder sorgten Aussagen über die eigene Mannschaft für Verwunderung, intern soll es zum Teil ebenfalls geknirscht haben. Entscheidungen, Kommunikation, Tonalität – Kwasniok eckte an. Nicht nur einmal. Solange die Ergebnisse stimmten, konnte der FC darüber hinwegsehen. Denn der Umbruch war gewollt, die Reibung einkalkuliert. Kwasniok sollte bewusst auch Grenzen verschieben, sollte Strukturen aufbrechen, sollte einen neuen FC formen – selbst wenn das bedeutete, etablierte Spieler vor den Kopf zu stoßen.
Thomas Kessler mit Selbstkritik
Doch als die Ergebnisse ausblieben, rückten genau diese Punkte in den Fokus. Die Mannschaft hat sich bis zuletzt nicht hängen lassen, hat auch gegen Mönchengladbach Moral bewiesen. Doch Einsatz allein reicht nicht, wenn die Siege ausbleiben. Am Ende ist Kwasniok über die Summe der Themen gestolpert – nicht über einen einzelnen Aspekt.
Und genau hier setzt die Selbstkritik von Kessler an. „Natürlich werde ich mir in der Rückbetrachtung Gedanken machen, was man hätte anders machen können, damit es nicht zu diesem Punkt kommt“, sagte der Sport-Geschäftsführer. Ein bemerkenswert offener Satz – und einer, der die entscheidende Frage indirekt bestätigt.
Club steht über Kontinuität
Hat der FC die Warnsignale im Sommer unterschätzt? Denn die Punkte, die jetzt kritisch bewertet werden, waren nicht alle neu. Die Skepsis im Umfeld, die spezielle Art in der Kommunikation, die klare, manchmal harte Ansprache – vieles davon war bekannt. Der FC hat sich bewusst dafür entschieden. Für den Trainer. Für den Weg. Für das Risiko. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht, diese Entscheidung zu treffen“, betonte Kessler. Und dennoch musste sie getroffen werden. Auch, weil – wie er selbst sagt – „das, was über Kontinuität steht, dieser Club ist“.
Der 1. FC Köln wollte mit Kwasniok Kontinuität aufbauen. Am Ende hat genau dieses Projekt die nächste Zäsur gebracht. Und so bleibt nicht nur die Hoffnung, dass mit René Wagner nun die sportliche Wende einhergeht, sondern auch die Erkenntnis, dass der eingeschlagene Weg nicht aufgegangen ist. „Das ist mir in diesem Fall nicht geglückt“, räumte Kessler am Montag ein. Eine ehrliche Analyse – die aber zwangsläufig zu einer weiteren Frage führt: Wie stellt der 1. FC Köln sicher, dass es beim nächsten Mal, im besten Fall schon dieses Mal, wirklich passt?








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