Mit Jusuf Gazibegovic und Julian Pauli wurden zwei Leihprofis des 1. FC Köln am vergangenen Wochenende emotional verabschiedet. Beide hoffen auf eine Zukunft am Geißbockheim. Für ein verliehenes FC-Talent geht es noch um viel.
Auch beim zweiten Mal flossen Tränen. Im Januar 2025 hatte Jusuf Gazibegovic seinen „Herzensverein“ Sturm Graz schon einmal verlassen, um sich dem 1. FC Köln anzuschließen. Am Sonntag wurde der Rechtsverteidiger, der in der Rückrunde auf Leihbasis für das österreichische Top-Team spielte, nun erneut in Graz verabschiedet.
„Es fällt mir genauso schwer wie beim letzten Mal“, schreibt Gazibegovic auf Instagram an die „Sturm-Familie“ gerichtet: „Nichtsdestotrotz möchte ich mich bei allen Verantwortlichen im Verein und natürlich euch Fans für das Vertrauen bedanken und für die Chance, wieder ein paar Minuten und Spiele sammeln zu dürfen.“
Gazibegovic: „Das Kapitel ist für mich nicht geschlossen“
Nach einer Hinrunde als Reservist beim FC war Gazibegovic im Winter zurück zu Sturm gewechselt, bestritt elf Bundesliga-Partien, acht von Beginn an. „Ich habe auf jeden Fall mehr gespielt als in Köln. Das war auch nicht schwer“, zog er im Interview bei Sky Austria schmunzelnd sein Fazit und betonte noch einmal seine Liebe zu den Schwarz-Weißen: „Der Verein geht unter die Haut, für mich hat sich das mehr als ausgezahlt.“
Nur zu gerne hätte sich Gazibegovic mit seiner dritten Meisterschaft verabschiedet, doch die war ihm und Graz nicht vergönnt. Zwar siegte der 26-Jährige (nach 72 Minuten eingewechselt) mit Sturm am letzten Spieltag 2:0 gegen Rapid Wien, da aber auch der Linzer ASK gewann, verblieb Graz auf Rang zwei – der LASK wurde erstmals seit 61 Jahren österreichischer Meister.
Gazibegovic geht als Vize. Nur wohin? „Ich würde auf jeden Fall gerne in Köln zeigen, was ich kann. Das ist logisch“, will sich der Bosnier nicht mit dem ernüchternden ersten Anlauf zufriedengeben. „Jeder, der mich kennt, weiß, wie ehrgeizig ich bin. Das Kapitel ist für mich noch nicht geschlossen.“ Natürlich müsse es Gespräche mit dem Verein geben. „Ich will unbedingt spielen“, so Gazibegovic, der den FC dafür notfalls auch dauerhaft verlassen würde: „Wenn das dort nicht der Fall ist, bin ich offen für alles andere – für Graz bin ich immer offen.“
Auch wenn er für den bosnischen WM-Kader nur auf Abruf steht, plant Gazibegovic offenbar keinen langen Urlaub: „Ich will den Sommer gut nutzen, um an meinen Sachen zu arbeiten, um ein paar Prozent draufzuhauen und fitter zu werden. Dann schauen wir einfach, ob es in Köln weitergeht oder woanders.“ Er sei bereit. „Egal, wo.“
Pauli über Dynamo Dresden: „Mehr als nur eine Leihe“
Julian Pauli wünscht sich ebenfalls eine Rückkehr ans Geißbockheim. Auch der Innenverteidiger wurde nach einer Saison als Leistungsträger bei Dynamo Dresden emotional verabschiedet. Pauli verpasste zwar die letzten Spiele aufgrund von Leistenproblemen, stand bei der Verabschiedung nach dem 2:1-Sieg gegen Holstein Kiel am vergangenen Sonntag aber doch noch mal vor 30.664 Fans auf dem Rasen des Rudolf-Harbig-Stadions.
„Mega geil, dass wir unser Ziel gemeinsam erreicht haben“, schrieb Pauli anschließend auf Instagram, schwärmte: „Dieses Jahr war für mich mehr als nur eine ‚Leihe‘. Ich habe das Team, den Staff und euch Fans ins Herz geschlossen! Danke für die tolle Zeit und nur das Beste für die Zukunft.“
Unter Lukas Kwasniok hatte Pauli im Interview mit dem GEISSBLOG zugegeben, dass seine Stärken nicht wirklich zu den Anforderungen des Trainers passen. Nun will er unter dem neuen Coach, der wohl René Wagner heißen wird, einen neuen Anlauf wagen. Der 20-Jährige steht beim FC noch bis 2028 unter Vertrag.
Bakatukanda mit Comeback bei Abstiegsspiel
Gleiches gilt für Elias Bakatukanda, der einen bitteren Abschluss seiner eineinhalbjährigen Leihe zu Blau-Weiß Linz erlebte. Linz beendete die Saison als Tabellenletzter der österreichischen Bundesliga und steigt dementsprechend ab. Bakatukanda war nach seinem Außenbandriss von Trainer Michael Köllner monatelang nicht berücksichtigt worden, spielte im Saisonfinale nun erstmals seit November wieder für seinen Leihclub.
Als der Innenverteidiger bei der abschließenden 0:3-Niederlage gegen den Grazer AK nach 63 Minuten beim Stand von 0:2 eingewechselt wurde, war die Messe jedoch schon gelesen. Für die Rettung hätte ein Sieg hergemusst. So waren es für Bakatukanda lediglich noch Abschiedsminuten, zum 30. Juni endet seine Leihe.
Kujovic verpasst Europa
Emin Kujovic hingegen gelang mit dem Wolfsberger AC in der Abstiegsrunde der österreichischen Bundesliga der Klassenerhalt. Wolfsberg hatte sogar noch die Chance aufs internationale Geschäft. Der Modus in Österreich sieht vor, dass die beiden besten Mannschaften der Abstiegsgruppe sowie das schwächste Team der Meistergruppe um die Conference League spielen.
Wolfsberg, Zweiter in der Abstiegsrunde, unterlag am Dienstagabend jedoch mit 1:2 beim Ersten Ried und steht dadurch nicht im Endspiel. Kujovic, der per Kaufoption fest in Wolfsberg bleiben könnte, war zuletzt nur noch Kurzarbeiter und schaute in Ried über die gesamte Dauer zu.
Rondic nur Partygast – Carstensen darf feiern
Imad Rondic spielte derweil am Sonntag ein letztes Mal für Preußen Münster. Beim 0:3 in Elversberg war der Zweitliga-Absteiger hautnah bei der Aufstiegsfeier der Saarländer dabei. Rondic verlässt Münster nach einem halben Jahr mit 14 Einsätzen (zwei Tore und zwei Vorlagen) wieder, die 3. Liga kommt laut Aussagen seines Beraters für ihn nicht infrage (der GEISSBLOG berichtete).
Für Rasmus Carstensen und Aarhus GF stand der letzte Spieltag ganz im Zeichen des Feierns. Nach dem abschließenden 6:2-Sieg gegen Viborg FF erhielt Aarhus erstmals seit 40 Jahren den Pokal für die dänische Meisterschaft. Carstensen fehlte die letzten zwei Monate verletzungsbedingt, wurde bislang jedoch nicht verabschiedet – die Zeichen stehen wohl weiterhin auf Verbleib.
Potocnik vor Showdown mit RWE
Für ein verliehenes FC-Talent geht die Saison noch weiter: Jaka Cuber Potocnik kämpft mit Rot-Weiss Essen um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Potocnik, der sich zum Ende der regulären Drittliga-Spielzeit in die Startelf von Uwe Koschinat gekämpft hat, eroberte mit RWE am letzten Spieltag den dritten Platz zurück.
Während Essen, unter anderem durch eine Vorlage von Potocnik sowie ein Last-Minute-Tor von Ben Hüning, mit 3:2 in Ulm siegte, kam der MSV Duisburg nicht über ein 1:1 gegen Viktoria Köln hinaus. Am Freitag sowie am Dienstag (jeweils 20.30 Uhr) geht es in der Relegation gegen den Tabellen-16. der 2. Liga, Greuther Fürth, nun um den Aufstieg.








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