Mehr René Wagner wagen: So will der neue FC-Trainer seine Rolle ausfüllen

René Wagner möchte mehr von sich selbst zeigen. (Foto: Bucco)
René Wagner möchte mehr von sich selbst zeigen. (Foto: Bucco)

Spätestens mit dem 1:3 im letzten Bundesliga-Heimspiel gegen Heidenheim hat René Wagner viel Kredit bei den Fans des 1. FC Köln verloren. Jetzt startet der 37-Jährige mit einer anderen Ausgangslage in seine erste komplette Saison als Cheftrainer – und kündigt an, künftig mehr von sich selbst zu Preis zu geben.

Die Bilder vom letzten Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim dürften René Wagner noch eine Weile begleiten. Pfiffe im eigenen Stadion, eine enttäuschende Leistung der Mannschaft gegen den Absteiger, dazu erstmals spürbare Kritik an seiner Arbeit.

Dabei schien Wagner selbst die Wucht der öffentlichen Diskussion zunächst gar nicht in vollem Ausmaß wahrzunehmen. So fokussiert sei er auf seine Aufgabe gewesen, dass vieles an ihm vorbeigegangen sei. Erst Freunde aus seinem Berliner Umfeld – Menschen, die mit Fußball eigentlich kaum Berührungspunkte haben – hätten ihm berichtet, wie präsent und teilweise auch kritisch über ihn gesprochen wurde.

Wagner will nicht in Fußstapfen seiner Vorgänger treten

Vielleicht passt genau das zu dem Bild, das Wagner von sich selbst zeichnet. Keiner, der sich an Schlagzeilen abarbeitet. Keiner, von dem ein Sprüche-Feuerwerk wie bei Lukas Kwasniok oder Steffen Baumgart zu erwartet ist. Einer, der lieber analysiert als emotionalisiert. Einer, der seine Aufgabe in den vergangenen acht Wochen vor allem darin sah, den FC irgendwie über die Ziellinie des Klassenerhalts zu bringen.

Jetzt aber beginnt für Wagner eine neue Phase. „Ohne jetzt Erwartungen unnötig zu erhöhen: Für mich geht es darum, mich als Person zu zeigen“, sagt der neue Cheftrainer. In den Wochen als Interimslösung habe er vieles bewusst zurückgestellt, wollte aktiv als Person langweilig sein. Die Mission sei klar gewesen: Ruhe bewahren, stabilisieren, Punkte holen. Nun soll mehr kommen. Mehr Persönlichkeit, mehr eigene Handschrift auf und neben dem Platz. Kurzum: mehr René Wagner.

Wagner hofft auch Chance in Stadt und Verein

Der Trainer spricht dabei nicht nur über Fußball. Er spricht über Haltung, über Außendarstellung und über die Art und Weise, wie sich der FC künftig präsentieren soll. Es geht ihm darum, dass Stadt und Verein das Gefühl bekommen, dass die richtigen Schritte gegangen werden. Der gebürtige Dresdener hofft dabei, in einer emotionalen Stadt wie Köln auch als ein Trainer seines Profils eine faire Chance zu bekommen.  

Vor allem aber hat Wagner eine klare Vorstellung davon, wie seine Mannschaft auftreten soll. „Das Stadion soll das Gefühl haben, dass wir voll da sind, Spiele gewinnen wollen, mutig nach vorne spielen, attackieren und den Gegner unter Druck setzen“, sagt der 37-Jährige. Die Fans sollen erkennen können, wofür diese Mannschaft steht. Für aktiven und intensiven Fußball, „der auch Spaß macht, zuzuschauen“.

Einstieg war keine perfekte Bewerbung

Wagner weiß gleichzeitig, dass der Weg dorthin kein einfacher wird. Er spricht bewusst davon, dass der Klassenerhalt erneut das große Ziel bleiben wird. Er weiß, dass die Bundesliga wenig Geduld kennt – gerade in Köln. Und er weiß auch, dass die vergangenen Wochen noch keine perfekte Bewerbung waren.

Die Niederlage gegen Heidenheim war dabei der negative Höhepunkt. „Jeder Fan hatte nach diesem Spiel das Recht, enttäuscht nach Hause zu gehen“, sagt Wagner offen. Gleichzeitig wolle er solche Partien künftig als Orientierung nutzen – allerdings im negativen Sinne. Heidenheim werde zur „negativen Benchmark“, das Spiel Leverkusen dagegen zur positiven, auch wenn das Spiel ebenfalls verloren wurde. Es gehe dem Trainer vor allem darum, die Ausschläge nach unten zu verringern.

Für diese Aufgabe muss Wagner nicht plötzlich zum lauten Motivator oder zum Trainer mit großen Showeinlagen werden. Er muss nicht jemand anderes werden. Er muss nur das sein, was er jetzt erstmals auch öffentlich sein möchte: mehr René Wagner. Und vielleicht ist genau das am Ende seine größte Chance.

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