Zwei Partien als „Benchmark“: Was die Wagner-Spiele über die nächste Saison aussagen

René Wagner geht in seine erste Saison als Cheftrainer. (Foto: IMAGO / Beautiful Sports International)
René Wagner geht in seine erste Saison als Cheftrainer. (Foto: IMAGO / Beautiful Sports International)

René Wagner hat seine ersten acht Wochen als Trainer des 1. FC Köln inzwischen gründlich aufgearbeitet. Für die neue Saison orientiert sich der 37-Jährige dabei ausgerechnet an zwei Heimspielen, die kaum unterschiedlicher hätten verlaufen können.

Die Bilanz von René Wagner als Interimstrainer liest sich zunächst durchwachsen. Ein Sieg, drei Unentschieden und drei Niederlagen holte der 37-Jährige in seinen sieben Bundesliga-Partien als Verantwortlicher. Viel wichtiger als die nackten Zahlen ist für Wagner jedoch die Frage, welche Erkenntnisse er aus dieser Phase für seine erste komplette Saison als Cheftrainer ziehen kann.

Dabei hat der neue FC-Coach zwei Spiele ausgemacht, die für ihn stellvertretend für die möglichen Extreme seiner Mannschaft stehen. Das Heimspiel gegen Bayer Leverkusen auf der einen Seite. Und die enttäuschende 1:3-Niederlage gegen den Absteiger 1. FC Heidenheim auf der anderen. „Wir werden solche Spiele nutzen – Heidenheim als negative Benchmark und Leverkusen als positive Benchmark“, erklärte Wagner am Dienstag, als er erstmal öffentlich über seine Rolle und Ideen als Cheftrainer sprach.

Partien hätten kaum unterschiedlicher sein können  

Tatsächlich könnten beide Partien kaum unterschiedlicher gewesen sein. Gegen Leverkusen zeigte der FC eine der besten Saisonleistungen überhaupt. Die Kölner spielten mutig nach vorne, attackierten früh, setzten den Champions-League-Anwärter immer wieder unter Druck und erspielten sich zahlreiche Chancen. Auch wenn die Partie am Ende verloren ging, blieb vor allem die Art und Weise in Erinnerung.

Ganz anders verlief dagegen das Heimspiel gegen Heidenheim. Der FC wirkte gehemmt, entwickelte kaum Gefahr im letzten Drittel und verlor gegen einen direkten Konkurrenten verdient mit 1:3. Ein Auftritt, der bei vielen Fans für Frust sorgte und Wagner erstmals spürbar Kritik einbrachte.

„Unser Anspruch kann es nicht sein…“

Diese Enttäuschung kann der Trainer nachvollziehen. „Jeder Fan hatte nach diesem Spiel das Recht, enttäuscht nach Hause zu gehen“, sagte Wagner rückblickend. Die Analyse sei dennoch differenziert ausgefallen. „Heidenheim hat aus zwei Chancen zwei Tore gemacht. Das gehört zur Wahrheit dazu, ist aber keine Entschuldigung für unsere Leistung.“

Entscheidend sei vielmehr die grundsätzliche Erkenntnis gewesen. „Unser Anspruch kann es nicht sein, zuhause zu wenig Gefahr im letzten Drittel auszustrahlen.“ Genau dort will Wagner mit seiner Mannschaft ansetzen. Denn wenn der Trainer über seine Zukunftsvision für den FC spricht, erinnert vieles eher an den Leverkusen-Auftritt als an das Heidenheim-Spiel. „Es geht vor allem darum, zuhause ein aktives Bild abzugeben“, erklärt Wagner. „Das Stadion soll das Gefühl haben, dass wir voll da sind, Spiele gewinnen wollen, mutig nach vorne spielen, attackieren und den Gegner unter Druck setzen.“

Anspruch und Wirklichkeit nicht immer deckungsgleich

Die Fans sollen erkennen können, wofür diese Mannschaft steht. „Wir wollen Fußball spielen, der auch Spaß macht, zuzuschauen.“ Wagner weiß allerdings auch, dass dieser Anspruch nicht in jedem Spiel perfekt umzusetzen sein wird. Die Bundesliga sei dafür zu ausgeglichen und die individuellen Unterschiede zwischen den Mannschaften zu groß. „Natürlich wird das nicht immer funktionieren – vor allem gegen Mannschaften, die vielleicht andere Ziele verfolgen.“

Trotzdem formuliert der Trainer einen klaren Anspruch: „Unser Anspruch muss sein, dieses Bild möglichst häufig zu zeigen – so wie gegen Leverkusen.“ Zwischen diesen beiden Partien – dem mutigen Auftritt gegen Bayer und der enttäuschenden Vorstellung gegen Heidenheim – dürfte sich letztlich auch entscheiden, wohin die Reise des 1. FC Köln in der kommenden Saison führt. Die positive Benchmark hat Wagner bereits gefunden. Nun geht es darum, die negative möglichst selten wiederzusehen.

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