Schon vor dem Sechzehntelfinale gegen die Elfenbeinküste am Dienstagabend (19 Uhr) dürfte die Weltmeisterschaft der Höhepunkt in der Trainerkarriere von Norwegens Stale Solbakken sein – 14 Jahre nach seinem kolossalen Scheitern beim 1. FC Köln.
Wenn die Fans des 1. FC Köln den Namen Stale Solbakken hören, dürften bei vielen noch immer Erinnerungen an eine der dunkelsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte wach werden – denn sein Name ist untrennbar mit dem Absturz in der Saison 2011/12 verbunden. Bei der Weltmeisterschaft mausert sich der glatzköpfige Norweger mit seiner Mannschaft allerdings nicht nur zu Geheimfavoriten, sondern auch zu heimlichen Publikumslieblingen.
Daran hat Solbakken seinen Anteil. 25 Jahre, nachdem er als Fußballprofi im Training des FC Kopenhagen einen Herzstillstand erlitt, führte er das Team mit den Superstars Erling Haaland (Manchester City) und Martin Ödegaard (FC Arsenal) erstmals seit 1998 wieder in die K.o.-Runde einer Weltmeisterschaft. Schon vor dem Turnier hatte die Mannschaft mit Bildern als Wikinger an einem norwegischen Fjord für Aufmerksamkeit gesorgt.

Nun war es der Coach selbst, der nach dem Sieg im zweiten Vorrundenspiel gegen Senegal auf die Tribüne lief und seine Frau Anniken leidenschaftlich küsste. „Pure Liebe“, kommentierte Solbakken diese emotionalen Bilder. Gemeinsam mit Fans und Spielern „ruderte“ der 58-Jährige nach den Erfolgen seiner Mannschaft – bislang der Hingucker auf den Tribünen dieser WM.
Und vor dem Duell gegen Frankreich drückte er stellvertretend für den gesamten norwegischen Tross dem französischen Co-Trainer Guy Stephan einen Blumenstrauß in die Hand – als Zeichen der Anteilnahme an der Trauer von Didier Deschamps, der wegen des Todes seiner Mutter bei der Partie fehlte.
Volker Finke holte Stale Solbakken nach Köln
So viel Positives hatten sich die Kölner Fans auch 2011 erhofft, als der damalige Sportchef Volker Finke den Norweger vom FC Kopenhagen loseiste. Solbakken hatte dort souverän den Meistertitel verteidigt und war erneut in die Champions League eingezogen. Dort hatte er dem großen FC Barcelona mit Trainer Pep Guardiola ein 1:1 abgetrotzt. Beeindruckt von dieser taktischen Meisterleistung, traf sich Guardiola mit Solbakken und philosophierte bei einem gemeinsamen Essen über Fußball.
In Köln hatte man viel Geld in die Hand genommen, um endlich dem Teufelskreis zwischen Auf- und Abstieg zu entkommen. Finke hatte zuvor selbst als Retter einspringen müssen, um den FC vor dem Abstieg zu bewahren. Nun sollte alles besser werden – mit Abwehrstar Pedro Geromel, „Pitbull“ Petit, „Prinz“ Lukas Podolski und „Tor-König“ Milivoje Novakovic.
Doch in Rekordzeit schafften es Finke und Solbakken, sich zu überwerfen. Der Sportchef installierte seinen Schwiegersohn Ibrahim Tanko als Fitnesscoach, aber schon nach wenigen Tagen schrieb Solbakken die Trainingspläne selbst. Auch die geliebte Nordseeinsel Langeoog gefiel dem Norweger als Vorbereitungsort nicht. Finke hatte – ganz in der Tradition seiner Zeit beim SC Freiburg – eine Radtour für die Mannschaft angesetzt. Doch der bereits bestellte Tee blieb in der Lobby stehen, die gemieteten Fahrräder gingen ungenutzt zurück: Solbakken sagte die Tour kurzerhand ab und beorderte die Mannschaft stattdessen auf den Trainingsplatz.
Kurz vor Saisonbeginn ließ Finke dann auch noch Abwehrchef Youssef Mohamad nach Saudi-Arabien ziehen. Zu diesem Zeitpunkt wechselten Trainer und Sportchef bereits kaum noch ein Wort miteinander. Plötzlich wollte auch Geromel den Verein verlassen, Solbakken aber machte ihn zum Kapitän – was wiederum Lukas Podolski aufbrachte, der sich als natürlicher Anführer des FC sah.
In Bremen begann der brutale Absturz
Nichtsdestotrotz lief es bis zum zwölften Spieltag ordentlich. Da führte der FC in Bremen zur Pause mit 2:0 und war in der Blitztabelle Sechster. Drei Tore von Claudio Pizarro, eine aberwitzige Schiedsrichterleistung von Helmut Fleischer und eine Rote Karte für Innenverteidiger Sereno markierten den Wendepunkt. Von da an ging es im Grunde nur noch bergab. Geromel verletzte sich am Knie und fiel wochenlang aus, in der Winterpause zog sich Lukas Podolski bei einem privaten Hallenkick eine Fußverletzung zu, fehlte ebenfalls mehrere Wochen und verlor seine Form.
Neben dem Platz eskalierte der Machtkampf endgültig. Finke verweigerte die dringend notwendigen Kaderkorrekturen. Erst am letzten Tag der Transferperiode schlug er Bochums Chong Tese vor – einen Spieler, den Solbakken nicht wollte. „Der Anti-Tese“ titelte der Express, am Geißbockheim ging nichts mehr.
Nach dem 1:0-Sieg über Hertha BSC entschied sich der Interimsvorstand um Werner Wolf, Finke vor die Tür zu setzen. Finanzgeschäftsführer Claus Horstmann setzte zunächst auf Solbakken. Doch auch dessen Zeit war wenig später vorbei: Nach einem 0:4 gegen Mainz 05 im April musste der Norweger gehen, Horstmann und der inzwischen gewählte Toni Schumacher teilten ihm sein Aus in der Küche seines Hause mit.
Solbakken: Neue Optionen nach erfolgreicher WM?
Für Solbakken ist das Jahr in Köln bis heute ein dunkles Kapitel seiner Karriere. Denn eigentlich hatte er dort – wie zuvor in Kopenhagen – das Umfeld, die Möglichkeiten und die Wucht des Clubs geliebt. Nur eben Volker Finke, den hätte es dort nicht gebraucht. Auch in Wolverhampton lief es nicht, erst nach der Rückkehr nach Dänemark nahm seine Karriere wieder Fahrt auf.
Nun zeigt Solbakken auf der ganz großen Bühne, dass er durchaus der Top-Trainer ist, den auch Pep Guardiola einst in ihm sah. Verläuft die Weltmeisterschaft weiter so erfolgreich, dürften sich für den Norweger neue Türen öffnen. Vielleicht zeigt er ja doch noch einmal in der Bundesliga, dass er einen Club an die Spitze führen kann.








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