Die Frauen des 1. FC Köln bestreiten im Trainingslager in Lautenbach ein intensives Programm. Mittendrin: Stürmerin Lydia Andrade, die im GEISSBLOG-Gespräch über ihre Ziele für die kommende Saison spricht.
Aus dem Trainingslager in Lautenbach berichtet Marie Reiners
Die 27-Jährige Schweizerin Lydia Andrade startet in ihr zweites Jahr beim 1. FC Köln. Sie kam über die Jugend des FC Zürich, wo sie 2017 ihr Debüt im Seniorinnenbereich gab und später auf 46 Erstliga- sowie Champions-League-Einsätze kam, ehe sie über Meppen und RB Leipzig 2025 zum 1. FC Köln wechselte.
Ihre Stärken: Schnelligkeit im Eins-gegen-eins und ein ausgeprägter Torinstinkt. Aber das war nicht immer der Fall. Ihr erstes Jahr beim FC verlief alles andere als geradlinig. Zunächst spielte Andrade kaum eine Rolle, dann kamen kleine Verletzungen dazu. In dieser Phase sammelte die Stürmerin stattdessen Spielzeit in der U21-Regionalliga-Mannschaft. Erst zum Saisonende hin gelang der Stürmerin der Durchbruch.
Rückblick: Ein Auf und Ab in der ersten Saison
In der Bundesliga-Saison stand die 27-Jährige 15 Mal auf dem Platz – und in ihren letzten vier Ligaspielen brach dann das Eis: vier Tore in vier Partien, mit denen sie sich zum Schlüsselfaktor entwickelte und aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken war. An diese Schlussphase will Andrade nun direkt anknüpfen und nicht erst wieder am Saisonende.
Dass sie mit diesem Selbstbewusstsein vor der Brust in die neue Spielzeit geht, ist ihr im Trainingslager anzumerken. Andrade zeigt sich angetan von den Verhältnissen in Lautenbach. Bei sommerlichen Temperaturen fällt ihr Zwischenfazit nach den ersten Tagen durchweg positiv aus: „Die Bedingungen sind gut. Es war bisher eine tolle Zeit, so kann es gerne weitergehen.“ Dass sie eigentlich lieber zu Hause ist, gibt die Stürmerin dabei offen zu, trotzdem genießt sie die gemeinsame Zeit mit der Mannschaft. „Sowas schweißt die Mannschaft zusammen“, sagt sie im GEISSBLOG-Gespräch mit Blick auf die vielen neuen Gesichter im Kader, die sich im Trainingslager erst noch richtig kennenlernen müssen.
Andrade über EM-Rückschlag 2025
Auf die Frage, was ihr vor Ort im Training viel Freude bereitet, antwortet sie mit einem Augenzwinkern. „Das Training ist immer etwas Besonderes, wenn man jeden Tag auf dem Platz stehen kann und gesund ist“, sagt Andrade. Sie versuche, jede Einheit zu nutzen, gerade in der Vorbereitung sei ihr „jedes Training wichtig“. Für die Stürmerin, die im vergangenen Jahr erst nach und nach ihren Rhythmus in Köln fand, hat diese Konsequenz im Alltag einen besonders hohen Stellenwert.
„Ich bin drangeblieben, habe jeden Tag hart gearbeitet, und am Ende hat sich das ausgezahlt.“
Lydia andrade
Ihre starke Schlussphase mit vier Toren in vier Spielen schreibt die Stürmerin vor allem ihrer Geduld zu. „Ich bin drangeblieben, habe jeden Tag hart gearbeitet, und am Ende hat sich das ausgezahlt.“ Dass gerade diese Geduld ihr schwerfiel, hat einen Hintergrund. Eine Sprunggelenksverletzung kostete sie im vergangenen Jahr den Schweizer Kaderplatz für die EM 2025, ein Rückschlag, der sie lange beschäftigte. Genau diese Erfahrung will sie nicht noch einmal machen. Statt sich erneut zu hohe Erwartungen zu setzen und am Ende enttäuscht zu werden, geht Andrade die neue Saison bewusst gelassener an. Der Druck sei zwar da, doch sie wolle sich davon nicht mehr so stark treiben lassen.
WM-Qualifikation als internationales Ziel
Mit Blick auf die neue Saison beschreibt die Schweizerin ihre Ausgangslage so: „Ich glaube, ich gehe mit einem neuen und guten Gefühl in die Saison. Ich bin bereit, der Mannschaft mit meinen Qualitäten zu helfen.“ Auch positionsspezifisch hat sich für sie etwas verschoben, von der Außenbahn in die Sturmspitze. „Die gefällt mir gut. Da kann ich meine Qualitäten zeigen, es macht da einfach noch mehr Spaß.“, begrüßt Andrade die taktische Entscheidung von Britta Carlson. Nachvollziehbar ist die Entscheidung allemal: Genau in dieser Rolle hatte sie zum Saisonende hin reihenweise getroffen.
Auch ihre Erfahrungen aus der Nationalmannschaft versucht die Schweizerin ins Team einbringen. „Die Nationalmannschaft ist immer was Besonderes, du bist mit den besten Spielerinnen zusammen, und man kann von allen profitieren. Diese hohe Intensität kann ich hier mit einbringen.“ Wie eng ihre Nominierungen mit ihrer Form beim Verein zusammenhängen, hat sie im vergangenen Jahr selbst erlebt. Erst mit der Torserie zum Saisonende rückte sie auch international wieder stärker ins Blickfeld. Für die anstehende WM-Qualifikation braucht es entsprechend Kontinuität: „Wir haben noch eine WM, für die wir uns qualifizieren müssen, und da ist das Ziel, dabei zu sein. Aber das ist noch ein langer Weg, für den ich täglich an meine Grenzen gehen muss.“
Angekommen in Köln
Ihr persönliches Erfolgsgeheimnis sieht Andrade auch im Glauben. „Ich bete tagtäglich, und ich glaube, die Geduld hat mir sehr geholfen, am Ende die Leistung noch abzurufen.“ Rückblickend beschreibt sie, wie schwer ihr der Start in Köln zunächst fiel. „Anfangs ist es sehr schwer, wenn man weit weg von zu Hause ist und nicht so viel Spielzeit bekommt.“ Erst die starke Rückrunde und die vier Tore in den letzten vier Spielen hätten daran etwas geändert und mit ihnen auch ihr Gefühl, in Köln wirklich angekommen zu sein: „Ich glaube, jetzt bin ich wirklich in Köln angekommen. Es macht Spaß, ich mag den FC und bin echt happy.“





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