Der 1. FC Köln bekommt beim VfB Stuttgart deutlich seine Grenzen aufgezeigt. Die Verantwortlichen versuchen sich hinterher in Diplomatie. Nach innen braucht es aber deutliche Worte.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Der 1. FC Köln im Sommer 2026 darf beim Champions-League-Teilnehmer VfB Stuttgart mit 1:4 verlieren. Das ist keine Schande und kein Grund zur Panik. Es ist der 2. Spieltag, und womöglich hatte die Klatsche am Freitagabend sogar mehr Gutes als Schlechtes. Zumindest mit Blick auf die Zukunft.
René Wagner und Thomas Kessler präsentierten sich hinterher als Diplomaten. Man habe viel Gutes gesehen, aber auch vieles, das man nicht thematisieren müsse. So drückt man sich aus, wenn man die Spieler öffentlich schützen will. Nach innen müssen aber deutlichere Worte gefunden werden. Dafür war die Leistung defensiv zu schlecht.
Die Grundtugenden bleiben unverhandelbar
Kein anderes Wort lässt sich für das Abwehrverhalten nicht nur bei den Gegentoren finden. Einfach schlecht. Komplette Verweigerung jeglicher Zweikämpfe beim 0:1, Verweigerung von Laufwegen beim 0:2, Verweigerung eines taktischen Fouls beim 0:3, schlechte Kopfballabwehr beim 1:4. Dazu unzählige haarsträubende Fehler am Ball, verlorene Duelle, fehlende Orientierung.
Ja, der VfB Stuttgart hat offensiv enorme Klasse. Dennoch war der FC am Freitag nicht einmal in der Nähe von Bundesliga-tauglichem Abwehrverhalten. Das bedeutet nicht, dass der FC keine Bundesliga-taugliche Abwehr hat. Es beschreibt lediglich die Momentaufnahme am 2. Spieltag in der MHP Arena. Das war einfach zu wenig – und es wäre auch gegen Bremen, Paderborn oder Elversberg zu wenig.
Der FC kann es eigentlich – und zwar sehr gut
Also heißt es nun: daraus lernen und besser machen. Nicht mehr und nicht weniger. Und tatsächlich kann dieses Spiel für die Zukunft viel Gutes bringen. Weil Stuttgart gezeigt hat, dass der FC ohne die Kernkompetenzen im Fußball – Kampf, Konzentration, Kontrolle – weiterhin nicht bestehen kann. Die Transfers mögen vielversprechend sein, aber die Grundtugenden bleiben unverhandelbar.
Daher dürfen die Verantwortlichen auch sehr wohl auf die wirklich sehr guten 15 Minuten nach der Pause hinweisen. Das war der FC, den die Fans sehen wollen. Robust, intensiv, mit einer Portion Risiko und Lust, den Gegner zu ärgern. Eigenschaften, die die Grundtugenden nicht ausschließen. Sie bedingen einander. Der FC kann es also – und kann es sehr gut. Er muss es nur abrufen. In Stuttgart hat die Mannschaft ihr Potenzial 75 Minuten lang nicht ansatzweise abgerufen. Deshalb braucht es klare Worte, zumindest intern.








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