Thomas Kessler kämpft weiter gegen die Skepsis gegenüber Trainer-Neuling René Wagner beim 1. FC Köln an. Auch beim DuMont-Talk im Audi Zentrum in Ehrenfeld.
Bei Michael Endes wunderbarem Kinderroman über Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer gibt es die Figur des Scheinriesen, der größer wird, je weiter man sich von ihm entfernt. Bei René Wagner, dem Trainer des 1. FC Köln, ist das Phänomen umgekehrt: Je näher man an ihn ranrückt, desto größer ist die Überzeugung, dass er die richtige Wahl ist.
Das wurde auch beim Talk „E levve lang“ deutlich, den DuMont im Audi Zentrum in Köln-Ehrenfeld abhielt. Das Publikum wollte von FC-Geschäftsführer Thomas Kessler vor allem wissen, warum man sich trotz des „Rucksacks“ aus den letzten sechs Spielen der Vorsaison für den Trainer-Novizen als Chef entschieden hatte.
Kessler lobt Wagner – Jakobs warnt
Da wurde Kessler emotional. „Wir können hier in Köln bald Rucksäcke vermarkten. El Mala hat einen Rucksack, ich hab einen Rucksack, der Trainer hat einen. Ich sehe den nicht. Wir haben nicht mit ihm weitergemacht, sondern uns für einen Neuanfang mit ihm entschieden“, sagte Kessler und machte deutlich: „Er arbeitet unglaublich akribisch. Ich habe es noch nie geschafft, vor ihm am Geißbockheim zu sein. Teilweise sitzt er schon um fünf Uhr in seinem Büro.“
Der ehemalige Sportchef Jörg Jakobs machte allerdings deutlich, dass es schon eine Belastung aus dem Vorjahr mit der ernüchternden Abschluss-Niederlage gegen Heidenheim (2:3) gibt: „Ich sehe das mit dem Rucksack schon, man hat das ja auch in der ersten Halbzeit gegen Hoffenheim gespürt. Da dachte ich schon: Hoffentlich geht das gut und das ging es ja auch. Aber Thomas darf sich davon nicht leiten lassen und einen Rückzieher machen, weil er in der Endphase vielleicht einen Rückschlag hatte. Gerade hier Köln darf man sich nicht von Emotionen leiten lassen. Aber: Auch René Wagner wird sich an der Erfolgserwartung messen lassen müssen.“
Vielleicht hast du zwei, drei Spiele mehr Kredit, wenn du mal Real Madrid trainiert hast. Aber Punkte brauchen wir alle
Thomas Kessler über René Wagner
Doch Kessler bleibt davon überzeugt, auf das richtige Pferd zu setzen: „Ich muss in der Kaderplanung und in der Auswahl von Mitarbeitenden die Entscheidungen treffen, um den 1. FC Köln nachhaltig in der Bundesliga zu etablieren. Ich lasse mich nicht von Emotionen leiten oder Rucksäcken, die Leuten aufgesetzt werden. Ich sehe daran, wie akribisch er arbeitet, wie er mit der Mannschaft umgeht, dass es die richtige Entscheidung war. Für Spieler wie Said El Mala oder unsere jungen Neuzugänge war es auch wichtig, mit wem sie arbeiten. Aber: Am Ende braucht auch er Punkte. Vielleicht hast du zwei, drei Spiele mehr Kredit, wenn du mal Real Madrid trainiert hast. Aber Punkte brauchen wir alle.“
Weltmeister Pierre Littbarski konnte da nur beipflichten: „Einen Trainer müssen wir uns in Köln wohl erst schnitzen. Seit Hennes Weisweiler gibt es die Diskussionen.“ Lediglich Christoph Daum, Peter Stöger und Steffen Baumgart hielten sich über einen längeren Zeitraum. Ob René Wagner der Trainer-Riese ist, den Thomas Kessler in ihm sieht, kann er nun in den kommenden Monaten beweisen.







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