„Da schlafe ich deutlich schlechter“: FC schließt XXL-Transfer aus

Die FC-Vizes Jörg Alvermann (r.) und Ulf Sobek mit Sportchef Thomas Kessler. (Foto: IMAGO / Jan Huebner)
Die FC-Vizes Jörg Alvermann (r.) und Ulf Sobek mit Sportchef Thomas Kessler. (Foto: IMAGO / Jan Huebner)

Der 1. FC Köln kann es sich leisten, einen 50 Millionen Euro wertvollen Spieler zu behalten – würde bei einem Verkauf in dieser Größenordnung allerdings keine ähnliche Summe für einen neuen Star ausgeben. Vizepräsident Jörg Alvermann blickt zurück auf den Transfersommer und voraus.

Zehn Zugänge, 18 Abgänge und ein Nicht-Transfer, der vieles überstrahlte. „Das war die herausforderndste Transferperiode, die der 1. FC Köln in den letzten Jahren hatte – für alle Beteiligten“, bilanziert Vizepräsident Jörg Alvermann im GEISSTALK, dem neuen Interviewformat von GEISSBLOG und Schamong.

„Die größte Herausforderung war“, erklärt der 55-Jährige nach seinem ersten Transfersommer beim FC, „geschlossen, ruhig und gelassen zu bleiben in der hektischen Zeit.“ Zwei Themen bestimmten den Rahmen: „Es gab vorher eine WM. Und dann war das ständige Thema in Köln: Geht Said oder geht er nicht?“

Dank Mikey Moore: „Boost“ für den 1. FC Köln

Der Ausgang ist bekannt. Der FC schlug letztlich sämtliche Avancen aus, El Mala unterschrieb einen neuen Vertrag bis 2031 (der GEISSBLOG berichtete). „Wobei klar war: Im Kader müssen Umstrukturierungen vorgenommen werden. Es gab zentrale Positionen, die neu besetzt werden mussten“, macht Alvermann keinen Hehl daraus, dass es auch Argumente für einen Verkauf gegeben hätte.

Wir sind extrem stolz, dass das mit Moore geklappt hat.

Jörg Alvermann

Dass El Mala geblieben ist, wertet der Vizepräsident vor allem als Zeichen der eigenen Stärke: „Wir waren zum ersten Mal in der Lage, bei einem solch herausragenden Spieler zu sagen: Der soll unser Gesicht für die kommende Saison werden, da widerstehen wir den Verlockungen auf das schnelle Geld. Das wäre in den vergangenen Jahren so nicht möglich gewesen. Das war eine besondere Situation und ich war sehr froh, wie es gelaufen ist.“

Letztere Bemerkung ist durchaus als Lob für die gesamte Transferperiode, die Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler und Kaderplaner Tim Steidten mit ihrem Team hingelegt haben, zu werten. „Wir dürfen diese Periode nicht auf ‚Bleibt Said oder bleibt er nicht‘ reduzieren“, will Alvermann einen anderen Punkt in den Fokus rücken: „Es ist dem FC gelungen, eine Adresse im europäischen Fußball als Anlaufstelle für hochtalentierte Spieler aus der Premier League zu sein. Das ist etwas Neues.“

Moore „normalerweise außerhalb unserer Reichweite“

Was mit Jahmai Simpson-Pusey im Januar begann, setzte sich in diesem Sommer mit Reigan Heskey und natürlich Mikey Moore als krönendem Abschluss fort. „Wir sind extrem stolz, dass das mit Moore geklappt hat“, so Alvermann. Die Leihe von Tottenham Hotspur habe dem FC noch mal einen „Boost“ verschafft.

Bei allem Trubel um El Mala dürfe man den Durchbruch auf dem englischen Markt nicht vergessen. „Das ist mir zwischendurch ein bisschen zu kurz gekommen, ist durch Mikey Moore aber allen noch mal brutal ins Bewusstsein gekommen. Top-Clubs sagen: Ja, beim FC, da geht was.“ Und auch die Talente selbst wollen zum FC. „Das haben wir geschafft und das ist ein hoher Verdienst der sportlichen Leitung, die eine klare Strategie hat“, lobt Alvermann im GEISSTALK.

Gerade ein Spieler wie Moore befinde sich „normalerweise außerhalb unserer Reichweite“. Ein fester Transfer eines Spielers solchen Kalibers sei für den FC aktuell noch undenkbar. „In dieser Position sind wir einfach noch nicht und da werden wir auch in den nächsten zwei, drei Jahren nicht sein“, sagt Alvermann voraus.


Daran würde auch ein Verkauf von El Mala nichts ändern. „Natürlich ist klar: Wenn mal ein richtig großer Transfererlös erzielt würde, dann hast du kurzfristig neue finanzielle Möglichkeiten. Aber selbst dann würden wir nicht in ein Regal in dieser Größenordnung greifen.“ XXL-Transfers, wie der Kauf eines Stars in der Kategorie Moore, sind vorerst ausgeschlossen.

„Das ist noch nicht der FC und das finde ich gut so“, meint Alvermann und gesteht: „Ich treffe lieber Entscheidungen mit, wenn wir so einen geilen Kicker, der mit 50 Millionen plus gehandelt wird, beim FC behalten, als umgekehrt einen Spieler für 50 Millionen Euro zu kaufen. Da schlafe ich deutlich schlechter.“ In diesem Bereich sehe er den FC derzeit nicht, und: „Da sind wir uns in Vorstand und Geschäftsführung ebenfalls einig.“ Die Geißböcke wollen potenzielle Einnahmen nicht mit einer einzigen Patrone verschießen.

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