Der 1. FC Köln bringt sich einmal mehr durch einen Standard um den Lohn seiner Arbeit. Spieler und Verantwortliche sind nach dem 1:2 beim Hamburger SV genervt von der eigenen Anfälligkeit.
Es war das erwartete Bild im Volksparkstadion: Nach drei Spielen ohne Punkt und mit jeder Menge Gegentoren wartete ein völlig verunsicherter Hamburger Sport-Verein auf den 1. FC Köln. Heim-Trainer Merlin Polzin setzte deshalb auf Stabilität, zog sich tief zurück in die eigenen Defensive und hoffte vorne mehr oder minder auf den lieben Gott – und natürlich auf Standardsituationen.
Denn es hat sich mittlerweile herumgesprochen, wie anfällig die Kölner beim ruhenden Ball sind. Seit über einem Jahr tüftelt der FC in unterschiedlichen Konstellationen an der Anfälligkeit im eigenen Strafraum und an der Harmlosigkeit bei offensiven Eckbällen und Freistößen. Gebessert hat sich, eine zwischenzeitliche Beruhigung im Frühjahr ausgenommen, aber auch nach dem neuerlichen Umbruch im Sommer unter René Wagner immer noch nichts.
Skhiri sauer: Wir müssen sehr schnell lernen“
Wieder geriet der FC nach einem ruhenden Ball in Rückstand. Ellyes Skhiri analysierte hinterher die Fehlerkette: „Die Hamburger haben bei der Ecke eine Variante gespielt, alle Spieler waren nah beim Tor. Das ist nicht einfach zu verteidigen. Wir haben versucht, kompakt zu sein, aber wir haben einen Fehler gemacht. Das war nicht gut“, gestand der Routinier. „Wir müssen sehr schnell lernen, denn wir kassieren immer wieder Standardsituationen. Das müssen wir korrigieren. Das wird sehr wichtig für die nächsten Spiele, denn ohne diese Ecke waren wir sehr gut im Spiel.“
Tatsächlich bespielte der FC den tiefen Hamburger Block deutlich besser als zuletzt den Bremer Block. Allerdings nutzten die Geißböcke ihre Chancen als Dosenöffner nicht. Man muss kein Prophet sein, dass in direkten Duellen mit anderen Konkurrenten auf Augenhöhe die Muster sich ähneln könnten: Der Gegner wird sich zurückziehen, um den schnellen Kölner Offensivspielern wie Said El Mala, Mikey Moore, Linton Maina und Thijs Dallinga den Raum für Attacken zu nehmen, um dann die Fehleranfälligkeit der Wagner-Elf zu bestrafen.
Kessler genervt: „Keine neue Erkenntnis“
Wie einfach es gehen kann, demonstrierte der HSV in der 44. Minute. „Die Hamburger haben den Fünfer überladen. Wir haben den ersten Pfosten zugemacht. Dann ging der Ball etwas länger“, sagte Kapitän Marvin Schwäbe. Torschütze Nicolas Capaldo stand am Fünfmeterraum frei, genauso wie ein weiterer Hamburger. Die Geißböcke hatten sich kollektiv zu weit in Richtung ersten Pfosten orientiert und hinter sich alles vergessen. „Das müssen wir analysieren und besser machen.“
Ein Satz, den man beim FC allerdings auch schon länger hört. Sportchef Thomas Kessler wollte deshalb auch wenig schön reden: „Das ist keine neue Erkenntnis. Wir bringen uns um unseren Lohn. Uns dürfen solche Themen nicht immer und immer wieder passieren.“ Und so ist nun Coach Wagner gefragt.
Das tut mir brutal weh, weil ich sehe, wie die Jungs mit Akribie jede Woche daran arbeiten
René Wagner
Dieser überraschte mit der einfachen Analyse: „Warum das Gegentor fällt, wissen wir. Wir haben es heute nicht geschafft, beim Standard so zu stehen, wie wir es besprochen haben“, sagte Wagner und schob nach: „Unter Stress macht man Fehler, man trifft falsche Entscheidungen. Das tut mir brutal weh, weil ich sehe, wie die Jungs mit Akribie jede Woche daran arbeiten. Es ist unser klarer Auftrag, besser zu werden und die Jungs in die Verantwortung zu nehmen, dass uns das nicht mehr passiert.“ Dafür hat das Team nun zwei Wochen in der Länderspielpause Zeit.






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