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Die fünf Lehren aus der letzten Saison: "Think big"

Gerhardt und Stöger

Das Training hat begonnen, der neue Spielplan ist raus, das erste Trainingslager in Bad Tatzmannsdorf steht bevor. Beim 1. FC Köln läuft die Vorbereitung auf die Saison 2015/16 mittlerweile auf Hochtouren. Drei Neuzugänge sind bereits da, drei weitere sollen kommen. Der Kader soll verschlankt, das Niveau auch in der Breite zugespitzt werden. Dazu will der Klub seine finanzielle Konsolidierung vorantreiben. Alles mit dem Ziel, den Effzeh in der Bundesliga zu etablieren. Nicht nur als emotionaler Fußballverein.

Nach zwei Jahrzehnten der Pleiten, Pech, Pannen und Abstiegen ist man am Geißbockheim aufgewacht und hat erkannt, was es braucht, um in der Bundesliga Erfolg zu haben. Der Abstieg 2012 sowie die zwei Jahre des Umbruchs in der Zweiten Liga waren das notwendige Stahlbad, durch das die Geissböcke gehen mussten, um die richtigen Lehren aus dem Totalabsturz zu ziehen. Nach einem Jahr Bundesliga mit dem Klassenerhalt lassen sich nun weitere Lehren ziehen. Lehren, die zeigen, wie sich der FC verändert hat.

1. Der FC ist wieder eine Marke
Ein Großteil des Erfolges der letzten zwei Jahre wird Sportchef Jörg Schmadtke zugeschrieben. Dabei wird allzu leicht vergessen, dass der große Umbruch auf allen Ebenen bereits mit dem Abstieg 2012 begonnen hatte. Mit dem Präsidium um Werner Spinner und der anschließenden Verpflichtung von Jörg Jakobs für die sportliche sowie von Alexander Wehrle für die finanzielle Seite kehrten Seriosität und Professionalität auf allen Ebenen im Klub ein. Eine Notwendigkeit, die sich spätestens in der zurückliegenden Saison bezahlt machte. Der Effzeh ist wieder eine Marke, die für Klarheit, Ruhe und Verlässlichkeit steht. „Seit zwei Jahren steht der Klub so gut da, wie man es sich nur wünschen kann“, sagte ein langjähriger Sponsor dem GEISSBLOG.KOELN. „Der Effzeh hat seine Strahlkraft zurück.“

Der Effzeh hat seine Strahlkraft zurück

2. Talente, seht her!
Diese Strahlkraft spürt man auch im sportlichen Bereich. Horn, Hector, Gerhardt, Wimmer – erstmals seit Jahren interessieren sich wieder selbst internationale Top-Klubs für die Kölner Talente. Wimmer war wohl nur der erste, der den Effzeh als Sprungbrett genutzt hat und mit dem der Klub viel Geld verdienen konnte. Weitere werden folgen, vielleicht nicht mehr diesen Sommer, sicher aber in den nächsten Jahren, sollte ihre Entwicklung so weitergehen. Der FC als Sprungbrett – ein Denken, das Trainer Peter Stöger nicht kritisiert, sondern indirekt von seinen Spielern erwartet. Sein Credo: Wenn ein Spieler besser werden will, um für bessere Klubs interessant zu werden, macht das zunächst einmal den FC besser. Und je besser das Sprungbrett, desto besser die Spieler, die es nutzen wollen. Weshalb ein Talent wie Dominique Heintz den 1. FC Köln als nächsten Karriereschritt wählte und nicht RB Leipzig.

3. Abgeschrieben heißt nur: zweite Chance
Die letzte Saison hat überdies gezeigt, dass Spieler unter Stöger eine zweite Chance erhalten, wenn es zu Beginn misslingt. Stöger selbst führte als Paradebeispiel Yuya Osako an, der in der Hinrunde 14/15 auf keinen grünen Zweig kam, um anschließend zum Schlüsselspieler zu mutieren. Auch Yannick Gerhardt gilt als positives Beispiel, gerade für Nachwuchsspieler: nach dem Millionen-Angebot aus Portugal im Sommer 2014 hatte er es zunächst sportlich schwer, erkrankte dann an Drüsenfieber, kam am Ende der Saison aber stark zurück und geht nun mit neuem Selbstvertrauen in seine zweite Bundesliga-Saison. Und auch die Entwicklung von Matthias Lehmann vom Prügelknaben zum Fixpunkt zeigt: Bei allem Talent, das der FC versucht im Kader aufzubauen, hält Stöger seine Hand schützend über jene, die dank ihrer Erfahrung und Führungsqualität auf und neben dem Platz von großer Bedeutung sind.

Wir brauchen Zeit für Ruhigkeit

4. Freunde der Ruhigkeit
Des Einen Mantra ist das Wort „Mahlzeit“, des Anderen die „Ruhe“. Peter Stöger und Jörg Schmadtke müssten sich mit dem ehemaligen Union-Berlin-Coach Georgi Wassilew eigentlich hervorragend verstehen. Der hatte einst den Ausspruch geprägt: „Wir brauchen Zeit für Ruhigkeit.“ Die hat der FC gefunden. Eine handfeste Krise gab es am Geißbockheim seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr. Und wenn es sportlich bedrohlich zu werden drohte, schaltete Stögers Truppe in den nächsten Gang und befreite sich aus dem Sumpf. Abwärtsspiralen fing der Klub bislang fast mühelos auf. Nervös wurde niemand – zumindest nicht äußerlich. Und weil selbst die Fans den Weg der „Einen Schritt nach dem nächsten“-Politik mitmachen, wird auch in der kommenden Saison kaum jemand etwas dagegen haben, wenn das Saisonziel offiziell nur heißen wird: Klassenerhalt. Und zwar in Ruhe.

5. Think big
Was nicht bedeutet, dass sich der Effzeh unter Wert verkaufen will. Kleiner machen als man ist, das gilt nicht mehr. Auch der Verweis auf die noch immer vorhandene Schuldenlast kann das nicht verhindern. Unterstatement war gestern, Realismus ist heute: Das Interesse an Carlos Eduardo im Winter war der erste Hinweis darauf, dass beim FC perspektivisch größer gedacht werden soll. Die Verpflichtung von Anthony Modeste und das Interesse an Milos Jojic sind weitere, eindeutige Zeichen. Sie wollen beim 1. FC Köln etwas entwickeln. Etwas großes. Deswegen auch die langfristigen Vertragsverlängerungen mit Schmadtke (2020) und Wehrle (2021). Deutlicher geht es nicht: Der Effzeh ist längst kein rein emotionaler Fußballverein mehr. Er ist ein Multimillionen-Projekt, dessen wahres Potenzial es zu wecken gilt. Und dieses Projekt hat gerade erst begonnen.

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