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Hollywood mit Hosiner? Neuzugang will keinen Bonus

Der Wechsel von Philipp Hosiner zum 1. FC Köln gleicht einem kleinen Wunder. Ein zwei Kilo schwerer Nierentumor hatte noch im Januar den Wechsel des Österreichers an den Rhein verhindert. Dass der 26-Jährige nur fünf Monate später beim Trainingsauftakt der Geissböcke dabei war, nannte Trainer Peter Stöger „Hollywood-reif“. 

Die Geschichte aus dem Januar ist bekannt. Hosiner und der Effzeh waren sich über eine Leihe von Stade Rennes einig. Einzig der Medizincheck stand noch aus. Das Ergebnis ist bekannt: Stöger sprach später vom „emotionalsten Moment der Saison“, als der Nierentumor bei seinem österreichischen Landsmann festgestellt wurde.

Ich hätte ihn damals gerne mitgenommen

Nur fünf Monate später standen sie am Mittwoch wieder gemeinsam auf dem Trainingsplatz. Der Trainer und sein Stürmer, einst gemeinsam mit Austria Wien österreichischer Meister. Auch dank der 27 Tore in 30 Spielen, mit denen sich Hosiner ins Blickfeld vieler Vereine brachte. Auch ins Blickfeld des Effzeh, der am Ende jener Meister-Saison 12/13  Stöger ans Geißbockheim lotste, auf den Stürmer aber verzichten musste. „Ich hätte ihn schon damals gerne mitgenommen, als ich vor zwei Jahren hergekommen bin“, verriet Stöger am Mittwoch. „Aber damals war klar, dass ich keine Spieler von der Austria mitbringe.“

Also unternahm der FC im vergangenen Winter einen neuen Anlauf bei Hosiner. Der spielte mittlerweile in Frankreich bei Stade Rennes – oder besser: saß auf der Bank. „Also haben wir es versucht“, erklärte Stöger. Mit dem bekannten Resultat. „Es war ein Glück, dass unsere Ärzte den Tumor entdeckt haben“, sagte der Chefcoach. „Ich bin sehr froh, dass er wieder gesund ist. Es ist wieder alles in Ordnung, vielleicht besser als vorher.“

Wir haben ihn geholt, damit er Tore macht

Besser als vorher – darauf hoffen die FC-Bosse insbesondere in Sachen Torgefährlichkeit. „Die Geschichte ist vielleicht Hollywood-reif“, sagte Stöger treffend. „Aber wir haben ihn nicht geholt, um eine Hollywood-Story zu schreiben, sondern damit er seine Tore macht.“

Dafür muss Hosiner zunächst einmal vollkommen fit werden. Nicht nur gesundheitlich, sondern auch spielfit. Beim Laktattest am Mittwochnachmittag hatte er am Ende kleinere Probleme. Aber nichts, was man nicht in einer harten Vorbereitung in den kommenden Wochen aufarbeiten könnte. Davon ist auch der Stürmer selbst überzeugt. „Ich bin schon länger wieder bei 100 Prozent, hatte aber eine lange Sommerpause.“ Er wolle aufgrund seiner Geschichte und auch seiner besonderen Beziehung zu Trainer Stöger „keinen Bonus“, wie er sagt. „Ich muss mich beweisen, damit ich am ersten Spieltag ein Thema für die Startelf bin.“

Niemand muss auf mich Rücksicht nehmen

Seine außergewöhnliche Geschichte wird ihm dabei aber durchaus helfen können. „Ich bin reifer geworden“, erklärte Hosiner. Persönliche Schicksalsschläge verändern Menschen, verändern Prioritäten. Und machen mitunter noch ehrgeiziger, noch willensstärker. Nicht ohne Grund ging es für Hosiner schon wenige Wochen nach der Operation im Februar „rasant bergauf“, wie er erzählte. Nur neun Wochen nach dem Eingriff stand er wieder auf dem Trainingsplatz. Auch, weil er keine Strahlentherapie benötigt hatte, der Tumor vollständig hatte entfernt werden können. Ein großes Glück für den 26-Jährigen.

Zurückgeblieben ist eine Narbe von knapp 25 Zentimetern als Erinnerung. Besonderen Schutz braucht er aber nicht. Seine Nierenwerte sind normal, seine eine verbliebene Niere funktioniert einwandfrei. Nur bei Schmerzmitteln muss er aufpassen, darf nicht alles nehmen. Auch Antibiotika müssen besonders kontrolliert werden. Aber da wollen die Ärzte des Effzeh gut aufpassen. Damit, wenn überhaupt, nur noch kleine Blessuren vom harten Alltag auf dem Rasen behandelt werden müssen. Denn Hosiner stellte klar: „Niemand muss auf mich Rücksicht nehmen.“

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