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Löw liegt voll daneben – und hat trotzdem recht


Joachim Löw hat mit seiner Kritik an Jonas Hector und Matthias Ginter für relatives Kopfschütteln gesorgt. Der Bundestrainer trifft zwar generell einen durchaus wunden Punkt. Doch es ist nicht das erste Mal, dass er sich auf einzelne Spieler einschießt – und damit andere Probleme unter den Teppich kehrt. Denn die DFB-Elf hat viel größere Sorgen als zwei Außenverteidiger, denen es noch an Erfahrung fehlt. Ein Kommentar.

Zunächst einmal: Löw hat neben der spezifischen Kritik an Hector und Ginter auch ein grundsätzliches Problem angesprochen – und das vollkommen zurecht. In der Bundesliga krankt es schon seit Jahren an Außenverteidigern internationalen Formates. Ein Problem, das Deutschland und die Nationalelf allerdings nicht alleine haben. Weltklasse-Außenverteidiger wie Philipp Lahm zu seinen besten Zeiten sind eine seltene Spezies.

Nach Schmelzer nun Hector und Ginter

Allerdings ist es umso bedenklicher, dass Löw nun schon zum wiederholten Male eben jene Außenverteidiger öffentlich rund und damit indirekt für etwas mitverantwortlich macht, was auf höherer Ebene fast überall in Europa über Jahre hinweg verschlafen wurde. Man erinnere sich an die vernichtende Aussage des Bundestrainers vor drei Jahren über Marcel Schmelzer: „Er hat kein gutes Spiel gemacht. Viele Alternativen gibt es jetzt aber auch nicht, also müssen wir mit Marcel Schmelzer die nächsten zwei, drei, vier, fünf Monate weiterarbeiten.“

Nun also Hector und Ginter – verbunden mit einer Schelte für die Klubs. Dabei kamen in den letzten Jahren vier (!) Außenverteidiger (Schmelzer, Durm, Großkreutz, Ginter) just aus Dortmund. Und Köln hat mit Hector einen lernwilligen, ehrgeizigen und loyalen Spieler hervorgebracht, der es in kürzester Zeit geschafft hat, für die Nationalelf interessant zu sein und dessen Weg noch lange nicht zu Ende ist. Ihn zu fördern statt an die Wand zu stellen, wäre der richtige Weg gewesen. Zumal der Bundestrainer den Spieler wie den Verein noch vor einem Monat in den höchsten Tönen gelobt hatte, nachdem Hector im DFB-Dress überzeugt hatte.

Taktisch wie rhetorische eine Frage der Balance

Nur einen Monat später klingt es fast so, als sei Hector nicht mehr gut genug für den DFB und der Effzeh daran mitschuldig. Viel eher ist es wohl so, dass Löw von anderen Problemen ablenken will – und Spieler mit geringerem Standing benutzt, um seine Stars zu schützen. Die Nationalelf krankt nicht an zwei Außenverteidigern, denen man noch den Feinschliff verpassen muss, sondern an einer eklatanten Formschwäche derjenigen, die Schlüsselspieler sein sollen – in der Offensive genauso wie in der Defensive.

Zudem haben Löws Nominierungen auch zuletzt wieder für Unverständnis gesorgt (siehe Podolski und Schürrle). Und dann wäre da noch die Tatsache, dass es wahrlich nicht nur an den zwei Außenverteidigern lag, dass der amtierende Weltmeister gegen den 110. der FIFA-Weltrangliste ins Schwimmen geriet. Es ist wohl alles eine Frage der Balance – taktisch wie rhetorisch.

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