Trainer-Zoff zwischen Julian Nagelsmann und Peter Stöger. (Foto: Pressefoto Baumann)

Kaugummi-Attacke und die Beerdigung des Fairplay

Es sei an dieser Stelle bemerkt, dass sich auch die Kölner nicht ganz an den Fairplay-Gedanken hielten. Sportchef Schmadtke warf nach dieser Szene wutentbrannt sein Kaugummi in Richtung Hoffenheimer Bank – eine Aktion, die sicher auch keiner weiteren Fairplay-Erläuterung bedarf. Immerhin: Schmadtke entschuldigte sich hinterher bei Manager Alexander Rosen für seinen Fehltritt bzw. -wurf.

Jörg Schmadtke (li.) wirft sein Kaugummi. (Foto: sky)
Jörg Schmadtke (li.) wirft sein Kaugummi. (Foto: sky)

Schmadtke erklärte kurz nach Spielende: “Wir beerdigen als Liga dieses Wochenende den Fair-Play-Gedanken.” Er meinte damit freilich nicht seinen Kaugummi-Wurf, sondern das Nicht-den-Ball-ins-Aus-Spielen in Leverkusen und nun in Hoffenheim. “Klar kann man sagen, dass der Existenzkampf groß ist, aber ich würde mir wünschen, dass es anders abgeht.”

Stöger wurde da noch deutlicher und sprach von einem “gespielten Fairplay”, einem unehrlichen, weil nur dann gelebten Fairplay, wenn es der eigenen Mannschaft nicht schade. “Das Entscheidende ist, wie man Fairplay bewertet. Ist es beim Stand von 4:0 Fairplay, wenn es eng wird, dann aber okay, dass Fairplay weniger wert ist?” Für den Österreicher ist die Lehre für die Kölner längst klar: “Wir werden das in Zukunft auch sein lassen. Sollen doch die Schiedsrichter entscheiden!”

Stöger kanzelt Nagelsmann ab

Stögers Vorschlag: Kein Spieler soll mehr dazu angehalten werden, Bälle rauszuspielen, weil ein Spieler scheinbar verletzt auf dem Boden liegt. “Dann gibt es diese Diskussion nicht mehr”, so der 49-Jährige. Künftig solle der Schiedsrichter die Situation bewerten, dann sehen die Spieler nicht mehr in irgendeiner moralischen Verantwortung, fair handeln zu müssen, egal, ob es 4:0 oder 0:1 stehe.


Alles zum 1:1 in Hoffenheim


Überrascht war Stöger hinterher auch vom Verhalten Nagelsmanns. Der hatte während der Szene noch das Weiterspielen seiner Mannschaft gefordert und unterstützt, wollte davon hinterher auf der Pressekonferenz aber nichts mehr wissen. “Ich kann die Kölner verstehen”, sagte der 28-Jährige dort. Stöger nahm mit es zur Kenntnis, kommentierte später nur süffisant: “Ich bin in Deutschland schon öfter überrascht worden…”

Unfaires Spiel als “gehobener Bundesliga-Standard”

Seinen Spielern wird er nun jedenfalls mitgeben, auf fadenscheiniges Fairplay zu verzichten. “Wir müssen uns eben auch in diesem Bereich dem gehobenen Bundesliga-Standard anpassen”, sagte Stöger und meinte damit nichts anders, als dass Fairplay nur noch dann gilt, wenn es der eigenen Mannschaft nicht schadet. “Offensichtlich geht es um Profi-Sport. Und je mehr es um das Erreichen von Zielen geht, desto weniger geht es um Fairplay.”

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