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Zwanzig Jahre nach Rostock: Gaißmayer blickt zurück

Am 18. Mai 1996 rettete sich der 1. FC Köln am letzten Spieltag der Saison 1995/96 dank eines 1:0-Sieges beim FC Hansa Rostock. Den Klassenerhalt verdankten die Geissböcke vor allem Holger Gaißmayer, der in der 73. Minute zum Sieg traf. Wir haben mit dem Stürmer gesprochen.

GBK: Herr Gaißmayer, wenn Sie an den 18. Mai 1996 zurückdenken, woran erinnern Sie sich?
Holger Gaißmayer: Natürlich an das Spiel in Rostock. Es war der letzte Spieltag, ein sehr wichtiges Spiel für den Effzeh. Mit einem Sieg gegen Hansa wären wir gerettet gewesen, bei einer Niederlage oder einem Unentschieden wäre es auf die anderen Ergebnisse angekommen. Besonders durch die Partie Leverkusen gegen Kaiserslautern war die Sache sehr ungewiss. Uns war klar, dass wir das Spiel gewinnen mussten, um nicht abzusteigen. Der Druck war immens hoch. Der 1. FC Köln ist schließlich ein Gründungsmitglied der Bundesliga und war bis zu diesem Zeitpunkt noch nie abgestiegen.

Blicken Sie doch für uns zurück: Wie ist das Spiel verlaufen, auch für Sie persönlich? Können Sie die Szene Ihres Siegtores zum 1:0 noch mal in Gedanken durchgehen?
Ich bin nach sieben Minuten ins Spiel gekommen, weil Stefan Kohn sich verletzt hatte. Es war ein sehr ausgeglichenes Spiel mit Torchancen auf beiden Seiten…

Das war eine unglaublich große Erlösung

…bis zur 72. Minute…
Genau! Pablo Thiam bekam den Ball relativ frei auf der rechten Seite und konnte bis zu Grundlinie durchmarschieren. Ich war auf dem Weg in die Mitte und dann kam im richtigen Moment der perfekte Querpass von Pablo. Mein Gegenspieler hatte sich an den kurzen Pfosten orientiert und dadurch stand ich hinten relativ frei und musste den Ball nur noch aus vier Metern einschieben. Das war eine unglaublich große Erlösung. Ich bin zur Fankurve gerannt, wo wieder mehrere tausend FC-Anhänger mit dabei waren und uns unterstützt haben. Das 1:0 war zwar etwas glücklich, aber umso schöner, dass es für den Klassenerhalt gereicht hat.

Leider hat es zwei Jahre später dann nicht mehr gereicht, der Effzeh musste erstmals in die Zweite Liga. Wie haben Sie in ihrer Zeit in Köln diesen sportlichen Abstieg, der sich ja über mehrere Jahre angedeutet hatte, miterlebt?
Das Hauptproblem war, dass die Erwartungshaltung in Köln immer sehr groß war. Wir hatten uns personell gut verstärkt mit Spielern wie Munteanu, Oliseh oder Dollberg. Viele haben damals vom Effzeh erwartet, dass wir international spielen. Aber das haben wir dann einfach nicht geschafft. Im Pokal sind wir in der ersten Runde in Beckum ausgeschieden, in der Liga haben wir unser erstes Spiel gegen Schalke verloren. Dann wurde Morten Olsen entlassen. Das hat sich in den nächsten Jahren dann wie ein roter Faden durch den Verein gezogen. Die Konstanz fehlte. Vor allem, weil man sehr schnell ungeduldig wurde und dadurch diese vielen Trainerwechsel zustande kamen.

Die Medien haben den einen oder anderen Trainer fast selbst entlassen

Wie war denn damals das Klima im Team und im Verein?
Im Team gab es überhaupt keine Probleme. Wir hatten eine sehr gute Kameradschaft innerhalb der Mannschaft. Daran hat es mit Sicherheit nicht gelegen. Ich glaube, dass damals sehr viel durch die Presse verursacht wurde. Die Medien haben den einen oder anderen Trainer fast selbst entlassen, ohne, dass der Verein da großartig mitgewirkt hätte.

Weiterlesen: Gaißmayer über den FC heute und über seine eigene Zukunft

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