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Held Hector: "Es waren nicht mehr viele Schützen übrig…"

Spätestens seit dem späten Samstagabend, dem 2. Juli 2016, kennt die ganze Fußball-Welt einen gewissen Jonas Hector. Der 26-Jährige, seines Zeichens Spieler des 1. FC Köln, schoss an diesem denkwürdigen Abend in Bordeaux die deutsche Nationalmannschaft ins Halbfinale der EM 2016. Sein entscheidendes Tor im Elfmeterschießen gegen Italien beendete ein dramatisches Viertelfinale und katapultierte den sonst so zurückhaltenden Jungen ins Zentrum deutscher Jubelarien.

Bordeaux – Er nahm ihn in den Arm, drückte ihn, herzte ihn, strahlte und lachte mit ihm um die Wette. Später, auf Twitter, postete Lukas Podolski ein Bild mit Jonas Hector im Arm: „Made in Köln!“ Wie passend, dass Hector den Elfmeter zum 7:6-Sieg über Italien in jenem Tor verwandelt hatte, hinter dem ein Effzeh-Fan das Plakat „Und am 8. Tag schuf Gott den 1. FC Köln“ aufgehängt hatte. Ein Abend im Zeichen des Geißbocks – Hector machte ihn zum bisherigen Höhepunkt seiner Karriere.

Hector hatte doch eigentlich schon Feierabend

Was sich Jonas Hector wohl zuvor gedacht hatte, als Bastian Schweinsteiger den Sieg auf dem Fuß hatte, den fünften deutschen Elfmeter nur noch versenken musste, um ins Halbfinale einzuziehen, den Ball dann aber über das Tor jagte? „Ja, bist du deppert?“ Möglicherweise. Und als es dann immer weiterging. Und als der Kölner irgendwann realisierte: Oh, oh, nicht, dass ich auch noch schießen muss… Der Linksverteidiger, der eigentlich ein unaufgeregtes Spiel machen wollte, wie immer halt. Und dann das! Erst legte Hector das 1:0 für Mesut Özil auf, dann riss Jerome Boateng die Arme im eigenen Strafraum in die Höhe und Leonardo Bonucci traf vom Punkt zum Ausgleich.

Die 90 Minuten gingen Unentschieden aus, die Verlängerung auch. Feierabend, dachte Hector vielleicht. Die acht Schützen vor ihm würden es schon richten. Kroos traf noch, dann ging es bergab. Müller – pariert von Buffon. Özil – an den Pfosten. Draxler noch mal cool, dann Schweinsteiger in die Wolken. Hummels, Kimmich und Boateng – keiner von ihnen konnte es im Zusammenspiel mit Manuel Neuer richten. Da musste Darmian ran: Neuer hielt. Es folgte: Jonas Hectors längster Marsch über den Rasen. Vor der Fankurve der Italiener legte er sich den Ball auf den Punkt. Ihm gegenüber der vierfache Welttorhüter, die lebende Legende Gianluigi Buffon, der bei nahezu jedem deutschen Strafstoß die richtige Ecke geahnt hatte. So auch bei Hector. Schuss – Tor! Deutschland im Halbfinale. Und Hector der Held.

Einen ausgeben? Ich würde mich nicht lumpen lassen

„Ich kann noch gar nicht fassen, was da passiert ist“, sagte Hector hinterher grinsend ins ARD-Mikrofon. „Es waren ja nicht mehr viele Schützen übrig. Da habe ich das Herz in die Hand genommen und wollte ihn nur noch reinmachen.“ Das glückte ihm. Der Rest war Jubel pur. Immer wieder sah man Hector nach Spielende, wie er die Hände vor sein Gesicht schlug. Die Spieler klatschten ihn alle ab, nahmen ihn in den Arm, feierten ihn. Hector, der Glücksbringer! Hector, der Halbfinal-Macher! Hector, der Trauma-Bezwinger! Italien ist auch dank ihm kein Angstgegner mehr. Ob er nun einen wird ausgeben müssen?  „Ich hoffe nicht, aber ich würde mich nicht lumpen lassen“, sagte er erschöpft.

Der Sieg im Viertelfinale, der verwandelte Elfmeter: Für Jonas Hector bedeutete der Abend in Bordeaux sein vorläufiges Karriere-Highlight. Doch der EM-Traum geht weiter, für den 26-Jährigen genauso wie für den DFB. Am kommenden Donnerstag reist die Nationalelf nach Marseille. Dann trifft Deutschland auf den Sieger der Partie Frankreich gegen Island.

Hector-Watch: Einzelkritik und alle Bilder

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