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Besiegen Hector und Co. das "Prinzip des hundertsten Affen"?

Es gibt gute Gründe, warum die deutsche Nationalmannschaft heute gegen Italien bei der EM 2016 ausscheiden wird. Der entscheidende lautet, weil es schon immer so war. Dabei macht gerade Jonas Hector Mut, dass es doch ganz anders kommen könnte. Denn wenn einer in der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw mit all der Geschichte um die DFB-Elf nichts zu tun hat, dann der Linksverteidiger des 1. FC Köln.

Evian – Das „Prinzip des hundertsten Affen“ (hier anschaulich erklärt durch den Nationalmannschafts-Reporter Thomas Tamberg) besagt, dass, ist erst einmal eine kritische Masse erreicht, die ein bestimmtes Verhalten erlernt und institutionalisiert hat, das kollektive Bewusstsein von diesem Verhalten dominiert und geprägt wird. Kurzum: Weil Italien schon immer gegen Deutschland gewonnen hat, wird es auch am Samstag wieder so sein.

Eine Welt, die Jonas Hector fremd ist

Wohl dem, der einen Jonas Hector in der Mannschaft hat! Wie oft wurde in den letzten Wochen davon gesprochen, dass der 26-Jährige der unwahrscheinlichste aller Nationalspieler sei? Seine außergewöhnliche Vita, die kein Nachwuchsleistungszentrum aufweisen kann, keine Spiele in U-Nationalmannschaften, keine Talentförderung und kein Verhätscheln als Teenager auf dem Weg zum millionenschweren Superstar.

Hector, der ganz normale Junge, der nichts an sich rangelassen hat von der glamourösen Fußballwelt, der schon mehrfach betont hat, dass ihm manche Gebaren in dieser überaus suspekt sind. Hector, der unbeeindruckte Spieler, an dem die ganze Aufgeregtheit rund um die DFB-Elf (die sich selbstinszenierend DIE MANNSCHAFT nennt – niemand würde Hector je diesen Terminus als Marketinginstrument verwenden hören) vorbei geht. Hector, der sich nicht darum schert, was früher einmal war oder ob irgendwelche Statistiken gegen oder für ihn sprechen.

Trauma? Welches Trauma?

Wenn es den Prototypen gibt, mit dem die DFB-Elf das „Prinzip des hundertsten Affen“ widerlegen kann, dann wohl Jonas Hector. Im Jahr 1970, als Deutschland im sogenannten Jahrhundertspiel in Mexiko mit 3:4 aus dem WM-Turnier flog, war er noch nicht geboren. Auch nicht zwölf Jahre später, als Italien die WM 1982 dank eines 3:1 im Finale gegen Deutschland gewann. Das 0:2 im Halbfinale der Heim-WM 2006 hat Hector miterlebt, auch das 1:2 vor vier Jahren im EM-Halbfinale. Und doch könnte ihn wohl nichts weniger interessieren. Im Sommer 2012 spielte Hector noch in der Regionalliga-Mannschaft des 1. FC Köln. Sein Ziel: zu studieren und nebenher noch ein bisschen zu kicken.

Heute ist es umgekehrt. Hector studiert nebenher, will aber eigentlich den Titel bei der EURO 2016 gewinnen. Ob der Gegner auf dem Weg dahin Italien, Frankreich, Island, Wales oder Portugal heißt, ist ihm egal. Stattdessen wäre dem Linksverteidiger zuzutrauen, dass er heute in Bordeaux das Siegtor erzielt und später, auf das Ende eines deutschen Traumas gegen Italien angesprochen, antwortet: „Welches Trauma?“


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