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Die Schmadtke-Zäsur: Viele Fehler und ihre Folgen


7. Stadion, Geißbockheim und Investoren

In drei anderen, mitunter hoch emotionalen Bereichen machten Geschäftsführer Alexander Wehrle und Präsident Werner Spinner nicht immer den glücklichsten Eindruck. Wehrle gestand vor der Mitgliederversammlung ein, dass es der FC lange versäumt hatte, in Sachen Stadionausbau oder -neubau klar Stellung zum Standort Müngersdorf zu beziehen und die finanziellen und logistischen Überlegungen für einen potentiellen Neubau im Detail auszuführen. So kippte die Stimmung bei den Fans und es entstand eine Kluft zwischen den Wünschen der Anhänger und dem scheinbaren Bestreben der Verantwortlichen. Derweil musste der Geißbockheim-Ausbau wieder auf Eis gelegt werden, das Verhältnis zu Teilen der Kölner Politik gilt bis heute als schwierig. Beide großen Infrastrukturprojekte hängen in der Warteschleife. Zudem warf insbesondere die Stadiondiskussion zuletzt die Frage auf, ob der Effzeh allen Beteuerungen zum Trotz doch bereits über einen Investor nachdenke. Wehrle und Spinner konnten die Mitglieder nicht vollends vom Gegenteil überzeugen.

8. Umgang mit der Mitgliederinitiative

Letzteres lag auch an der Initiative „100% FC – Dein Verein“, die besonders Werner Spinner sichtbare Kratzer verpasste. Der Präsident verprellte einen Teil der Mitglieder mit seinem forschen Auftreten gegenüber den Initiatoren. Immerhin ein Drittel der Stimmberechtigten auf der Mitgliederversammlung stimmte für den Antrag, dem Vorstand das Recht zu entziehen, über 25 Prozent der FC-Anteile selbständig zu bestimmen. Der Antrag wurde zwar abgelehnt, doch Spinner hatte diesen im Vorfeld als Misstrauensvotum gegen das amtierende Präsidium interpretiert und dürfte daher das Votum von zumindest einem Drittel der Mitglieder entsprechend bewertet haben.

9. Verkündung der Schmadtke-Trennung

Zuletzt verfehlte auch die Art und Weise, wie der FC den Abgang von Jörg Schmadtke kommunizierte, ihr Ziel. Zunächst sollte eine Pressemitteilung den Eindruck erzeugen, die Trennung sei „in beiderseitigem Einvernehmen“ erfolgt. Doch in der gleichen Meldung sickerte bereits durch, dass der Schritt einzig von Schmadtke ausgegangen war. Passend dazu äußerte sich Präsident Spinner tags drauf lediglich in einem vorgefertigten Statement vor den Journalisten. Nachfragen waren nicht erlaubt. Während Personalentscheidungen, die eine solche Zäsur darstellen, bei anderen Klubs in eigens einberufenen Pressekonferenzen ausführlich erläutert werden und auf dem Podium der Vorstandsvorsitzende und der Geschäftsführer sitzen, wurde Spinner offenbar selbst zu diesem kurzen Statement erst überredet. Stattdessen musste Peter Stöger einmal mehr herhalten, der schon in den vergangenen Wochen auf fast komödiantische Weise bei allen Fragen rund um den FC zu einer Art Vereinssprecher geworden war. Eine souveräne Vereinsführung hätte dem Trainer, der aktuell wahrlich Besseres zu tun hat, diese Aufgabe abgenommen. Doch es passt zum Zustand des 1. FC Köln im Oktober 2017, dass die Verunsicherung inzwischen alle Ebenen erreicht hat.

4 Kommentare
  1. Ali Perez says:

    Nur wer nichts macht, macht nichts falsch.
    Man sollte jetzt nicht jeden Nebenkriegsschauplatz aufbauschen, um den Verein in ein noch schlechteres Licht zu stellen als es ohnehin erscheint. Sportlicher Misserfolg führt zwar immer dazu, dass alles hinterfragt wird. Aber mich nervt diese fatalistische Haltung der Medien, aus allem ein Spektakel machen zu wollen. Zum Beispiel versucht man Unfähigkeit zu konstruieren, weil der Vorstand noch keine Liste mit möglichen Nachfolgern für Schmadtke hatte. Obwohl man sich einen Tag vorher noch völlig überrascht zeigte, dass Schmadtke hingeschmissen hat. Ich würde es sehr merkwürdig finden, wenn es eine solche Liste schon gäbe. Wo man erst im Mai Schmadtkes Vertrag bis 2023 verlängert hatte. Ich finde die Lösung, um das Schmadtke-Vakuum aufzufangen, seht gut. Es bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft erfolgreicher spielt als zuletzt. Dann bleibt das Medienspektakel nämlich aus.

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