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Effzeh-Frauen: Der Verein tut sich keinen Gefallen


Null Punkte, ein Torverhältnis von minus zwölf. Das ist die Bilanz der Frauenmannschaft des 1. FC Köln nach vier Spielen in der Bundesliga seit dem Wiederaufstieg. Auch für die in die Zweite Liga aufgestiegene zweite Mannschaft läuft es nicht besser. Den Verantwortlichen scheint jedoch wenig am sportlichen Erfolg der Frauenteams zu liegen. Ein klares Bekenntnis zur Abteilung fehlt. Ein Kommentar. 

Köln. In dieser Bundesliga-Saison sollte alles besser werden bei der ersten Damenmannschaft des Effzeh. Der sang- und klanglose Abstieg in der Saison 2015/16 nach nur einem Jahr in der Allianz Frauen-Bundesliga sollte eine Warnung und ein Vorbild sein, wie es nicht geht. Mit einer runderneuerten Mannschaft, gespickt mit vielen jungen, aber unerfahrenen Talenten, wollte man in der letzten Saison einen Neustart schaffen. Dass dieser am Ende mit dem zweiten Platz und dem damit verbundenen direkten Wiederaufstieg mehr als glückte, überraschte viele am Geißbockheim. Denn man hätte wenig dagegen gehabt, weiterhin in der Zweiten Liga zu bleiben.

Effzeh lernt nicht aus Fehlern – oder will es nicht

In der Abstiegssaison vor zwei Jahren waren die Kölnerinnen chancenlos. Umso verwunderlicher ist es, dass die Verantwortlichen für den nächsten Bundesliga-Anlauf nicht dafür gesorgt haben, eine konkurrenzfähige Mannschaft auf den Platz zu bringen. Mit Torhüterin Anne-Katherine Kremer, Peggy Nietgen (beide 1. FFC Frankfurt), Romina Frommont (Borussia Mönchengladbach), Silvana Chojnowski (SC Sand) und Amber Hearn (USV Jena) hat der Effzeh zwar allesamt Bundesligaspielerinnen verpflichtet. Doch die Qualität der Mannschaft scheint auch in diesem Jahr nicht auszureichen, um in Deutschlands höchster Damen-Spielklasse zu bestehen.

Nach vier Spieltagen steht die Mannschaft von Trainer Willi Breuer mit null Punkten und einem Torverhältnis von 2:16 auf dem letzten Tabellenplatz. Zugutehalten muss man der Mannschaft, dass sie mit großen Verletzungssorgen im Defensivverbund zu kämpfen hat. Somit kam gegen Bayern München sogar die erste 15-Jährige Vanessa Fürst zu ihrem Startelfdebüt. Doch diese Tatsache zeigt auch, dass die Mannschaft in der Breite qualitativ nicht gut genug aufgestellt ist.

Trainerposten lässt Fragen offen

An der Seitenlinie der Geissböcke steht in diesem Jahr erneut Trainer Willi Breuer. Nachdem der Fußballlehrer im Abstiegsjahr wegen fehlender Erfolge abgelöst worden war, übernahm Breuer die Mannschaft im vergangenen Jahr wieder von Marcus Kühn. Nun darf der Trainer erneut versuchen, den Effzeh in der Bundesliga zu halten. Bislang ist dieses Vorhaben mit dem Mann, den man vor zwei Jahren noch von seinen Aufgaben als Cheftrainer entbunden hatte, nicht geglückt. Auch, weil sich der Klub in den letzten Jahren stets für eine interne Lösung auf der Trainerposition entschied, anstatt einen neuen Übungsleiter von außen zu installieren, der dann aber mehr Geld gekostet hätte.

Überhaupt beschlossen die Verantwortlichen, den Spieleretat der ersten Mannschaft für die Bundesliga im Vergleich zum ersten Versuch vor zwei Jahren nicht merklich zu erhöhen. Die Frage muss gestattet sein, ob der Effzeh nicht besser gefahren wäre, auf sein Aufstiegsrecht in die Bundesliga zu verzichten. Wenn man stattdessen in der Zweiten Liga geblieben wäre und dort abseits des Rampenlichts der Bundesliga für einige spannende und ansehnliche Spiele auf Augenhöhe gesorgt hätte. Den Spielerinnen jedenfalls hat man keinen Gefallen getan, sie in einer Mannschaft aufs Feld zu schicken, mit der sie in den meisten Spielen klar unterlegen sind.

Verein muss sich entscheiden: ganz oder gar nicht?

Und auch für den Verein kann es nicht das Ziel sein, sowohl mit der ersten als auch mit der zweiten Damenmannschaft punktlos am Tabellenende zu liegen. Sich mit 0:7 gegen den SC Freiburg und mit 1:9 beim 1. FC Saarbrücken auseinander nehmen zulassen, ist für den Ruf des Klubs im Frauenfußball schädlich. Und wenn es selbst Mannschaften wie dem SC Sand oder der SGS Essen gelingt, eine bundesligataugliche Elf auf den Rasen zu schicken, sollte es einem wirtschaftlich starken Verein wie dem 1. FC Köln ebenso möglich sein, in der Frauenbundesliga konkurrenzfähig zu sein. Doch dazu ist man am Geißbockheim anscheinend nicht bereit. Ob dann allerdings eine Frauen-Profi-Abteilung überhaupt noch Sinn macht? Der FC Bayern und der VfL Wolfsburg investieren in den Frauenfußball und spielen um die Deutsche Meisterschaft mit. Andere Klubs wie der HSV waren dazu nicht bereit und haben sich zurückgezogen. Denn als professionell geführter Verein müsste auch dem Effzeh längst klar sein, wie es geht: ganz oder gar nicht.

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