Konstantin Rausch und Matthias Lehmann erwischen gegen Frankfurt nicht ihren besten Tag. (Foto: Jan Hübner)

Vertragsverlängerungen: Die Umstände verwundern

Rauschs Aufstieg zum Nationalspieler

Konstantin Rausch kam im Sommer 2016 ablösefrei aus Darmstadt nach Köln. Eingeplant war der heute 27-Jährige als Backup für Nationalspieler Jonas Hector auf der Position des Linksverteidigers. Seitdem kam er zwar auf immerhin 29 Startelf-Einsätze in der Bundesliga. Zum Leistungsträger konnte er sich in dieser Zeit aber nicht entwickeln. Zuletzt büßte der Deutsch-Russe bei den Fans merklich Kredit ein. Ein möglicher Grund für die Verlängerung könnte Rauschs Aufstieg zum russischen Nationalspieler sein. Sollte der 27-Jährige bei der WM 2018 einen guten Eindruck hinterlassen, könnte sein Wert deutlich steigen. Doch nur das Vorbeugen für eine solche Eventualität dürfte nicht als Grund für eine Verlängerung ausgereicht haben.

Doch welche sonstigen Gründe hatten die Geissböcke? Einen Mangel an Linksverteidigern jedenfalls nicht. Hector wird nach seiner Verletzung im Januar zurückkehren und stand bislang trotz aller internationalen Angebote treu zum FC. Mit Jannes Horn kam im Sommer ein deutscher U21-Nationalspieler auf dieser Position. Beide zusammen bilden bis mindestens 2021 ein vertraglich gesichertes Linksverteidiger-Duo. Dazu verpflichtete der FC mit Tim Handwerker und Calvin Brackelmann die ehemaligen U19- und U18-Linksverteidiger des DFB. In der U21 der Geissböcke spielt zudem mit Birk Risa ein talentierter norwegischer U-Nationalspieler auf dieser Position. Großes Potential also, das sich bis 2019 – dem ursprünglichen Vertragsende Rauschs – noch entwickeln wird.

Personalie Maroh gibt zu denken

Mit Rauschs vorzeitiger Verlängerung sendet der FC nun aber indirekt auch ein Signal an seine eigenen Talente, dass bei den Profis so schnell kein Kaderplatz auf dieser Position mehr frei werden dürfte. Hector und Rausch besitzen nun Verträge bis 2021, Horn bis 2022. Die Sicherung von Kapital in Form langer Verträge machte bei den Leistungsträgern in den letzten Jahren Sinn. Bei anderen Spielern wiederum, das zeigte sich zuletzt in diesem Transfersommer, wirkte sie hingegen hinderlich. Der FC hätte sich im Sommer von Spielern trennen wollen, dies gelang aber nicht. Auch, weil die Vertragssituation für einige Profis in Köln sehr komfortabel ist.

Wenig komfortabel ist dagegen die Vertragssituation für einen anderen Kölner. Der Kontrakt von Dominic Maroh läuft im kommenden Sommer 2018 aus. Gespräche mit dem Routinier wurden dem Vernehmen nach bislang nicht geführt, Maroh muss trotz seiner großen Verdienste für den FC um einen neuen Vertrag bangen. Der 30-Jährige arbeitete sich zuletzt einmal mehr zurück in die Startformation und wurde von Stöger am Freitag als “sehr wichtiger Faktor für unser Spiel” gelobt. Mit einer Vertragsverlängerung belohnt wurden Marohs Leistung und Stellenwert dagegen noch nicht. Und das, obwohl in seinem Fall die Dringlichkeit deutlich eher gegeben wäre.

FC-Nähe zur Spielerberatung SportsTotal

Und dann wäre da noch die unübersehbare Nähe des 1. FC Köln zur Spielerberatung SportsTotal. Das Unternehmen von Volker Struth und Dirk Hebel berät inzwischen jeden dritten (!) Spieler im Kader des Effzeh: Timo Horn, Lukas Klünter, Dominique Heintz, Marcel Risse, Salih Özcan, Milos Jojic, Tim Handwerker sowie Matthias Lehmann und Konstantin Rausch. Auch Marcel Hartel, auf den die Geissböcke ein Rückholrecht ab 2019 besitzen, steht bei der Kölner Beratungsagentur unter Vertrag. In der Vergangenheit waren alle Parteien darauf bedacht, diese Nähe als zufällig zu beschreiben. Schließlich gilt SportsTotal als führende Agentur in Deutschland mit einer ganzen Reihe herausragender Fußballer, die für viele Vereine interessant sind. Dennoch bleibt es ungewöhnlich, dass ein Drittel aller Spieler einer Bundesliga-Mannschaft von derselben Agentur betreut wird.

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