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Zweite Garde: „Dürfen keinen in der Gruppe verlieren“

Bis Mittwoch hatte der 1. FC Köln ein Problem. Der zweite Anzug, die Spieler von der Ersatzbank, machten zu wenig Druck auf die etablierten, aber strauchelnden Kräfte. Der Sieg gegen Hertha BSC war aber vor allem diesen Spielern der zweiten Garde zuzurechnen.

Berlin/Köln – Wer im Mai darauf gesetzt hätte, der 1. FC Köln würde in der zweiten Runde des DFB-Pokals im Oktober auf der linken Seite mit dem 20-jährigen Jannes Horn (damals noch beim VfL Wolfsburg) und dem A-Jugend-Spieler von Bayer Leverkusen, Tim Handwerder, in der Startelf auflaufen, hätte in den Wettbüros wohl viel Geld verdient.

Horn und Handwerker zeigen auf

Horn, im Sommer für rund sieben Millionen Euro aus Wolfsburg gekommen, bekam gegen die Hertha erstmals seit seinem schlimmen Auftritt in Dortmund (0:5) wieder eine Chance. Doch dieses Mal nutzte er sie. Zwar nicht gänzlich überzeugend, kämpfte sich der Linksfuß aber im Olympiastadion in die Partie und nutzte vor allem seine Schnelligkeit, um defensiv wie offensiv für Akzente zu setzen. Dem U21-Nationalspieler war mit fortlaufender Spielzeit anzumerken, dass er sicherer wurde, das Passspiel an der Seitenlinie war sicher, die Fehler in der Rückwärtsbewegung minimal, der Drang nach vorne zwar aus Sicherheit etwas unterdrückt. Doch Horn zeigte erstmals im Trikot des 1. FC Köln, dass er eine Alternative zum erkrankten Konstantin Rausch sein kann.

Vor Horn demonstrierte dagegen Handwerker nicht nur aus seiner Position heraus offensiver, dass er mehr als nur eine Verlegenheitsverpflichtung des Effzeh gewesen sein könnte. Schon in der Bundesliga machte der 19-Jährige zuletzt ordentlich Dampf nach seinen Einwechslungen. Nun durfte er von Beginn an ran und Peter Stöger zog zurecht bei Handwerkers Auswechslung den Hut vor dem Linksfuß. Pfeilschnell bereitete er der Hertha immer wieder Probleme, riss Lücken, lief bis zur Grundlinie durch, flankte, rackerte. Defensiv machte er zwar jene Fehler, die ihn aktuell nicht für die Rolle des Linksverteidigers in Frage kommen lassen. Doch offensiv bot er genau das, was Köln an diesem Abend brauchte: Schnelligkeit, eine unbekümmerte Frechheit und den Mut, unbefangen den Kampf anzunehmen.

Guirassy macht „außergewöhnlich gutes Spiel“

Doch es war längst nicht nur die linke Kölner Seite, die in Berlin überzeugte. Allen voran machten Sehrou Guirassy und Simon Zoller im Sturmzentrum eine gute Partie. Der Franzose legte gedankenschnell das 1:0 durch Zoller per Kopf auf, machte nicht nur in Stögers Augen „ein außergewöhnlich gutes Spiel“, zwar ohne Tor, aber mit sehr viel Arbeit, mit der nötigen Robustheit, um Bälle zu sichern und mit feiner Technik, die ihm Ballkontrolle ermöglichte. Mitunter hätte er das Spiel an einigen Stellen schneller machen können, ihm fehlte noch der Blick für den besser postierten Mann. Doch Guirassy bestätigte seine Leistung gegen Bremen, und wenn er kurz vor Schluss nicht bei einem Freistoß im Abseits gestanden hätte, hätte er per Kopf getroffen.

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