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Kommentar: Zeitspiel ist unfair – auch in der Trainerfrage


Peter Stöger bleibt Trainer des 1. FC Köln – zumindest noch für eine Woche. Die Verantwortlichen der Geissböcke spielen auf Zeit, weil sie sich nicht einig sind, sich nicht die Finger verbrennen wollen und seit Wochen keine Alternative auftreiben können. Das ist teils nachvollziehbar, teils ärgerlich und teils verantwortungslos – in jedem Fall ist es unfair gegenüber dem Rekordtrainer des FC, der eine bessere Behandlung verdient hätte.

Köln – Das Stadion kocht. Die Heimmannschaft liegt mit einem Tor hinten, rennt verzweifelt dem Rückstand hinterher. Die Gäste machen es klug, sagen deren Fans, indem sie „Zeit von der Uhr nehmen“. Dafür gibt es im Fußball hin und wieder die Gelbe Karte. Andere Sportarten sehen sogar härtere persönliche Strafen vor. Denn am Ende ist Zeitspiel immer unfair.

Wann ist Stöger doch nicht mehr der Richtige?

Auch beim 1. FC Köln spielen sie auf Zeit. Nicht erst seit dieser Woche, doch nun ist es für jedermann offensichtlich: Peter Stöger darf noch eine Woche Trainer bleiben und die Mannschaft auf das Spiel am Samstag beim FC Schalke 04 vorbereiten. Sind die Verantwortlichen also wirklich noch überzeugt, dass der Österreicher der richtige Mann ist? Aber was, wenn es gegen die Königsblauen eine weitere Niederlage hageln sollte – was ist in der aktuellen Verfassung beider Mannschaften durchaus realistisch ist? Ist Stöger dann plötzlich nicht mehr der Richtige?

Klar ist inzwischen: Das Spiel auf Schalke wird nur dann über Stögers Schicksal beim FC entscheiden, wenn die Geissböcke es gewinnen sollten. Eine Niederlage dagegen wäre nicht entscheidend. Dann wäre entscheidend, was in den nächsten Tagen im Hintergrund passiert. Ob Sportdirektor Jörg Jakobs, der dem Vernehmen nach intensiv nach einer Alternative fahndet, einen neuen Trainer oder zumindest eine Interimslösung präsentieren kann. Die Wette, auf die sich die FC-Bosse in dieser Woche eingelassen haben, lautet: Entweder Stöger kriegt mit dem Team die Kurve, schafft die Sensation auf Schalke und darf dank des ersten Sieges in der Liga weitermachen, oder eine Alternative stünde wohl bereit, um zu übernehmen.

Peter Stöger hätte klare Worte verdient

Dieses Schauspiel dürfte auch für Stöger allzu leicht durchschaubar sein. Mit Vertrauen in die Arbeit des Österreichers hat es nur noch herzlich wenig zu tun. Schon im Sommer dachten die Verantwortlichen erstmals an eine Trennung, auch im Verlauf der bisherigen Saison kam die Frage schon mehrfach auf. Vor dem Spiel gegen Bremen, nach Hoffenheim, nun erneut. In Wahrheit fürchten die Bosse – wie schon zuvor Jörg Schmadtke – die in weiten Teilen ungebrochene Popularität des FC-Trainers. Schmadtke sah sich deshalb nicht mehr handlungsfähig, nun scheint es dem Vorstand und Geschäftsführer Alexander Wehrle ähnlich zu gehen.

Sie versuchen es als Zeichen der Stärke zu verkaufen, nicht überstürzt zu handeln und den Trainer vor die Tür zu setzen. Überstürzt nach elf Niederlagen aus 13 Spielen wäre allerdings rein gar nichts. Vermutlich wurde der richtige Zeitpunkt, um kurzfristig etwas zu verändern, schon längst verpasst. In jedem Fall aber begehen die Bosse durch das Zeitspiel ein Foul an Peter Stöger. Der Österreicher ist der erfolgreichste FC-Coach der letzten 25 Jahre, nie war ein Trainer länger im Amt und wohl auch noch nie war ein Übungsleiter beliebter bei der Mannschaft, in der Geschäftsstelle und in der Stadt. Peter Stöger hätte klare Worte verdient – ein Bekenntnis über Schalke hinaus oder einen klaren Schnitt. Für die aktuelle Hinhaltetaktik der Entscheidungsträger gibt es dagegen die Gelbe Karte.

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