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Fahnenklau sorgt für Platzsturm in der Halbzeitpause

Zwei Ultras des 1. FC Köln haben in der Halbzeitpause der Partie gegen Borussia Mönchengladbach für einen Platzsturm einiger Anhänger auf beiden Seiten gesorgt. Als Ordner verkleidet, gelangten sie zum Gästeblock und brachten eine Fahne der Borussia-Fans in ihren Besitz. Anschließend musste die Polizei aufziehen.

Köln – Vor dem Derby zwischen den Geissböcken und den Fohlen war es verhältnismäßig ruhig geblieben rund um das RheinEnergieStadion. Am Vormittag hatte es einen Polizeieinsatz in der Innenstadt gegeben. Gladbach-Fans hatten sich in einer FC-Kneipe breit gemacht. Auch im Umfeld des Stadions wurden einige Fans in Gewahrsam genommen. Doch die Bilanz viel vor dem Anpfiff moderat aus.

Das änderte sich in der Halbzeitpause. Plötzlich rannten zwei vermeintliche Ordner im Vollsprint vom Gladbacher Fanblock in Richtung Kölner Südkurve. Diverse FC-Ultras sprangen daraufhin über den Zaun und die Werbebande auf den Rasen und bejubelten die beiden Ankömmlinge. Sie trugen sichtbar ein weiß-grünen Stoffbündel bei sich – eine Gladbacher Fahne. Während die FC-Fans daraufhin versuchten, an den Ordnern vorbei zurück in die Südkurve zu gelangen, realisierten die Fohlen-Anhänger, was passiert war.

Polizei zieht vor Gästeblock auf

Rund zwei Dutzend Borussia-Fans sprangen ihrerseits über den Zaun und wollten den FC-Fans nachsetzen. Doch zuerst hielten Ordner sie zurück, Sekunden später zog die Polizei vor dem Gästeblock auf, die Anhänger der Gäste flüchteten zurück in die Nordkurve. Allerdings zogen die Gladbacher Ultras Konsequenzen aus der gestohlenen Fahne: Sie entfernten alle sichtbaren Banner und Fahnen von den Zäunen und stellten im Kern ihre Unterstützung für die Mannschaft ein.

In der Südkurve feierten die FC-Ultras hingegen den Diebstahl der Fahne und am Ende sogar noch den Derbysieg dank des 2:1 von Simon Terodde in der 90.+5 Minute. Der Effzeh gab nach dem Spiel zunächst kein Statement zu den Vorkommnissen ab. Auch ersten Berichten zufolge aus dem Umfeld des Stadions blieb es nach der Partie ruhig. Dennoch dürften die Platzstürme beider Fan-Gruppierungen ein Nachspiel durch den Deutschen Fußball-Bund haben.

9 Kommentare
  1. NICK says:

    Ich fands unterhaltsam…und schnell waren die Jungs mit der Fahne!!! Obs jetzt nach Ultra-Maßstäben ein „ehrenhafter“ Raub war, sei mal dahin gestellt. Jedenfalls kann sich die gerade wieder ins Leben gerufene Gruppe nun auflösen, dazu die auch vor dem Raub klare stimmungstechnische Niederlage auf den Rängen, dann die Niederlage auf dem Platz – schönen Start in die Woche liebe Gladies… ;)

    • Robert H. says:

      Das Kind im Manne, lieber Nick. Räuber und Gendarm nannte man das früher und einschlägige Filme wie „Krieg der Knöpfe“ gab es zuhauf.
      Ich bin bei OlliW weiter unten: es ist auf dieser Ebene kein Problem. Wie auch 2 oder 3 Bengalos kein Problem sind.

      Aber wenn das Ganze umschlägt (die Erfahrung zeigt, wie schnell das immer wieder passieren kann!) wird es zum Problem. Das man dann nicht mehr kontrollieren kann. Man ist ruckzuck auch beim blutigen Ernst. Ich sage nur Heysel-Stadion.

      Kann verstehen, dass die Vereine dies IMMER schon im Keim ersticken wollen und auch müssen.

      • NICK says:

        Wir wünschen uns doch immer alle friedliche Ultra-Aktionen – niemand wurde gefähred noch verletzt. Die Jungs sind klasse gelaufen, die ganze Kurve hat gelacht und Spaß gehabt. Die Kackbacher haben die vierte Fahne verloren und was das für diese erst vor Kurzem wieder zusammengefundene Alt-Hool-Bande bedeutet ist doch klar.

        Könnte mir auch vorstellen, dass es die Antwort auf die Gladbacher-Versammlung am Stadtgarten am Vormittag war.

        Wie Locutus schreibt – wer sich en bisschen mit Ultra-Gepflogenheiten auseinander setzt, der weiß – das war ein Megaschlag ins Gesicht der Gladdies und das mit friedlichen Mitteln – was will man mehr…

  2. LOCUTUS says:

    Wer sich ein wenig mit der Ultra-Philosophie auskennt, versteht was diese Aktion in dieser Subkultur bedeutet. Der Fahnendieb ist schon jetzt eine Legende. Muss man nicht mögen, sollte man aber als Teil der Derby-Rivalität akzeptieren.

  3. OlliW says:

    Das stimmt. Ich finde es auch völlig harmlos, im Bereich Böse-Buben-Streich anzusiedeln. Wir haben auch früher andere Zeltlager überfallen, Fahnen und Symbole geklaut, dem Nachbardorf den Maibaum wersucht zu entwenden….da sgab immer Ärge, zählte aber zur „Rivalitätskultur“.
    Das Brisante ist die Überschreitung der Ordnung, über den Platz laufen, sich als Ordner verkleiden, Das sehe ich als „Ordnungswiridkeit“. Es ist mitnichten vergleichbar mit Steinewerfen, Feuerwerk auf Menschen werfen, Schlägereien anzetteln oder den Block des Gegners stürmen etc. Es ist harmlos, weil niemand körperlich verletzt werden sollte und wurde. Und die Gefahr bestand auch nicht.

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