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Kommentar: Fehlender Dialog – nicht nur mit den Fans!

Es gibt Gesprächsbedarf beim 1. FC Köln. Nicht nur zwischen Teilen der Ultra-Szene und dem Effzeh, sondern auch und vor allem in den Effzeh-Gremien. Der emotionale Ausbruch von Stefan Müller-Römer auf den Offenen Brief der weiteren Gremien hat dies deutlich gezeigt.

Köln – Für einen Dialog zwischen dem 1. FC Köln und den Teilen der Ultra-Szene, die der Klub in dem Schreiben unter der Woche mit drastischen Worten verurteilt hat, ist wohl auf absehbare Zeit Hopfen und Malz verloren. Zu viel ist passiert. Auf der Seite der Ultras haben spätestens die skandalösen und nicht zu entschuldigen Vorfälle von Belgrad gezeigt, wie weit sich eine bestimmte Gruppe aus der Szene von der Realität, von jeglicher Verantwortung und vom Willen für ein besseres Verhältnis zum Klub verabschiedet hat. Auf der anderen Seite hat der Klub zu einem unglücklichen Zeitpunkt mit einer deutlichen Ansage diese Gruppe attackiert – aufgrund der schwerwiegenden Vorwürfe in vielen Teilen unzweifelhaft zurecht -, schoss in manchen Punkten aber über das Ziel hinaus und vermischte Ultra-, Fan- und Mitglieder-Themen, die man besser getrennt voneinander betrachtet hätte.

Gefährlicher Bruch zwischen den Gremien

Was aus FC-Sicht intern aber noch viel gravierender sein dürfte als der schwelende Konflikt mit Teilen der Südkurve, ist das nun offen zerstörte Verhältnis zwischen dem Vorstand und dem Mitgliederrat. Stefan Müller-Römer hat die Veröffentlichung des Offenen Briefes als „Alleingang“ abgekanzelt, dabei aber nicht beachtet, dass Vorstand, Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Beirat dem Schreiben alle zugestimmt hatten. Dass das Statement am Ende vom Vorstand initiiert worden war, spielt da keine Rolle. Auch der Mitgliederrat hätte sich dazu äußern können, wollte aber bis zur nächsten Sitzung am kommenden Montag warten.

Das war das gute Recht der beiden MR-Vorsitzenden, und wäre den FC-Bossen etwas am Verhältnis zum Mitgliederrat gelegen, hätten sie diese Sitzung abgewartet. So aber haben die Verantwortlichen einen Bruch in Kauf genommen und damit offen dokumentiert, was sie tatsächlich vom Mitgliederrat (oder zumindest von ihren Vorsitzenden) halten: nichts. Intern wird inzwischen sogar argumentiert, die Ultra-Problematik sei eigentlich eine Problematik der Kapitalgesellschaft des FC und nicht des Vereins – und läge somit nicht im Zuständigkeitsbereich des Vereins-Mitgliederrates. Begründet wird dies damit, dass die Vorfälle im Rahmen von Profi-Spielen auftreten würden und damit in den Bereich der ausgegliederten Lizenzspielerabteilung läge. Diese Gedanken sind nicht nur grundfalsch, sie widersprechen unter anderem Teilen des eigenen Offenen Briefes, in dem das Auftreten der Ultras bei der Mitgliederversammlung kritisiert wurde. Diese Gedanken sind auch gefährlich.

Rückkehr zum Dialog – nicht nur mit den Fans

In den vergangenen zwei Jahren lastete die persönliche Fehde zwischen Werner Spinner einerseits und Stefan Müller-Römer sowie Carsten Wettich andererseits schwer auf dem Verhältnis der Gremien und auf der Stimmung im Gemeinsamen Ausschuss. Selbst Sportchef Armin Veh soll intern bereits seinen Unglauben darüber zum Ausdruck gebracht haben – nach nur einer einzigen Teilnahme an einer solchen Sitzung.

Das sollte allen Beteiligten zu denken geben. Müller-Römer hat den Konflikt nun erstmals offen nach außen getragen und dabei auch Mitglieder seines eigenen Gremiums angegriffen. Auf der anderen Seite nutzte der Vorstand zuletzt jede Gelegenheit, den Mitgliederrat intern bloß zu stellen und zu schwächen. Dabei sollte allen klar sein: Die Satzung wurde von den Mitgliedern – dem Souverän des Vereins – verabschiedet. Daran haben sich also alle zu halten und die Gremien mit ihren Aufgaben zu respektieren. Alle Parteien sollten deshalb die politischen Spielchen beiseite legen und in einen ehrlichen, offenen und fairen Dialog treten. Genau so, wie es der FC eigentlich auch mit der Ultra-Szene anstrebt.

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