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Matthäus: Löw sollte auf Hector im DFB-Team verzichten

Lothar Matthäus hat sich für einen Verzicht auf Jonas Hector in der Nationalmannschaft ausgesprochen. Der Rekordnationalspieler riet Bundestrainer Joachim Löw, den 28-Jährigen künftig nicht mehr zu nominieren. Zumindest nicht, solange Hector mit dem 1. FC Köln in Liga zwei spiele. FC-Coach Trainer Markus Anfang hält davon wenig.

Köln/München – Jonas Hector reiste am Montag nicht zur deutschen Nationalmannschaft. Nach seinem kurzen Sommerurlaub, dem frühen Einstieg ins Training beim FC und fünf Pflichtspielen im August gestattete Bundestrainer Löw dem Linksverteidiger eine Pause. „Er muss regenerieren“, sagte FC-Coach Markus Anfang sichtlich erleichtert am Dienstag. „Er hat viel gespielt und wenig Urlaub gehabt. Wir werden ihn in den nächsten Wochen brauchen.“

Ich schätze Jonas Hector ungemein, aber…

Das trifft laut sky-Experte Matthäus nicht auf die Nationalmannschaft zu. „Jonas Hector hat gerade mit dem Bundestrainer vereinbart, dass er auf diese Länderspiele verzichtet“, schrieb 57-Jährige in einer Kolumne. „Dies hätte Jogi schon von sich aus tun können. Ich schätze Jonas Hector ungemein und er ist auch ein guter Spieler. Aber trotzdem muss es unser Anspruch sein, einen linken Verteidiger für die Nationalmannschaft in der ersten Liga zu finden.“

Für ihn habe Joshua Kimmich vom FC Bayern München auf der Rechtsverteidiger-Position Weltklasse-Format. Hector hingegen spiele künftig wieder Zweite Liga, da fehle die Chance zur Weiterentwicklung. In Matthäus‘ Augen seien Philipp Max vom FC Augsburg und Nico Schulz von der TSG 1899 Hoffenheim die geeigneteren Kandidaten. „Mit ihnen hätte man auf dieser Position zwei Neue einladen können“, sagte Matthäus. Während Löw ohnehin den Hoffenheimer Schulz ins Team berufen hatte, verzichtete der Bundestrainer nach Hectors Absage auf eine Nachnominierung Max‘.

Jonas verliert ja seine individuelle Qualität nicht

Markus Anfang nahm Matthäus‘ Äußerung am Mittwoch gelassen zur Kenntnis, verteidigte seinen Spieler aber mit klaren Worten. „Nur weil der Verein abgestiegen ist und Jonas sich zum FC bekannt hat, den Weg in Liga zwei mitzugehen, hat der Spieler ja nicht weniger Qualität. Die Qualität des Jonas Hector steht außer Frage, sonst hätte er nicht in den letzten Jahren immer im Kader der Nationalmannschaft gestanden und bei der WM gespielt. Sonst hätte man ja auch letzte Saison schon sagen können: Moment, der FC spielt gegen den Abstieg – wenn jemand gegen den Abstieg spielt, hat er die Qualität nicht. Aber Jonas verliert ja seine individuelle Qualität nicht, weil er in die Zweite Liga geht.“

10 Kommentare
  1. Karl Heinz Lenz says:

    Kimmich Weltklasse? Von der Einsatzbereitschaft her ja! In der Defensive hat er Schwächen. Da finde ich Jonas stärker. In der Offensive ist er besser, reißt aber bei seinen Ausflügen nach vorne oft hinten rechts Lücken. Kimmich profitiert von der Tatsache, dass er bei den Bayern spielt. Würde er bei einem anderen deutschen Verein spielen, würde ihn niemand in die Weltklasse einordnen. Bis dahin braucht er noch ein bisschen.

    Jogi ist auf seine Weise eine treue Seele und hat offenbar auch einen Faible für den FC, wie es in manchen seiner Interviews rauszuhören war. Deshalb auch sein langes festhalten an Lukas Podolski. Ich bin ziemlich sicher, dass er aus diesen oder ähnlichen Gründen an Jonas Hector festhalten wird – wenn er sein Amt denn noch länger ausüben sollte.

    • Peter Josef says:

      Jonas Hector ist offensiv auch besser als Kimnich. Betrachten wir die EM 2016 so sind nicht nur _alle_ Gegentore über die Kimnichseite gefallen, sondern auch _alle_ eigenen Tore über die linke, also Hector-Seite, fast immer von ihm mit dem Pass vor dem Assist eingeleitet. Kimnich schlägt öfter Flanken aus dem Halbfeld, und das ist das, was deutsche Fußballbeobachter für toll halten. Damit gewinnt man die Bundesliga, aber bei einer konzentrierten Abwehr holt man damit gar nichts. Gegen konzentrierte Abwehren braucht man Hectors Spielintelligenz.

      Zu Lukas Podolski: Wäre er bei der WM 2018 dabei gewesen, hätte er die graue Stimmung weggelacht, und gegen Mexiko und Südkorea je zwei Dinger gemacht. Selbst in seiner jetzigen Form, die wohl nicht mehr weltmeisterlich ist. Seine sehr gut getarnte enorme mentale Stärke war der Grund für Löws Festhalten an ihm.

      • CK says:

        Gute Erklärung sowohl zu Jonas den ich auch als deutlich stärker weil Spielintelligenter einschätze als auch zu Lukas ;)

        Ich habe das vor der WM gesagt und ich sage es auch jetzt uns fehlen gewisse Mittel im deutschen Fußball und ein Hammer aus 18m in den Winkel ist so eins…

  2. ralf brostewitz says:

    …ich hatte euch ja schon drauf aufmerksam gemacht über jonas , ich persönlich finde es ist ein fehler von ihm jetzt nicht zur NM zu gehen ! es wird über kurz oder lang so kommen wie es der loddar sagt ! wenn jetzt ein schulz oder max sich hervorragend präsentieren – wars das ! und es war nicht nur loddar allein der die personalie hector angesprochen hat !

    • Peter Josef says:

      Wenn er nicht fit ist, und die Franzosen nutzen das, war’s das auch für die N11. Wenn er nicht fit ist und verletzt sich, war’s das vielleicht mit der Karriere. Und zu der Bemerkung, wer sich da alles einmischt: alle nur von der
      Bayernmischpoke.

  3. Flizzy says:

    Mit seiner Entscheidung beim Effzeh zu bleiben hat Jonas sicherlich das Risiko, nicht mehr für „Die Mannschaft“ nominiert zu werden, mit in Betracht gezogen. Er stellt den Effzeh klar über diese halbgare Löw Truppe…was jeder der bei normalen Verstand ist ebenfalls machen würde.

    Und das die Bayern Sekte einen (großen) Anteil daran trägt, dass der deutsche Fußball im Vergleich zu anderen europäischen Ligen immer schwächer wird, sollten die meisten merken. Die deutsche Liga ist einfach momentan zu schwach, somit werden die Bayern nie richtig gefordert und können folglich im europäischen Vergleich nicht mehr mit den Topteams mithalten. Zudem zieren sich die Bayern Bosse ja nach wie vor, mal ein bisschen mehr Kohle in Transfers zu stecken. Bayern hat jahrelang lieber die Liga Konkurrenten geschwächt, deren Spieler gekauft auf die Bank gesetzt, anstatt mal ordentlich einzukaufen.

    • CK says:

      Wie ich es schon schrieb, es geht einigen massiv gegen den Strich das Hector nachwievor in Köln spielt und das ein Spieler ein eventuelles Angebot des großen FC Bayern ablehnen würde.

      Der FC Bayer beherrscht die Liga nach belieben und wenn jemand aufmüpfig wird geschieht genau das was Flizzy schreibt die Leistungsträger werden weggekauft und auf die Bank gesetzt…

      Mittlerweile werden einige Gegner sogar schon geschwächt bevor sie überhaupt eine echte Gefahr darstellen, siehe Hoffenheim mit Rudy und Süle… Naja das Ergebnis wird sein das die Bayern dieses Jahr wieder keine Rolle in der Champions League spielen und die deutsche Nationnalmanschaft ist davon auch indirekt betroffen da das elitäre Gruppendenken eines gewissen B-Blocks sich anscheinend hier auch auswirkt.

  4. Klio says:

    Jonas Hector konnte viele Jahre ohne größere Ausfälle spielen. Neben einer wahrscheinlichen naturgegebenen körperlichen Robustheit hat das sicher auch damit zu tun, dass er wohl gut „auf seinen Körper gehört“ hat – erste Anzeichen ernst nehmen und einen Gang zurückschalten, bevor sich etwas zu einem größeren Problem auswächst. Es wird ja auch seinen Grund haben, dass er auch in Köln erstmal individuell trainiert.

    Selbst wenn es nicht um eine mögliche Verletzungsgefahr ginge oder um vorsorgliche Bedenken wegen seiner Einsatzfähigkeit für den FC: Wenn Hector zur Nationalmannschaft geht und jetzt schon weiß, dass er nicht volle Leistung bringen kann (ob aus physischen oder mentalen Gründen), würde er erst recht spätere Einsätze für Jogis Elf riskieren. Nach einem wirklich schlechten Spiel würde er direkt in die Kritik geraten – da warten doch so Leute wie Matthäus doch darauf (der in seiner Großmannssucht eine Entscheidung wie die von Hector für den FC sicher nur verachten kann).

    Jedem klugen Trainer wird es lieber sein, wenn ihm ein Spieler ehrlich Auskunft über seine momentane Leistungsfähigkeit gibt. Dass Spieler sagen, sie sind topfit, und dann auf dem Platz die Leistung nicht bringen – das braucht kein Trainer.

    Eins war auch von Vornherein klar: Niko Schulz wird seine Einsatzzeit bekommen und kann sich beweisen – das wird Hector nie verhindern können, wenn sich ein anderer deutscher Spieler in Ligaspielen gut präsentiert.

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