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Suche nach dem Mittelweg: Das war gut, das war schlecht

Der FC kann doch noch zu Null spielen

Der 1. FC Köln ist am Freitagabend mit zwei guten Nachrichten aus Sandhausen zurück in die Domstadt gefahren. Die erste lautete: Das 2:0 war gleichbedeutend mit drei weiteren Punkten im Aufstiegskampf. Die zweite lautete: Die Defensive kann doch noch zu Null spielen. Mehr war am Freitagabend nicht zu erwarten gewesen.

Sandhausen – „Wir wollen guten Fußball spielen, zu gutem Fußball gehört aber auch gutes Verteidigen.“ Das hatte Markus Anfang vor dem Spiel beim SV Sandhausen erklärt. Der Trainer des 1. FC Köln dürfte gewusst haben, dass im Hardtwaldstadion selten berauschender Fußball zu sehen ist. Das bestätigte sich auch bei seiner Mannschaft.

Das war gut

Am Ende stand die Null. Das war das Ziel des 1. FC Köln beim SV Sandhausen gewesen. Das erreichte die Mannschaft von Markus Anfang. Nicht immer sicher, nicht immer stabil, schon gar nicht in Hälfte eins. Doch letztlich durften die Kölner aufatmen nach dem 3:5 gegen Paderborn und der berechtigten Kritik am nicht Zweitliga-tauglichen Defensivverhalten der Geissböcke in den Spielen gegen den SCP und auf St. Pauli.

Die FC-Profis und der Trainer hatten ihre Lehren gezogen. In Hälfte eins präsentierten sich die Geissböcke zwar noch wackelig und nervös, auch, weil nach vorne nichts ging. Doch defensiv ließen die Kölner fast nichts zu. Einmal musste Timo Horn gegen Rurik Gislason Kopf und Kragen riskieren. Ansonsten wurde er nicht ernsthaft in Bedrängnis gebracht. Die Hereinnahme von Lasse Sobiech zahlte sich zumindest defensiv aus. Der lange Schlacks räumte in der Luft alles weg, was in Richtung FC-Strafraum gesegelt kam. Dazu agierten die Kölner in den Zweikämpfen zumindest in den entscheidenden Momenten resoluter, gerade in Halbzeit zwei.

Dass sich gerade nach dem Seitenwechsel zudem die Kölner Flügelspieler tiefer fallen ließen, erwies sich als wertvoll. Dass auch einer der beiden offensiven Zentralen (Drexler oder Schaub) immer wieder, weil mannorientiert, neben Marco Höger begaben, sorgte für mehr Dichte in der Defensive. Und weil die Offensive an diesem Tag aus der individuellen Klasse eines Louis Schaub und der Kaltschnäuzigkeit eines Simon Terodde bestand, reichte es nach 90 Minuten zu einem letztlich verdienten Sieg. Der FC demonstrierte in diesem Spiel, dass er kämpferisch und taktisch willens und fähig ist, sich auf solche Spiele einzulassen. Auch, wenn darüber hinaus nicht viel gelingen wollte.

10 Kommentare
  1. Paul says:

    Angsthasenfußball gegen Sandhausen! Peinlich! Peinlich! Peinlich! Das war ein Rückfall in armseligste Stöger-ich-spiel-den-Ball-zu-Timo-Zeiten. Nichts war zu sehen von den erfrischenden Offensiv-Fußball á lá Anfang, wegen dem wir einen Abstieg in Kauf genommen haben. Die Abwehr ist nicht aufgerückt, Sobiech ist ein Grottenkicker, vom offensiven Mittelfeld keine Spur. So werden wir eine Fahrstuhlmannschaft bleiben, mit Schiß in de Büchs. Wir sind nur in einem Spitze: Wir haben das mieseste Präsidium im bezahlten Fußball!!

  2. Karl Heinz Lenz says:

    Ich möchte nicht grundsätzlich über den Artikel von Marc Merten meckern, aber einige Formulierungen geben doch zu denken. Er stellt fest, dass beim FC „berauschender Fußball“ selten ist. Dass die „Leichtigkeit in der Offensive“ fehlt. Direkt nach dem Sandhausen-Spiel hieß es im Geissblog, das Spiel des FC sei „glanzlos“ gewesen und es sei kein „Spektakel“ zu sehen gewesen. So oder so ähnlich war es ja auch im Express und im KStA und auch hier oft in unseren Kommentaren zu lesen.

    Ich verbinde mit gutem FC-Fußball nicht die Begriffe „Rausch, Leichtigkeit, Glanz und Spektakel“. Ich weiß gar nicht, wie man darauf kommen kann, von unserer Mannschaft so etwas zu erwarten. Aus zwei Gründen:

    Ich nehme mal die Teams von Real Madrid und Atletico Madrid, von denen in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Spielen bei uns im Fernsehen zu sehen waren. Sieht man bei diesen beiden wirklich großen Mannschaften „Rausch, Leichtigkeit, Glanz und Spektakel“? Ich habe so etwas weder bei Atletico noch bei Real bisher wahrgenommen. Atletico kann ich nur als athletische Kampfmaschine bezeichnen und Real spielt einen sehr nüchternen Erfolgsfußball. So ist es meiner Wahrnehmung nach und nicht anders. Oder?

    Aber der FC soll nach Meinung der oben genannten in seinem Spiel „Rausch, Leichtigkeit, Glanz und Spektakel“ verbreiten. Warum auch nicht? Wir haben ja in der letzten Saison einen wunderbaren, einzigartigen Fußball hingelegt – am Ende sogar noch mit einem tollen Ergebnis. Wie kann das sein, dass wir in der jetzigen Saison dann plötzlich keinen „Rausch, Leichtigkeit, Glanz und Spektakel“ mehr hinkriegen? Unverständlich!

    Mal im Ernst: Spontan erinnere ich mich nur an ein Spiel, in dem es wirklich „Rausch, Leichtigkeit, Glanz und Spektakel“ gegeben hat. Das war 2011 das Endspiel in der CL, das Barca 3:1 gegen ManU gewann und die Spanier einen Fußball wie vom anderen Stern spielten, bei dem die Engländer nur das arme Opfer waren. Barca spielte damals wie im „Rausch“.

    Wer als über den FC schreibender Sportjournalist und als FC-Fan Verlangen nach einem „Rausch“ hat, dem empfehle ich ein oder mehrere lecker Kölsch. Erfahrungsgemäß stellt sich dann nach und nach auch „Leichtigkeit, Glanz und Spektakel“ ein, wenn man dran bleibt. Zumindest in einer schönen kölschen Kneipe.

    Bleiben wir also auf dem Teppich und wünschen uns von unserer Mannschaft etwas, was sie auch leisten kann. „Rausch, Leichtigkeit, Glanz und Spektakel“ heben wir uns für Karneval auf.

        • CK says:

          Wieso Guirassy hat das doch richtigt stark gemacht, auch defensiv, vorne Links. Ist weite Wege gegangen. Der einzige Nachteil ist das er Rechtsfuss ist da kommen die Flanken dann nur wenn er sich drehen kann.

          Damit Horn wieder hinten Links und Hector auf die 6…

          • Karl Heinz Lenz says:

            Was für Jannis Horn spricht, ist dass er hinter die gegnerische Abwehr kommt und von der Grundlinie aus gute, verwertbare Flanken ins Zentrum schlägt. Wir hätten dann mit ihm und Clemens zwei offensive Außenspieler, die uns gegen massierte Abwehrreihen helfen können. Außerdem arbeitet er auch als Offensivspieler vernünftig nach hinten. Deswegen ist Guirassy natürlich trotzdem ein guter Junge und seine Vorlage auf Schaub im Spiel gegen Sandhausen zeigte das auch.
            Was Jannis Horn generell angeht: Ich finde, dass er ein junger, vielversprechender Spieler ist, dem der FC die Spielpraxis geben muss, die er für seine Entwicklung braucht. Schmadkte hat damals für ihn eine enorme Ablösesumme auf den Tisch gelegt (über 7 Mio?) und der FC hat ein Interesse daran, dass sich diese Ausgabe rentiert, entweder durch sportlich sehr gute Leistungen und/oder durch einen späteren Transfer von Horn zu ähnlichen Konditionen, nachdem er Köln gezeigt hat, dass er die oben genannte Summe wert ist.

  3. BM says:

    Wie man in unterschiedlichen Gazetten von stabiler FC-Defensive bei den Tormaschinen von Sandhausen sprechen kann, ist mir ein Rätsel. Risse, Czichos und Sobiech haben abenteuerliche Fehlpässe produziert, obwohl die 5-Meter-Variante zum Nebenmann oder zu Timo die Regel war. Die meisten Mannschaften hätten aus den Fehlern Kapital geschlagen, aber Sandhausen kann es in dieser Saison einfach nicht. Wenn der Ball locker knapp an der Torlinie vorbei läuft, wenn die Bälle quer geköpft werden zu einem Gegenspieler, wenn als einziger Ballabnehmer im weiten Umkreis ein Sandhausener gefunden wird, ist das nicht souverän sondern fehlerbehaftet und dringend verbesserungswürdig. Czichos war zu Saisonbeginn ja noch ein sicherer Passspieler, mittlerweile sind meine Bedenken zu seiner Verpflichtung zurück gekommen, von Sobiech ist diese Schwäche seit zig Jahren bekannt und die schlechte Passqualität von Risse kann ich mir nur mit seiner Verletztenhistorie erklären, sein Stellungsspiel zeigt mir aber, dass er auf dieser Position immer nur Notlösung bleiben wird. Wenn die neu Verpflichteten da nichts Besseres abliefern, sind Kaderplätze fehlbesetzt.

  4. Klio says:

    In der ersten Halbzeit war nichts von einer stabilen Defensive zu sehen. Sehr richtig ist da Marc Mertens Beobachtung: „Denn auch nervlich schien das 3:5 gegen Paderborn Spuren hinterlassen zu haben.“ Ein gutes Zeichen aber, dass die Mannschaft sich in der 2. Halbzeit hier sichtlich gesteigert hat. So richtig verlässlich ist im Moment beim FC-Spiel noch nichts. Da muss sich noch einiges austarieren; die Mannschaft muss Sicherheit gewinnen. Das Potential der Mannschaft macht aber Hoffnung – und die Tatsache, dass wir trotz diverser Probleme in dieser Anfangsphase der Saison sogar genügend Punkte geholt haben für die Tabellenführung („Spitzenreiter! Spitzenreiter! …“).

    Auch der HSV hat auf dem Papier herausragende Voraussetzungen für den Aufstieg. Der FC hat zwar den wertvollsten Kader, aber der HSV gibt in dieser Saison mit Abstand am meisten für seinen Kader aus. Gegen Jahn Regensburg, die vorher 4 Punkte aus 5 Spielen geholt haben, ist der HSV heute mit 0:5 im eigenen Stadion untergegangen. Diese Liga hält einige Fallstricke bereit. Auch wenn sich Sprüche wie „Man muss die 2. Liga annehmen“ nach Plattitüde anhören – ohne Pragmatismus und das richtige Maß an Ergebnisfußball wird es nichts mit dem Aufstieg.

    Um an Karl Heinz Lenz anzuknüpfen: „Rausch, Leichtigkeit, Glanz und Spektakel“ kann man sich als Journalist gerne wünschen. Für den FC und seine Fans muss im Vordergrund stehen, wie die Punkte, die für den Aufstieg nötig sind, geholt werden können. Spektakel und teilweise Rausch hatten wir zweimal: einmal ist es gut ausgegangen, einmal schlecht. Leichtigkeit und Glanz gibt es immer nur stellenweise. Gegen Sandhausen war das in der 45. Minute der Fall mit Schaubs Tor (ein Moment zum Einrahmen). Am wichtigsten bleibt: 13 Punkte und 16:10 Tore nach 6 Spielen und keine andere Mannschaft hat bislang mehr Punkte geholt.

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