,

Ein Eigentor, das der FC nicht retuschieren kann


Eigentore gehören zum Fußball dazu. Sie unterlaufen nicht selten dann, wenn ein Spieler eigentlich nur das Beste für seine Mannschaft will, aber eine unglückliche Entscheidung trifft. Doch Eigentore auf dem Rasen lassen sich korrigieren. Genau deswegen ist das Eigentor, das dem 1. FC Köln nun abseits des Spielfelds unterlaufen ist, umso verheerender. 

Köln – Als Matthias Bader im Heimspiel gegen den MSV Duisburg in eine Flanke grätschte, wollte er eigentlich ein Tor verhindern. Doch er erzielte es schlussendlich selbst. Ein klassisches Eigentor. Pech für den Rechtsverteidiger, Pech für den 1. FC Köln. Das Spiel ging verloren. Doch der FC wird die Chance bekommen, das Malheur zu korrigieren. Sollte am Ende der Saison der Aufstieg gelingen, wird niemand mehr über das unglückliche 1:2 durch Bader gegen Duisburg sprechen.

Das Eigentor, das die Kommunikationsabteilung des 1. FC Köln nun aber geschossen hat, lässt sich nicht mehr korrigieren. Zumindest nicht in der Printausgabe des aktuellen Geißbockechos und in seiner Wirkung. Im Vereinsmagazin erscheint an diesem Wochenende ein Foto als Rückblick auf die Niederlage gegen Duisburg. Ein Foto, doppelseitig, mit dem Ergebnis in einem weißen Kasten. Das Bild zeigt das erste Duisburger Tor am Abend des 8. Oktober. Es wurde vor der Südkurve erzielt. Auf dem Bild zu sehen: der Duisburger Jubel, die Kölner Enttäuschung – und im Hintergrund die Südkurve, die Fans, die Banner. Vor allem die „Vorstand raus“-Banner. Zumindest fast.

Denn auf diesem Foto, das im Geißbockecho abgedruckt wurde, ist auf einem Banner nicht „Vorstand raus“ zu lesen, sondern nur „Vorstand“. Dahinter folgen unleserliche Buchstaben. Das „raus“ wurde entstellt, unleserlich gemacht, retuschiert. Von einem Redakteur des FC, der offensichtlich noch nicht einmal über besonders tiefgehende Photoshop-Kenntnisse verfügt. Der bewusste Versuch einer Täuschung, die bewusste Verfälschung eines Bildes, um eine unliebsame Botschaft der Ultras unkenntlich zu machen.

Glaubwürdigkeit auf längere Zeit ruiniert

Wäre der Vorfall nicht so ernst, wäre er ein Grund für herzhaftes Lachen. Zu dilettantisch die Art und Weise, wie das Bild bearbeitet wurde. Zu absurd, dass der Redakteur sich nicht einfach für ein anderes Bild des Spiels entschied, wenn er schon dem Vorstand der Geissböcke das Banner ersparen wollte. Doch die Botschaft, die von diesem „Fake Image“ ausgeht, ist verheerend. In Zeiten, in denen der Begriff „Fake News“ in aller Munde ist, der FC Bayern München sich als Verteidiger kritisierter Vereine und Spieler aufschwingt und Medien für unfaire Berichterstattungen und unsaubere Recherchen kritisiert, in Zeiten, in denen die Kommunikationsabteilungen der Fußballklubs immer mehr Inhalte selbst produzieren wollen, Medienvertretern Akkreditierungen entziehen und glauben, dadurch die Berichterstattung steuern zu können – in diesen Zeiten kämpfen alle Seiten, Vereine wie Medien, um Glaubwürdigkeit.

Diese hat sich der 1. FC Köln mit dieser Aktion wohl auf längere Zeit ruiniert. War es eine Aktion, die vom Vorstand oder von der Medienabteilung gesteuert war? Kaum vorstellbar, denn dann hätte man einfach ein anderes Foto ausgewählt anstatt das Risiko eines Shitstorms und des Verlusts jeder Glaubwürdigkeit einzugehen. Doch das spielt in der öffentlichen Wahrnehmung dieser Retusche bereits keine Rolle mehr. Selbst, wenn es der vorauseilende Gehorsam eines einzelnen Redakteurs war, verantwortlich für die Erscheinung des Blattes und seiner Botschaften in der Gesamtheit sind die FC-Bosse selbst. Und so sendet der 1. FC Köln das Signal, dass Kritiker in diesem Klub unerwünscht sind.

Photoshop war hier keine gute Idee

Da hilft auch die knappe Entschuldigung des 1. FC Köln nichts, die der Klub im Laufe des Nachmittags publizierte: „Photoshop war hier keine gute Idee. Im E-Mag korrigieren wir das und nehmen das Original“, hieß es auf Twitter. Doch der Schaden war da längst angerichtet.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar