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Frühe Nackenschläge und späte Party-Killer

Der 1. FC Köln hat aktuell viele Probleme. Auffällig ist, dass die Geissböcke bereits in diversen Spielen große Probleme hatten in die Partie zu finden oder diese zu Ende zu spielen. Besonders in der Anfangsphase und kurz vor Schluss wackelte die Kölner Defensive.

Hamburg/Köln – Der FC steht vor einer kurzen Vorbereitung auf das so wichtige Heimspiel am Samstag gegen Dynamo Dresden. Am Dienstag nach der Rückkehr aus Hamburg bat Markus Anfang zu einer Aussprache mit seinem Team. Dann sollten die Spieler darüber nachdenken, ehe es am Mittwochnachmittag zu einer öffentlichen Trainingseinheit kommt. Am Donnerstag und Freitag üben die Geissböcke hinter verschlossenen Türen, ehe es tags drauf um 13 Uhr in Müngersdorf gegen Dresden um mehr als nur drei Punkte gehen wird.

Dann müssen die FC-Profis zeigen, dass sie in der Lage sind, ein Fußballspiel über 90 Minuten konzentriert zu bestreiten. Seit Wochen gelingt dies nicht. Immer wieder, vor allem daheim, verschliefen die Kölner die Anfangsminuten und brachten gegnerische Mannschaften ins Spiel – so geschehen gegen Duisburg oder Heidenheim. Dreimal in zwölf Ligaspielen geriet der FC bereits innerhalb der ersten Viertelstunde in Rückstand, konnte nur die Partie beim FC St. Pauli noch in einen Sieg verwandeln.

Anfang nimmt Spieler ins Gebet

Zuletzt zeigte sich der FC aber vor allem in der Schlussphase anfällig. Gegen Paderborn, Kiel, Schalke und Hamburg kassierte Köln in den letzten fünf Minuten noch insgesamt fünf Tore, gab damit den Einzug ins Pokal-Achtelfinale aus der Hand, vor allem aber vier Punkte in der Liga. Nicht nur, dass der Effzeh mit einem Sieg über Schalke um rund 700.000 Euro reicher gewesen wäre. Mit den vier zusätzlichen Punkten in der Liga stünde Köln an der Tabellenspitze und von einer Krise wäre beim FC nicht die Rede.

So aber erwiesen sich die frühen Nackenschläge und späten Party-Killer als Problembeschleuniger in einer Zeit, in der sportlich nur wenig rund läuft. „Wir müssen hören, was die Jungs selbst dazu sagen“, sagte Markus Anfang nach dem 0:1 beim HSV und verfolgte offenbar am Dienstag nach der Rückkehr aus Hamburg genau diesen Plan – seine Spieler anzuhören. Doch der Trainer wird auch klare Worte gefunden haben für den Totalausfall beim HSV. „Wir haben gegen Schalke über 120 Minuten ein richtig gutes Spiel gemacht, haben danach gut regeneriert. Es wäre also möglich gewesen, das Spiel so zu gestalten, dass wir in Hamburg etwas mitnehmen. Dass wir in Kiel, gegen Schalke und jetzt wieder kurz vor Schluss ein Gegentor kassieren, ist sehr ärgerlich. Darüber müssen wir reden.“

Fitnessprobleme? Eher ein Kopfproblem!

Ist die Fitness ein Problem? In der Vorbereitung und zu Saisonbeginn hatte man diesen Eindruck nicht gewinnen können. Kämpferisch herausragende Spiele wie jenes am ersten Spiel bei großer Hitze in Bochum, noch dazu in der Schlussphase in Unterzahl, oder beim FC St. Pauli sprechen klar dagegen. Auch gegen Schalke war die Mannschaft über 120 Minuten nicht nur spielerisch besser, sondern körperlich mindestens ebenbürtig. Die Zeit zwischen dem DFB-Pokal am Mittwoch und dem Montagabendspiel in Hamburg war zudem groß genug, um ausreichend zu regenerieren. Vielmehr scheint es, wie auch die verschlafenen Anfangsphasen, ein Kopfproblem gewesen zu sein.

Markus Anfang wird dies gerade vor dem Spiel gegen Dresden am Samstag ansprechen. „Wir müssen jetzt ein richtig gutes Heimspiel machen“, sagte der FC-Coach, wissend, dass anschließend die Länderspielpause die Zeit bieten wird, um viele Frage aufzuwerfen. Ein Dreier gegen Dynamo würde der Kritik etwas Wind aus den Segeln nehmen, um etwas ruhiger die Mängelliste abarbeiten zu können. Andernfalls dürfte ein Sturm über dem Geißbockheim aufziehen – vor allem dann, sollte Köln erneut vor heimischem Publikum früh in Rückstand geraten oder kurz vor Schluss das Spiel aus der Hand geben.

5 Kommentare
  1. Karl Heinz Lenz says:

    Die Sache mit den frühen und späten Toren in Halbzeit 1 und 2 sind wirklich ein Problem, das aber schon in der letzten Saison häufig zu beobachten war und in etwas milderer Form auch in den Spielzeiten unter Peter Stöger zu sehen war, als es noch gut lief. Das ist einfach eine Mentalitätsschwäche unseres Teams, die offenbar auch durch die vielen Neuzugänge nicht in den Griff zu bekommen ist, bis jetzt jedenfalls.

    Was unsere „netten Schwiegersöhne und Ministranten“ (so einmal Peter Stöger) zusätzlich irritieren muss, sind die permanten Veränderungen bei den Mannschaftsaufstellungen, die Markus Anfang vornimmt. Ich weiß, „Rotation“ ist im Augenblick das Zauberwort. Angeblich jeder gute Trainer wechselt in diesen Monaten die Mannschaft durch, auch weil seine Lieben angeblich die Belastung der 34 Saisonspiele ansonsten nicht mehr packen …

    Vielleicht ist das aber für unsere Mannschaft nicht gut. Zum Beispiel auf der rechten Außenverteidiger-Position. Bader und Schmitz sind bestimmt Jungs, die das spielen können. Zumindest nach meinem Eindruck. Es ist nicht richtig, dass beide nach ein oder zwei Spielen, in denen sie teilweise nicht gut aussahen, wieder auf die Bank oder auf die Tribüne gesetzt werden. Wie sollen diese Jungs, die wir geholt haben, damit auf dieser Position endlich mal Ruhe herrscht, zu ihrer Form kommen? Stattdessen spielt dort Risse, der seine Stärken auf dieser Position nicht hat, und der vom Trainer immer wieder von vorne rechts nach hinten rechts und dann wieder umgekehrt gesetzt wird. Auch das Hin und Her mit Hector – einmal hinten links, dann wieder auf der Sechs, und dann wieder in der Abwehr – kann die Mannschaft nur verunsichern. Die Abwehr sollte sowieso nicht dauernd umgestellt werden, auch nicht bei den Innenverteidigern. Anfang hat dabei offensichtlich im Auge, die Innenverteidiger jeweils nach der Eigenart der gegnerischen Stürmer aufzustellen (Kopfballstärke usw.). Das kann ein Trainer machen, der Innenverteidiger von internationaler oder Weltklasse hat, aber nicht unser Trainer. Wir brauchen eine Abwehr, die dauerhaft zusammenspielt. Überhaupt finde ich, dass bei einem Team mit relativ wenig Biss wie dem unsrigen die Abwehr die Basis sein muss. Man spürt ja bis hoch auf den letzten Tribünenrang die Nervösität unserer Liebchen. Mit einem solchen Team muss zu allererst die Abwehr stehen. Die Abwehr muss eingespielt sein. Es kann nicht sein, dass unsere Spieler und wir Zuschauer bei jedem gegnerischen Angriff, der sich dem Strafraum nähert, Schweißausbrüche bekommen. Ich habe sicherlich hier in unserem Forum viel über Peter Stöger gemeckert, aber seine Spielidee mit einer soliden Defensive fand ich absolut o. k. und würde ich mir auch jetzt wieder wünschen.

    Wenn der Trainer und die Mannschaft die Abwehr dicht kriegen und auch für die Sechs eine gute Lösung finden (ich bin für zwei Sechser), dann sieht auch unsere Offensive wieder besser aus. Wir haben dann vielleicht kein offensives Feuerwerk mehr, aber was sollst. So viele Tore, wie wir hinten rein kriegen, kann sowieso keine Offensive schießen. Grundsätzlich würde ich sagen, dass auch in der Offensive nicht bei jedem Spiel die ganze Aufstellung wieder komplett durcheinandergewürfelt werden darf. Natürlich muss es Spieler der ersten Reihe und der zweiten Reihe geben, zumindest bei einer Mannschaft unserer Güteklasse. Ich finde es absurd, dass wir in jedem Spiel auf die Aufstellung warten wie die Kinder vor dem Weihnachtsbaum: Mal gucken, was heute in der Wundertüte drin ist! Auch die Offensive muss sich einspielen können.

    Eine defensive Grundordnung würde natürlich bedeuten, dass es kein Offensiv-Feuerwerk mehr geben wird, sondern stattdessen viele 1:0 oder 2:1. Ist mir egal. Der FC-Fußball ist für mich schön, wenn wir gewinnen. Da bin ich ein schlichtes Gemüt. Eine defensive Grundordnung kann übrigenes auch Fußball von hoher Qualität sein.

    • Chris Kim says:

      Sehr richtig , gute Rede, Mann.
      Eigentlich sollte schon längst ein Lernprozess begonnen haben. Anlass gab es genug. Wenn es noch dieses Montags-„Spiels“ bedurft hat, nun gut. Aber jetzt muss eine vernünftige Analyse folgen, aus der richtigen Schlüsse gezogen werden, und diese dann umgesetzt werden. Sonst wird die Länderspielpause genutzt werden müssen, um die üblichen Mechanismen anzuwerfen.

    • NICK says:

      Wann hast Du diesen Kommentar geschrieben??? Der hätte BIS Paderborn gepasst…

      „Wenn der Trainer und die Mannschaft die Abwehr dicht kriegen und auch für die Sechs eine gute Lösung finden (ich bin für zwei Sechser), dann sieht auch unsere Offensive wieder besser aus. Wir haben dann vielleicht kein offensives Feuerwerk mehr, aber was sollst. “

      Genau das wird doch seit dem Paderborn-Spiel versucht. Jetzt gucke Dir mal die Tabelle bis zu Paderbornspiel an und die danach – klappt ja super…selber kaum noch Chance raus spielen, dementsprechend kaum noch Tor und dafür gibts kurz vor Ende einen auf den Deckel, weil man den Gegener anstürmen lässt und versucht das Ergebnis über die Zeit zu kriegen.

      Angriff ist oftmals die beste Verteidigung. Der HSV ist mit jeder Minute stärker geworden, weil sie gemerkt haben, dass halten die Kölner nie bis zum Ende durch, dass 0:0 über die Zeit zur kriegen und Tore schießen, versuchen die ja nicht einmal – Kein Siegeswille! Mentalitätsproblem!

  2. Huey L. says:

    Im Moment stürzt sich alles auf Markus Anfang, der dazu ganz sicher auch genügend Anlässe bietet. Doch die Nicht- Leistungen der Mannschaft kann man nicht alleine nur damit begründen, dass sie Anfangs System nicht verstehen. Das Festhalten an diesem System und die Reaktionen oder auch die Nichtreaktionen des Trainers während des Spiels wurden hier auch schon zu Hauf beschrieben, doch sollte das alles nicht den Blick auf die Mannschaft verstellen, die sich nun über ein Alibi freut. Der vielzitierte Druck liegt nun auf dem Trainer. Auf dem Feld steht aber einfach eine (auch von mir) viel zu hoch gepriesene Mannschaft, mit vielen „Altlasten“, die nicht (mehr) bereit ist 100% zu geben.
    Sie lässt jede Form von Biss und Willen vermissen, hat sich schlichtweg ergeben. Konnte man sich früher oftmals noch drauf verlassen, dass sich die Mannschaft zusammenriss, wenn es zwingend drauf ankam, ist diese Eigenschaft spätestens im Abstiegsjahr komplett verloren gegangen. Da spielte auch jeder sein Ding runter, keiner rannte für den anderen oder kämpfte gar um das durchaus mögliche Überleben in der 1. Liga. Das gleiche Verhalten sehen wir nun eine Liga tiefer, gegen vermeintlich schwächere Gegner, als die, die wir noch in der letzten Saison hatten.
    Ich weiß nicht, wie man diese „Mentalität“ wieder aus der Mannschaft herausbekommt? Muss man tatsächlich Grundtugenden wie „Laufen und Kämpfen bis zum Schlusspfiff“ an gestandene Profis vermitteln oder explizit von diesen einfordern oder sollten diese Leute nicht so etwas wie ein Ehrgefühl/ Berufsethos haben, diese Tugenden selbst auszupacken?

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