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Gefangen zwischen Spektakel und trockener Zweitliga-Kost

Der 1. FC Köln hat in den letzten beiden Spielen elf Tore geschossen. Dem 8:1 gegen Dresden folgte das 3:0 am Samstag in Darmstadt. Der Verlauf der Partie am Böllenfalltor zeigte, was die FC-Fans wohl auch weiterhin erwartet. Einerseits ist die Mannschaft für viele Tore gut. Andererseits lassen sich die Probleme aus den sieglosen Wochen nur schwer beheben. 

Köln – Der kicker nannte die Leistung des 1. FC Köln am Samstag durchaus treffend einen „erfolgreichen Rückfall“. Erfolgreich, weil Darmstadt aus allen Kölner Mängeln kein Kapital schlagen konnte und hinterher von Kölns individueller Klasse geschlagen wurde. Ein Rückfall, weil der FC vor allem in Halbzeit eins spielte wie zwischenzeitlich gegen Duisburg, Kiel oder den HSV. Von gutem Fußball, geschweige denn von Dominanz, war nichts zu sehen.

Das Acht-Tore-Festival gegen Dresden hätte ein Brustlöser sein sollen. Jedoch scheinen die Spieler immer wieder überrascht, wenn sie in der Zweiten Liga auf harte Gegenwehr treffen. Dabei kam Darmstadts Gangart alles andere als unerwartet. Dennoch brauchte es eine deutliche Ansprache von Markus Anfang in der Halbzeitpause, um die Spieler davon zu überzeugen, dass ohne Zweikämpfe eben keine Fußballspiele zu gewinnen sind. Sichtbar wurde danach, dass sie es ja durchaus können, nur eben zu selten in dieser Saison über 90 Minuten zeigen.

Attraktivität rückt an zweite Stelle

Als Tabellenführer (zumindest bis Montagabend) sind solche Kritikpunkte natürlich das vielzitierte Jammern auf hohem Niveau. Doch dieses Niveau wollten die Geissböcke auf dem Rasen höchstselbst erreichen. „Ich hätte mir schon in der ersten Liga gewünscht, dass wir anders Fußball spielen“, hatte Sportchef Armin Veh Ende Juni auf der ersten Pressekonferenz der Vorbereitung neben seinem neuen Trainer erklärt. „Ich glaube, dass wir jetzt einen Kader haben, mit dem wir guten Fußball spielen lassen können, besser kombinieren, schneller umschalten und nicht von einem Stürmer alleine abhängig sind.“ Markus Anfang ergänzte damals, der FC wolle „mutig nach vorne spielen und dominant sein“.

Echte Dominanz gelang den Geissböcken in den bisherigen Spielen nur selten. Erst seit dem jüngsten Aufblühen von Jhon Cordoba ist der FC nicht mehr gänzlich abhängig vom bis dato einzigen Stürmer Simon Terodde (erzielte 17 der 35 Ligatore). Und der gute Fußball, das Kombinieren, braucht deutlich mehr Zeit als gedacht. Das gestand Veh nun selbst ein und rückte dabei erstmals von seiner Vorgabe ab, nicht nur auf Ergebnisse zu spielen, sondern auch auf Attraktivität. „Wir wollen versuchen attraktiv zu spielen. Das ist uns aber nicht immer gelungen, das muss man klar sagen“, sagte der Sportchef nach dem Sieg bei den Lilien. „Die Spiele zu gewinnen, ist das Wichtigste. Ich habe das große Ziel des Aufstiegs. Da ist es mir nicht so wichtig, wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben.“

Schaub sinnbildlich für den FC

Zuvor hatte Veh immer wieder erklärt, er wolle auf der Tribüne selbst Freude an den Auftritten der Geissböcke haben. Am Böllenfalltor hatte er lediglich Freude am Ergebnis. Allerdings war auch in Darmstadt zu erkennen, dass die Kölner immer dann in der Lage sind erfolgreicher und dominanter aufzuspielen, wenn ihnen früh in einer Halbzeit ein Tor gelingt. Gegen Dresden waren die Treffer zeitlich derart wirksam gefallen, dass sich der FC in einen Rausch spielen konnte. Auch in Darmstadt zogen die Geissböcke dem Gegner nach der Halbzeit mit drei schnellen Toren den Zahn, sodass nach 50 Minuten trockenster Zweitliga-Kost noch der Hauch eines Spektakels in Halbzeit zwei am Böllenfalltor zu spüren war.

Beispielhaft für dieses Hin und Her stand nicht nur am Samstag Louis Schaub. Gegen die Lilien gelang dem Österreicher eine Halbzeit lang fast nichts, und ohne ihn gelang dem FC nichts. Nach der Pause legte er dann aber innerhalb von elf Minuten die Tore zum 1:0 und 2:0 auf, wurde anschließend ausgewechselt und gehörte damit zu den Spielern des Spiels. Überhaupt waren es bereits seine Vorlagen acht und neun in dieser Saison. Kein Spieler in der Liga bereitete bislang so viele Treffer vor. Der 3,5-Millionen-Euro-Mann aus Wien gehört zu den herausragenden Spielern der bisherigen Zweitliga-Saison – wenn er denn ins Rollen kommt.

2 Kommentare
  1. Gerd Mrosk says:

    Bester Einkauf ,ganz ohne Zweifel der Junge Ich dachte auch ,das DD der dominante Mann im Mittelfeld wird,der vllt sogar komplett das Heft des Handelns in die Hand nimmt,aber wenn es auf mehrere Schultern verteilt werden kann,um so besser.Attraktivität ist völlig zweitrangig und kaum möglich in Liga 2 Kann sich der gute Armin von mir ruhig sagen lassen,ich war schliesslich schon viel öfter in Liga 2 als er. ;-) Ausserdem haben wir hier nen neuen Trainer mit ner halben neuen Mannschaft,der noch experimentiert zwischen den Systemen Da hats ne Mannschaft auch noch mal schwerer zu brillieren.Wichtig ist exakt die Entwicklung und Flexibilität der Mannschaft,die wie MA immer sehr richtig sagt immer weiter geht und nie abgeschlossen wird.

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